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Kommentar : Schön wär’s

Verbaute Situation: Die Aufgabe von Planungsdezernent Cunitz ist keine leichte. Er soll für mehr Wohnungen sorgen und allen Ansprüchen gerecht werden. Bild: Helmut Fricke

Planungsdezernent Olaf Cunitz ist um seine Aufgabe, für Wohnraum in Frankfurt zu sorgen, nicht zu beneiden. Zu Pessimismus besteht leider Anlass.

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          Frankfurt wachse, heißt es immer. Schön wär’s, wird sich Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen) denken, wenn er wieder einmal sein Haupt über die Karte der Stadt beugt. Es ist nur die Zahl der Bewohner, die steigt und die auf gleichbleibender Fläche unterzubringen ist. Rund 700 000 Menschen wohnen im Stadtgebiet. Ernstzunehmenden Prognosen zufolge könnten es bis zu 800 000 werden, die zwischen Sindlingen und Fechenheim ein Quartier suchen.

          Cunitz ist um seine Aufgabe, für den entsprechenden Wohnraum zu sorgen, nicht zu beneiden. Noch nie war es so kompliziert, Stadtplanung zu betreiben. Da sind die Ansprüche der Bürger, die pro Kopf immer mehr Wohnfläche belegen, aber gegen Neubauvorhaben in ihrer Nachbarschaft mit allen Mitteln vorgehen.

          Unantastbare Gebiete

          Schiere Masse durch Hochhaussiedlungen zu schaffen verbietet sich nach den Erfahrungen mit solchen Trabantenstädten. Die Wohnungssuchenden ans Umland zu verweisen kommt aus ökologischen Gründen nicht in Frage. Der Flächenverbrauch wäre der gleiche, und die Pendelei würde das Klima belasten.

          Gleichzeitig müssen Kaltluftschneisen freigehalten werden, um das Leben in der Stadt angesichts des Klimawandels erträglich zu gestalten. Ohnehin sind größere Teile des Frankfurter Stadtgebiets von 248 Quadratkilometern unantastbar, weil sie unter Natur- oder Landschaftsschutz stehen. Die Siedlungsbeschränkung aufgrund des Fluglärms sorgt dafür, dass südlich des Mains kein nennenswerter Neubau stattfinden darf. Und wer es wagt, sein begehrliches Auge auf Gewerbegebiete zu richten, der bekommt es mit der Industrielobby zu tun.

          Mut zu Konflikten

          Es ehrt Cunitz, dass er alle Anliegen, Argumente und Bedenken abwägt. Und es ist erfreulich, dass er nun 15 Neubaugebiete vorantreiben möchte. Doch die paar tausend Wohneinheiten reichen nicht einmal, den Zuzug eines Jahres unterzubringen. Ganz abgesehen davon, dass Investoren mit Mietpreisbremse und Milieuschutzsatzung von einem Engagement abgeschreckt werden.

          Cunitz wird mehr bieten müssen. Er wird Mut für Konflikte mit Interessengruppen aufbringen müssen. Dass er dafür die nötige Rückendeckung aus der eigenen Fraktion, vom Koalitionspartner CDU und vom sozialdemokratischen Oberbürgermeister erhält, ist unwahrscheinlich. Zu Pessimismus besteht leider Anlass.

          Matthias Alexander

          Redakteur im Feuilleton.

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