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Streit um früheres KZ Katzbach : Schäbiger Wahlkampf

Im Gebäude der Frankfurter Adlerwerke ist ein Geschichtsort entstanden, der an das Schicksal von mehr als 1600 Zwangsarbeitern erinnert, die zum größten Teil während der NS-Zeit umgekommen sind. Bild: Manz, Florian

Wie erinnert man angemessen an das KZ „Katzbach“ im früheren Sitz der Adlerwerke in Frankfurt? CDU und Grüne wollen die Debatte anstoßen. Schäbig ist allerdings das Verhalten der SPD und des Oberbürgermeisters.

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          Es ist eine der schwierigsten Aufgaben, vor der Politiker, Historiker, Museumspädagogen und Künstler stehen: Wie erinnert man angemessen an das Leid von Männern, Frauen und Kindern, die Opfer von Gewaltherrschaft und Krieg geworden sind? Sollen die Ereignisse dokumentiert werden, oder soll das Leid künstlerisch dargestellt werden und, wenn ja, besser in abstrakter oder gegenständlicher Form?

          Es gibt keine richtige und keine falsche Antwort auf diese Fragen, weil es immer auch auf die Rezipienten ankommt. Dem einen tritt das Grauen der Schoa vor Augen, wenn er die Namen und Lebensdaten der während des „Dritten Reichs“ ermordeten und umgekommenen Frankfurter Juden auf dem Fries am Börneplatz liest. Die andere wird stärker berührt, wenn sie das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin besucht. Und ein Dritter kommt dem Unbegreiflichen am nächsten, indem er im Anne Frank Haus in Amsterdam Fotos, Briefe und Alltagsgegenstände betrachtet.

          Darf über Erinnerungskultur gestritten werden?

          Weil das so ist und weil jede Generation ihre eigene Form des Gedenkens finden muss, ist es auch erlaubt, darüber zu diskutieren, wie an das KZ „Katzbach“ im früheren Sitz der Adlerwerke im Frankfurter Gallusviertel erinnert werden soll. CDU und Grüne im Römer wollen eine solche Debatte anstoßen, indem sie künstlerische Aktionen im öffentlichen Raum vorschlagen, die das Schicksal der überwiegend aus Polen stammenden Zwangsarbeiter thematisieren. Genauso legitim ist es, eine solche Idee abzulehnen, weil derartige Performances allzu oft geschmäcklerisch geraten.

          Das immer wieder zu hörende Argument, über Fragen der Erinnerungskultur dürfe nicht gestritten werden, ist jedenfalls grundfalsch. Vielmehr ist die Debatte selbst schon ein Beitrag zur Verlebendigung des Geschehens, zumal in Zeiten, in denen die letzten Zeitzeugen sterben.

          CDU und Grüne haben stets klargemacht, dass sie ihren Vorschlag als Ergänzung und nicht als Ersatz zur Einrichtung einer festen Gedenkstätte in den Adlerwerken verstanden wissen wollen. Dass die Emotionen während einer Veranstaltung am Donnerstag wegen einer fehlerhaften Darstellung hochschlugen, ist noch verzeihlich. Schäbig ist es aber, dass die SPD-Fraktion und der Oberbürgermeister noch tags darauf nach einer abermaligen Klarstellung durch CDU und Grüne an ihrer Fehlinterpretation festhalten. Diese Form von Wahlkampf ist eine üble Störung der Totenruhe.

          Matthias Alexander
          Stellvertretender Ressortleiter im Feuilleton.

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