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Klitschkos Boxkampf : Heino gefeiert, Boris Becker ausgepfiffen

  • -Aktualisiert am

Wladimir Klitschko in Siegerpose. Ganz nahe ran dürfen nur die Kameras und der „Golden Circle”. Bild: Wonge Bergmann

Beim Boxkampf Wladimir Klitschko gegen Samuel Peter bleibt die Prominenz unter sich. Da gab es auf der Stehparty im Innenraum der Arena genug Gesprächsstoff.

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          Wie lautet wohl die Steigerung von „Very Important People“? „Most Important People“ vielleicht? Wer am Samstagabend bis zu 600 Euro für ein VIP-Ticket für die Arena im Stadtwald gezahlt hatte, um mit den Reichen und Schönen bei der als „Showdown in Frankfurt“ beworbenen Box-Weltmeisterschaft von Wladimir Klitschko in den Nahkampf zu gehen, hatte Glück, wenn es so weit kam. Denn man konnte VIP am falschen Ende sein. Während vor der Westtribüne des Stadions die zahlende Wichtig-Kundschaft am Büfett zuschlug, blieben auf der Gegenseite die wirklich Prominenten unter sich. Bullige Sicherheitskräfte sorgten dafür, dass dieser erlesene Kreis, bei den Kämpfen der Klitschko-Brüder „Golden Circle“ genannt, ungestört blieb.

          An den weißbezogenen Stehtischen stand also Schauspielerin Uschi Glas neben dem Modedesigner und früheren Vorstandvorsitzenden von Hugo Boss, Werner Baldessarini, plauschten Boris Becker und Ehefrau Lilly mit Schlagerbarde Heino.

          Boxkampf lieber vom Buffet aus verfolgt

          Wer nicht dazugehörte, schoss an der Absperrung ein Handyfoto. Von Schauspieler Matthias Schweighöfer („Boxen ist ein Heldensport“) etwa oder von Komiker Olli Dittrich, von den Dortmunder Fußballspielern Patrick Owomoyela und Roman Weidenfeller oder von den am Nachmittag siegreichen Frankfurter Fußballspielern Ioannis Amanatidis oder Halil Altintop. Und auch vom hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier.

          Wären die VIP-Zonen nicht vorübergehend geschlossen worden, damit pünktlich zur großen Inszenierung des übertragenden Fernsehsenders RTL alle Zuschauer auf ihren Plätzen saßen, manch einer hätte den souveränen K.o.-Sieg Klitschkos in der zehnten Runde über den Nigerianer Samuel Peter wohl vom Büfett aus verfolgt. Nach dem Kampf stand der Prosecco schon parat, weiter ging es mit gebratenem Zwergtintenfisch mit katalanischem Kürbis zur Vorspeise, Ossobuco vom Brett oder Hähnchenfilet mit Sherry als Hauptgang und Mascarponecreme oder Limettentarte zur Nachspeise. Dazu Riesling oder Spätburgunder aus dem Rheingau. Dem Großteil der 43.000 Zuschauer im Stadion blieb nur der neidische Blick hinunter in den zur großen Stehparty umfunktionierten Innenraum. Vielleicht war manch einem der Sicherheitsabstand ganz recht, waren doch die sehr boxinteressierten Rocker der „Hells Angels“ gleich in Mannschaftsstärke angerückt.

          „Heute waren wir drei Klitschkos am Ring“

          Heino hatte ein Herz für die zahlenden Zuschauer und wünschte sich von seinem Freund Wladimir einen Kampf über die volle Dauer von zwölf Runden. „Die Leute wollen ja etwas haben für ihr Geld“, sagte der Sänger, der mit begeistertem Applaus begrüßt worden war. Anders erging es dem in seiner Nachbarschaft am Ring sitzenden Boris Becker, für den das Publikum eine Mischung aus Gelächter und Pfiffen übrig hatte. „Die Atmosphäre hier ist der Wahnsinn. Da bekommt man richtig Lust, Sport zu machen“, sagte der frühere Tennisstar äußerlich unbeeindruckt.

          Auch Uschi Glas und ihr Ehemann Dieter Hermann hatten in der ersten Reihe Platz genommen, direkt vor Klitschkos Freundin, der amerikanischen Schauspielerin Hayden Panettiere. In ihrer Nähe saß Wladimirs zehn Jahre alter Neffe Egor, der zum ersten Mal beim Boxen dabei sein durfte. „Heute waren wir drei Klitschkos am Ring“, sagte Wladimir, dessen Bruder Witali als Betreuer in seiner Ringecke stand.

          Griff Ali zum Apfelwein?

          Die ursprünglich vorgesehene Kapazität von 54.000 Zuschauern hatte begrenzt werden müssen, weil die Lichtaufbauten über dem Ring in den vier Ecken die Sicht einschränkten. „Auf diesen Plätzen hätte man eigentlich nichts sehen können. Nicht den Ring und nicht die Leinwände, die RTL aufgestellt hatte“, sagte Klitschkos Manager Bernd Bönte, der auch das Glück auf seiner Seite hatte. Rechtzeitig zum Kampftag waren die Temperaturen wieder gestiegen. „Das Wetter war hervorragend, damit war am Anfang der Woche nicht unbedingt zu rechnen. Ich glaube, niemand in der Arena musste frieren. Ich hoffe, dass wir wiederkommen“, sagte Bönte.

          Der ramponierte Rasen muss in den kommenden Tagen rund um den Ring zwar neu ausgelegt werden, das Bundeliga-Heimspiel der Eintracht gegen Freiburg am Freitag soll jedoch nicht in Gefahr sein.

          Als Ouvertüre zu Klitschkos WM-Sieg hatte die Band Reamonn ihren neuen Hit „Yesterday“ gespielt, zu dem Bilder von Muhammad Alis Titelverteidigung gegen den tapferen Pfälzer Karl Mildenberger über den Videowürfel flimmerten. Vor 44 Jahren hatte Ali im Waldstadion gesiegt. Ob der größte Boxer aller Zeiten, der damals nur 30.000 Zuschauer in den Frankfurter Stadtwald gelockt hatte, nach seinem Kampf auch zum Apfelwein griff, ist nicht überliefert. Wladimir Klitschko kündigte es nach seinem Sieg an. „Es wird auf jeden Fall einen geben“, sagte der Weltmeister. Gut, dass der Apfelwein auch auf der Getränkekarte stand. Ihn gab es für die „Most Important People“ im „Golden Circle“ ebenso wie für die „Very Important People“. Immerhin ein Getränk, das verbindet.

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