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Ein Potential von 30 Hektar : Neues Konzept für Kleingärten in Frankfurt präsentiert

Grüne Oase mitten in der Stadt: Kleingärten, wie hier in Ginnheim Bild: Frank Röth

Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) stellt ein Konzept für die Entwicklung von Kleingärten vor. Denn die Stadt wächst und braucht zudem Ausgleichsflächen.

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          „Nichts ist schöner, als im Sommer nach der Arbeit abends in meinen Garten zu gehen.“ Und: „Während Corona ist er meine Rettung gewesen.“ Es sind Sätze wie diese von Kleingärtnerin Martina Rosenberger, die Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) in ihrer Meinung bestärken, dass Kleingärten in einer Großstadt wie Frankfurt eine wichtige Infrastruktur sind, die es zu erhalten gilt. „Sie sind Teil der Lebensqualität in dieser Stadt“, sagt die Stadträtin und verweist auf die abkühlende Wirkung dieser Grünflächen auf das Stadtklima in den Sommermonaten. Von der ökologischen Bedeutung ganz zu schweigen – auch wenn Heilig weiß, dass die Debatte um den Erhalt der Artenvielfalt eine Herausforderung ist, die noch nicht in allen Kleingartenvereinen angekommen ist.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          558 Hektar Kleingärten gibt es in Frankfurt. Das entspricht 2,3 Prozent der Stadtfläche. Damit liegt der Anteil in der an Fläche nicht gerade reichen Mainmetropole höher als in Hamburg, dort sind es nämlich nur 1,9 Prozent. In Berlin, wo die grünen Stadtoasen eine noch längere und ausgeprägtere Tradition haben, sind es allerdings 3,4 Prozent.

          Für Kleingarten-Flächen muss Ersatz geschaffen werden

          Um den Erhalt der Kleingärten und der fast ebenso großen Zahl der Freizeit­gärten, die 526 Hektar Fläche ausmachen, in Zeiten zu sichern, in denen die Stadt stark wächst und fast jede Fläche als mögliches Baulandgebiet in den Blick genommen wird, hatte die Stadtverordnetenversammlung 2017 das Umweltdezernat beauftragt, eine Strategie zu erarbeiten. Diese sollte, auf der „Basis einer Bestands- und Bedarfsanalyse, Entwicklungsperspektiven für die Kleingärten in Frankfurt aufzeigen“. Frühere Versuche, einen solchen Plan zu erstellen, um einen detaillierten Überblick über die tatsächlich in Anspruch genommenen Flächen zu erhalten, waren insbesondere an den Kleingärtnern gescheitert. Der jüngste Versuch hat nun zum Erfolg geführt.

          Heilig hat das von drei Ämtern und den Vertreterorganisationen der Kleingärtner erarbeitete und abgestimmte Konzept nun samt Arbeitskarte präsentiert. Diese digitale Karte, auf die allerdings nur die Ämter zugreifen können, enthält den Ist-Zustand, sowie Erweiterungs- und Ersatzflächen für Kleingärten.

          „Wir haben ein Potential von 30 Hektar Fläche in dieser Stadt, auf der Kleingärten neu entstehen können“, teilte Heilig mit. Dort gebe es Platz für zusätzliche Parzellen oder für solche, die als Ausgleich genutzt werden für an anderer Stelle wegfallende Gärten. Für Kleingärten gilt nach dem Bundeskleingartengesetz, dass, sollten ihre Flächen von der Stadt anders genutzt werden, Ersatz geschaffen werden muss. Für Freizeitgärten, die bei der Stadt als sogenanntes Grabeland firmieren, gilt diese Regelung nicht.

          In Frankfurt hat es nach Angaben des Grünflächenamtes im Jahr 2018 insgesamt 15.000 Parzellen gegeben, organisiert in 115 Kleingartenvereinen. Sie gelten planungsrechtlich als öffentliche Grünflächen, mit der Zweckbestimmung „Dauerkleingärten“. 66 Prozent dieser Flächen sind in städtischem Besitz, 55 Prozent liegen im Frankfurter Grüngürtel.

          Gärten im Stadtgebiet sehr ungleich verteilt

          Wo die 30 Hektar, die für neue Kleingärten genutzt werden können, liegen, wollten Heilig und Heinz-Peter Westphal vom Grünflächenamt, der für die Erstellung des Entwicklungskonzepts verantwortlich ist, nicht sagen. Begehrlichkeiten sollen nicht geweckt werden. Zumal es sich wohl nicht um größere Flächen handelt, sondern um Arrondierungen.

          Als Beispiel, wie das Konzept mit der dazugehörigen Arbeitskarte in der Praxis greifen soll, nannte Westphal den Kleingartenverein Bonames am Frankfurter Berg, der durch die geplante Verlängerung der U 5 und den viergleisigen Ausbau der S 6 nach Bad Vilbel in seiner Existenz bedroht ist. Für diese 177 Parzellen könnten gleich zwei Ersatzflächen in nicht zu großer Entfernung angeboten werden: eine in Bonames, eine andere jenseits der A 661 in Richtung Eschersheim. Das ist von Bedeutung, weil der Frankfurter Berg mit Blick auf Kleingärten als unterversorgt gilt. Auch das hatte die Bestandsanalyse ergeben: Die Gärten sind über das Stadtgebiet sehr ungleich verteilt. Bockenheim etwa ist mehr als ausreichend versorgt, muss aber Stadtteile wie Westend, Innenstadt und Gallus mitbedienen.

          Ein weiteres Ergebnis des Entwicklungskonzeptes ist, dass die für den Arbeitsprozess gewonnene Kommunikation mit den Kleingärtnern und den anderen Ämtern beibehalten werden soll, um gemeinsam Aufgaben zu lösen. Heilig nannte die vielen Abfälle rund um die Anlagen. „Wir müssen gemeinsam einen Weg aus dem Müll finden.“ Und die Dezernentin möchte auch Modelle für Gemeinschaftsgärten entwickeln, kann sich „Schnuppergärten“ vorstellen. Derzeit lässt das Gesetz dafür aber nur wenig Spielraum.

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