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Kleine Gemeinden : Trutzburgen des Glaubens

  • -Aktualisiert am

Freier Blick: In der Wartburgkirche können die Gläubigen den Gottesdienst ohne Sichtbehinderung verfolgen. Bild: Lucas Wahl

Da viele Gemeinden immer kleiner werden, droht einigen Gotteshäusern die Umnutzung oder Schließung. Das ruft die Denkmalschützer auf den Plan.

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          Plappernd, kichernd und lachend gehen die Jungen und Mädchen eines Kindergartens die Thüringer Straße entlang und halten einander zu zweit an den Händen. Das Lachen und Schreien verstummt erst, als sie vor einem großen, burgenähnlichen Haus stehenbleiben. Ehrfurchtsvoll blicken die Kinder die Heiligenfiguren an der Fassade der katholischen Allerheiligenkirche an, die über den schweren Türen aus Kupfer angebracht sind. Erst als sie weiterlaufen, beginnen sie wieder zu sprechen und zu lachen.

          „Die Kirche sieht in der Tat sehr abweisend aus, wie eine Burg“, sagt Karin Berkemann vom Landesamt für Denkmalpflege. Die Expertin für modernen Kirchenbau ist gerade dabei, Kirchen in Frankfurt zu besuchen, die nach 1945 gebaut oder architektonisch maßgeblich verändert wurden. Da die Gemeinden immer kleiner geworden sind, gibt es Diskussionen um Leerstand, Umnutzung oder gar Abriss von Kirchen. „Deswegen steigt die Bedeutung für deren Schutz“, sagt Berkemann. Bei der Beurteilung von Kirchenbauten nach 1945 spielen historische, städtebauliche und architekturgeschichtliche Aspekte eine Rolle. Auch die Liturgiegeschichte ist wichtig.

          Von 15.000 auf 5000

          In Deutschland wurden wegen der Zerstörungen während des Zweiten Weltkrieges, aber auch bedingt durch den nachfolgenden Zuzug Vertriebener besonders viele Gotteshäuser gebaut. „Viele Kirchen sind schützenswert, da sie die kirchliche, und architektonische Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte zeigen“, sagt Berkemann. Exemplarisch seien die Allerheiligenkirche am Zoo, die Wartburgkirche im Nordend und die Arche in Sindlingen, die allesamt schon unter Denkmalschutz stehen. Aufgrund der schrumpfenden Gemeinden sei aber auch wichtig, dass man die Gotteshäuser wieder mit Leben fülle, hebt die Denkmalschützerin hervor.

          So versuchen einige Gemeinden, Bürger, die sonst nicht zu ihnen gehören, durch Kunst- und Kulturveranstaltungen in ihre Kirchen zu locken. In den fünfziger Jahren, als die Allerheiligenkirche gebaut wurde, gehörten noch 15000 Menschen zu der Gemeinde. Jetzt sind es nur noch 5000. „Der festungsartige Baustil der Allerheiligenkirche hat aber nichts damit zu tun, dass immer weniger Menschen in die Kirche gehen“, sagt Pastoralreferent Andreas Wörsdörfer. Seit ein paar Jahren veranstaltet die Kirche unter dem Namen „Kunst Kultur Kirche“ Konzerte, Ausstellungen und Theaterabende. Zu jeder Veranstaltung kommen bis zu 120 Besucher, mehrheitlich aus dem eigenen Stadtteil. Der kulturelle Schwerpunkt der Kirche liegt bei der Malerei, die ausgestellten Werke sind meistens abstrakt. „Damit können die Leute wahrscheinlich nicht so viel anfangen“, sagt Wörsdörfer. Dabei eigne sich gerade die eher einfache Innenarchitektur dafür, solche Werke auszustellen.

          „Das Kircheninnere soll ein geschützter Raum sein“

          „Die Kirche hat wirklich einen sehr innovativen Grundriss“, sagt Karin Berkemann. Der Wunsch der Allerheiligengemeinde war es damals, in der Bauform die Ausrichtung hin zum Altar als Zentrum der Liturgie zum Ausdruck zu bringen. Deshalb wählten die Architekten Alois Giefer und Hermann Mäckler für die Wände die Form einer Parabel, die wie weitgeöffnete Arme die Gläubigen zum Altar hinführt. Die äußere Architektur der Allerheiligenkirche mit ihrer massiven Front aus gelben und weißen Kalksandsteinen vermeidet aber weiterhin, auf die Gläubigen „zuzugehen“.

          Einerseits versuchte die Kirche also, sich der Gemeinde mit ihrer Architektur im Innern zu öffnen, andererseits scheint es so, als wollte sie den Gläubigen weiterhin Respekt durch ihr äußeres Erscheinungsbild einflößen. Für Berkemann ist dies kein Widerspruch: „Es gibt eben eine klare Grenze zwischen innen und außen, das Kircheninnere soll ein geschützter Raum sein.“

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