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Klassikstadt GmbH : Fechenheim soll erste Adresse für Oldtimer werden

Hübsch anzuschauen, nicht nur in der Klassikstadt: Oldtimer. Bild: DDP

Noch in diesem Jahr will die Klassikstadt GmbH in der Mayfarth'schen Maschinenfabrik ein Zentrum für klassische Automobile eröffnen.

          Alte Backsteine, tonnenschwere Stahlträger und Massen gusseiserner Riesenfenster aus der Zeit um 1910, das sind die Stoffe, aus denen die Träume von Marc Baumüller und vier weiteren Privatinvestoren sind. Manchmal wohl auch Albträume, denn die Gruppe ist seit 2008 damit beschäftigt, aus dem alten, roten Industriepalast der Mayfarth'schen Landmaschinenfabrik an der Orber Straße in Frankfurt-Fechenheim die "Klassikstadt" entstehen zu lassen. Ihr Plan ist es, all denen im Rhein-Main-Gebiet, die automobile Klassiker besitzen oder sich auch nur für sie begeistern, einen Ort zu bieten, an dem sie alles vorfinden, was diese Leidenschaft verlangt. Schon die Außenmaße des dreistöckigen Bauwerks mit einer Längsfassade von gut 108 Metern und zwei Flügeln von jeweils 63 Metern Länge zeigen, dass es sich um kein kleines Projekt handelt.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Dabei ist nicht an ein Automuseum gedacht, wie das "Rosso Bianco" des Aschaffenburger Sammlers Peter Kaus, für das die Fechenheimer Maschinenfabrik vor einigen Jahren kurz im Gespräch war. Baumüller will den Enthusiasten des alten Blechs ein Oldtimer-Sorglos-Paket anbieten, in dem von verglasten und gesicherten Abstellboxen für den Schatz auf vier Rädern über Fachwerkstätten für Wartung und Restaurierung bis zur Versicherung und Prüfstelle des TÜV Rheinland sowie eine Oldtimervermietung alles enthalten ist. Für eine der Boxen zahlt der Oldtimerbesitzer, der seinen Wagen nicht daheim unterstellen will oder kann, 150 Euro Miete im Monat.

          Einige Projekte dieser Art

          Alles in allem sind es 16.000 Quadratmeter, die die Klassikstadt GmbH an der Orber Straße auf diese Weise bewirtschaften will. Baumüller zufolge sind inzwischen mehr als 80 Prozent der für die gewerblichen Anbieter vorgesehenen Flächen vergeben. Darunter finden sich etwa der Frankfurter Ferrari Vertragshändler Ulrich, der Oldtimerfachmann Schad aus Bad Vilbel und die auf die klassischen luftgekühlten Modelle des Sportwagenbauers Porsche spezialisierte Classic 911 GmbH aus Kassel, wie Baumüller, der selbst einen Klassiker der britischen Marke MG fährt, berichtet. Eine Fachwerkstatt, die sich besonders auf die Reparatur, Wartung und den Wiederaufbau von Mercedes-Klassikern versteht, sei ebenso gewonnen wie ein Spezialist für amerikanische Straßenkreuzer.

          Der heute 39 Jahre alte Baumüller war nach dem Studium bei mehreren großen Unternehmensberatungen tätig. Dann hat er zusammen mit seiner Frau begonnen, den schon lange zuvor entwickelten Plan in die Tat umzusetzen, auch im Rhein-Main-Gebiet das zu schaffen, was das Berliner Unternehmen Branded Bricks GmbH mit seiner Marke Meilenwerk schon seit Jahren in Berlin, Stuttgart und Düsseldorf etabliert hat. In Rüsselsheim bei Opel ist ein ähnliches Projekt namens Autowerk Rhein-Main geplant. Mit der Eröffnung ist aber nicht vor Ende nächsten Jahres zu rechnen, wie es dort hieß. Die Klassikstadt will noch in dieser Oldtimersaison öffnen.

          Für jedes Fenster eine Schablone aus Holz

          Zu dem wirtschaftlichen Gesamtkonzept gehört es, die Oldtimer und die Werkstätten als außergewöhnlichen Hintergrund für ein gastronomisches Angebot wie auch für Feiern von Unternehmen oder Privatleuten zu nutzen. In der Klassikstadt wird Baumüller zufolge der Frankfurter Gastronom Exenberger die "Werkskantine" betreiben. Das Besondere an dem Lokal in der Maschinenfabrik ist der Umstand, dass die Wände zu den benachbarten Werkstätten immer wieder durchbrochen und mit großen Fenstern versehen sind. Auf diese Weise können die Gäste den Betrieb einer Oldtimerwerkstatt jederzeit beobachten. Für große Veranstaltungen ist das Erdgeschoss im Hauptgebäude vorgesehen, das mit seinen Ausmaßen, den Säulen und den mächtigen halbrunden Fenstern an das Mittelschiff einer Basilika erinnert.

          Details wie etwa diese meterhohen Fenster mit ihren kaum mehr als Wandfliesen großen Einzelscheiben sind aber nicht nur schön anzusehen, sondern auch recht aufwendig zu restaurieren: "Für jede einzelne Scheibe, die wir ersetzt haben, musste eine Schablone aus Holz angefertigt werden, weil keine so groß wie die andere ist", berichtet Baumüller.

          Zehn Millionen Euro sind wohl eher die Untergrenze

          Um die Investition von mindestens zehn Millionen Euro überhaupt riskieren zu dürfen, waren zuvor noch behördliche Hürden zu nehmen. So seien etwa noch vor der Entscheidung zum Kauf des seit 1973 in Besitz des Bundes befindlichen Komplexes, in dem zeitweise die Bundesbank 50-Mark-Scheine druckte und später der Zoll Uniformen aufbewahrte, Grundwasser- und Bodenuntersuchungen nötig gewesen. Wären dabei Altlasten zutage getreten, hätte man zwar nicht gekauft, die 50.000 Euro für die Gutachten wären aber dennoch fällig gewesen.

          Die genaue Höhe der Investition nennt Baumüller nicht, die zehn Millionen Euro dementiert er aber auch nicht. Dabei dürfte es sich angesichts der Größe des Projekts aber eher um die Untergrenze handeln, zumal immer wieder Überraschungen, wie eine neu zu bauende Auffanganlage für Regenwasser, auf die Planer warteten. Das Bündel von Hindernissen und Unwägbarkeiten dürfte auch der Grund dafür sein, dass der ganz zu Beginn entworfene Zeitplan um rund ein Jahr nach hinten rückte. Nun aber sollen Mitte August die Arbeiten beendet sein. Die Oldtimerstadt soll an sieben Tagen in der Woche geöffnet sein, Eintritt wird nicht verlangt. Zudem sind ausdrücklich nicht nur Enthusiasten, sondern Neugierige aller Altersklassen willkommen, verspricht Baumüller.

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