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Klassenfahrt und Ökobilanz : Die neue Querfront

Carl-Schurz-Schule in Frankfurt-Sachsenhausen: Zwischen Umweltpreis und Klassenfahrt mit schlechter Ökobilanz Bild: Frank Röth

Eine Schülergruppe geht auf Kreuzfahrt und wird wegen angeblich schlechter Öko-Bilanz kritisiert. Doch Vorsicht vor Häme: Widersprüche gehören zum Leben.

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          Hörer des Hessischen Rundfunks können derzeit Autos mit Verbrennungsmotor gewinnen, vor Weihnachten verlost der HR gern Shopping-Reisen nach New York, in einer anderen Sendung gibt es Kreuzfahrten zu gewinnen. Zugleich berichtet der HR in Beiträgen für das Fernsehen, das Radio und in einem Artikel auf seiner Homepage kritisch über eine Frankfurter Schülergruppe, die für fünf Tage mit einem Kreuzfahrtschiff über die Ostsee fahren will. Der Widerspruch ist offenkundig. Es ist natürlich verführerisch, dem Hessischen Rundfunk deshalb Unglaubwürdigkeit vorzuwerfen. Doch damit würde man genau den Fehler begehen, den man dem Sender vorhält. Kein Mensch und keine Institution kann in einer hochkomplexen modernen Welt existieren, ohne sich in Widersprüche zu verstricken.

          Das Problematische an den Beiträgen des HR über die Studienfahrt der Carl-Schurz-Schule liegt in diesen selbst, nämlich in ihrer selbstgerechten Haltung. Sie folgt der Logik jener Glaubenskämpfer der Klimawende, die sich auf Kreuzfahrten und SUVs als Umwelthauptsünden eingeschossen haben und nach Opfern suchen, die an den Pranger gestellt werden können. Dass die Reise von Lehrern und Schülern offenbar skrupulös geplant wurde und in ihrer Ökobilanz nicht schlechter ausfällt als Studienfahrten mit anderen Verkehrsmitteln, fällt unter den Tisch. Stattdessen wird süffisant hervorgehoben, dass die Schule kürzlich einen Umweltpreis erhalten hat.

          Das Ergebnis passt zu der Art, in der bevorzugt über die Frage diskutiert wird, wie ein richtiges Leben in Zeiten des Klimawandels auszusehen hätte. Es herrscht ein Dogmatismus vor, der mit einer Mischung aus Denunziation, Unterstellungen und Halbwahrheiten arbeitet. Wie sich aus Reaktionen in Kommentarspalten und in Drohbriefen an die Schule ablesen lässt, fühlt sich von der Kritik an den vermeintlich inkonsequenten Schülern eine besonders unangenehme Querfront angesprochen – Klimaaktivisten und Klimawandelleugner haken sich in Häme unter.

          Auf der Homepage der Carl-Schurz-Schule findet sich ein Zitat des Namensgebers, das atemberaubend genau auf die Situation passt: „Ideale sind wie Sterne. Wir erreichen sie niemals, aber wie die Seefahrer auf dem Meer richten wir unseren Kurs nach ihnen.“ Es taugt als Kompass für uns alle. Den Schülern eine gute Reise.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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