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„Klaa Paris“ in Frankfurt : Frohsinn unter Polizeischutz

Der Awo-Skandal hat die Fastnachter in diesem Jahr besonders inspiriert. Bild: Helmut Fricke

Nur ein Fünftel weniger als in den Vorjahren: Von dem Schrecken der vergangenen Tage haben sich die Narren in „Klaa Paris“ nicht einschüchtern lassen. Manchem war dennoch mulmig zumute.

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          Hanau und Volkmarsen, die tödlichen Schüsse und die Amokfahrt, sie gehen Tina Trippens nicht aus dem Kopf. „Wir haben schon überlegt, ob heute ein Besuch des Umzuges angebracht und sicher ist“, sagt sie, als sie mit ihrer sechs Jahre alten Tochter an der Station Heddernheim mit vielen anderen kostümierten Menschen aus der U-Bahn steigt. „Jetzt ist zwar alles doppelt und dreifach gesichert, ein mulmiges Gefühl bleibt aber“, sagt Trippens.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es sei schrecklich, was geschehen sei, findet auch Florian Menzel. Der junge Mann trägt ein Fellkostüm mit der Aufschrift: „Außen cool, innen heiß“. Trotz allem will er sich den Frohsinn nicht nehmen lassen. Das wäre nur ein Triumph für die Täter. „Die Narren wollen sich die Fastnacht nicht kaputt machen lassen“, sagt Ulrich Fergenbauer, der neue Vorsitzende der Zuggemeinschaft Klaa Paris. In Abstimmung mit der Polizei sei entschieden worden, den 181.Fastnachtsumzug auf die Strecke zu schicken. Die Sicherheitsvorkehrungen seien überprüft worden.

          Auf der Maybachbrücke in Richtung Heddernheim ist eine Straßensperre aufgebaut. Ein Polizist mit Maschinenpistole steht breitbeinig am Straßenrand. Seine Kollegen kontrollieren die Fahrer der geschmückten Umzugswagen, die nach Heddernheim hineinfahren wollen. Nur wer angemeldet ist, darf passieren. An vielen Straßen sind Betonblöcke aufgestellt, die die Einfahrt verhindern. Diesmal seien noch mehr Einsatzkräfte unterwegs als sonst, sagt ein Sprecher der Polizei. Eine halbe Stunde vor Zugbeginn patrouillieren in vielen Straßen bewaffnete und schwarz uniformierte Kräfte.

          „Von nichts und niemandem einschüchtern lassen“

          Rund um die voll besetzte Ehrentribüne am Karl-Perott-Platz im Zentrum von Heddernheim halten die Narren einen Moment inne. Oberbürgermeister Peter Feldmann ergreift das Mikrofon. Er sagt, dass es richtig sei, den Zug nicht abgesagt zu haben, und verurteilt das Handeln der „Rassisten, Hassprediger und Hasstreiber“. Unter Applaus bekräftigt das Stadtoberhaupt: „Wir werden uns von nichts und niemanden einschüchtern lassen.“ Axel Heilmann, Präsident des Großen Rats der Frankfurter Karnevalvereine, sagt jedoch auf Nachfrage, dass der Fastnacht schon die Unbeschwertheit verloren gehe, „weil jetzt alle viel genauer schauen, was um sie herum passiert“.

          Mehr Polizisten als sonst sichern diesmal den Zug.

          Dann kommt Bewegung in die Zuschauermenge. Mit einem Knall zündet die Konfetti-Kanone, die den Beginn des Umzuges signalisiert. Der bunte Tross aus kostümierten Fußgruppen, Musikformationen und Motivwagen, der sich auf der Konstantinstraße formiert hat, setzt sich in Bewegung. Die drei Kilometer lange Zugstrecke wird nach Schätzung der Polizei von rund 80.000 Besuchern gesäumt. Das ist rund ein Fünftel weniger als in den Vorjahren.

          Trotz der starken Polizeipräsenz herrscht nun gute Laune. Zwei Frauen haben sich als Fliegenpilz kostümiert. Sie tanzen am Straßenrand und wirken überhaupt nicht giftig. Etwas kritisch beäugt wird ein Mann, der sich mit Atemschutzmaske und blauen Overall unter das Volk mischt. Doch der vermeintliche Corona-Patient scheint topfit und tanzt zum Takt der Musikkapelle, die an den Zuschauern vorbeizieht.

          SPD-Vorsitzende als „Superstars“

          Die sechs Motivwagen, die der Künstler John Christie gestaltet hat, sorgen für Lacher und bissige Kommentare. Als „Superstars“ werden die neuen Vorsitzenden der Bundes-SPD dargestellt. Auf weiteren Wagen werden die für den Einzelhandel ärgerliche Bon-Pflicht und die zunehmenden Übergriffe auf Schiedsrichter kritisch in Szene gesetzt: „Der Mann, der tut nur seine Pflicht, ohne Schiri geht es nicht.“

          Aufgegriffen werden auch lokale Themen wie die erfolglose Vergrämung der Nilgänse aus städtischen Grünanlagen. Auf dem Motivwagen zum noch nicht abgeschlossenen Skandal um die Arbeiterwohlfahrt ist eine Pappmaché-Figur zu sehen, die Oberbürgermeister Feldmann darstellt. Der Rathauschef hält sich als Figur auf dem Motivwagen die Hände vors Gesicht – gleich den berühmten drei Affen: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Vor sich hat er einen roten Flitzer mit Ehefrau Zübeyde am Steuer. Sie steuert geradewegs in den Awo-Sumpf, aus dem Hände voller Geldscheine herausragen.

          „Wenn’s in Klaa Paris mal kracht, dann is des e Konfettischlacht“, steht über der Konfetti-Kanone geschrieben, die im hinteren Teil des Zuges mitrollt und in regelmäßigen Abständen abgefeuert wird. Wegen des Knalls erschrickt keiner mehr. Die Stimmung ist gelöst und ausgelassen. Kinder tanzen und hüpfen. Die Erwachsenen schunkeln, wippen und singen. Fastnacht ist, wenn man trotzdem lacht.

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