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Protest von Kleingartenverein : Eine Kita bangt um ihren Garten

  • -Aktualisiert am

Wegen Verwilderung: Schon im vergangenen Sommer hat der Kleingärtnerverein Niddatal den Pachtvertrag mit der Kita gekündigt (Symbolbild). Bild: dpa

Dreimal wöchentlich kommen Kinder einer Frankfurter Kita in einen Schrebergarten, um barfuß im Schlamm zu spielen, Kräuter anzubauen oder Blumen zu gießen. Doch damit könnte es bald vorbei sein.

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          Matschkasten, Gemüsegarten und Brunnen – den Kindern der Kindertagesstätte Main-Sterne scheint im Ginnheimer Schrebergarten nichts zu fehlen. Dreimal wöchentlich kommen die sieben Kinder der Frankfurter Einrichtung in den Garten, um barfuß im Schlamm zu spielen, Kräuter anzubauen oder Blumen zu gießen. Damit soll aber bald Schluss sein. Schon im vergangenen Sommer hat der Kleingärtnerverein Niddatal den Pachtvertrag gekündigt. Der Grund: Mangelbewirtschaftung. Oder mit anderen Worten: Verwilderung. Da sich die Kita geweigert hat, die Parzelle zu verlassen, hat der Kleingärtnerverein nun eine Räumungsklage erhoben. Im August soll der Gerichtstermin stattfinden.

          Seit 2018 hat der Verein „Entwicklungs- und Bildungsinitiative“ die Parzelle in der Ginnheimer Schrebergartenanlage gepachtet. Er ist der Träger der Kitas Main-Sterne in Rödelheim und Main-Planeten in Bockenheim. Die Kinder der Kitas werden unter der Woche abwechselnd im Garten betreut. Für Eltern sei die Kita im Kleingarten gerade während der Corona-Beschränkungen eine große Erleichterung, sagt Daniela Kahlscheuer, Mitglied des Elternbeirats Main-Sterne. „Zwölf Wochen Homeoffice mit Kindern ist kein Witz“, sagt sie.

          Annika Hilcken, ebenfalls Mitglied des Elternbeirats, sagt, dass ihre Kinder nach einem Tag im Garten viel ausgeglichener seien. Zudem ermögliche der Alltag im Grünen naturnahes Lernen. Die Kinder sähen zum Beispiel zu, wie Tomaten oder Rhabarber wüchsen. Das sei besonders für Kinder wichtig, die in der Großstadt lebten, sagt Hilcken.

          Investitionen von rund 13.000 Euro

          Um den Garten kindgerecht zu gestalten, habe man rund 13.000 Euro investiert, sagt Mehmet Bayval, Geschäftsführer des Kita-Vereins. Die Kommunikation mit dem Kleingärtnerverein sei problemlos verlaufen, bis im Mai 2019 plötzlich eine Abmahnung wegen Mangelbewirtschaftung gekommen sei, sagt er. Er habe dann das Grundstück hergerichtet, so dass es der Gartenverordnung entsprochen habe. Zwei Monate später sei dennoch die Kündigung gekommen. Bayval vermutet, der Lärm durch die Kinder und nicht die Verwilderung des Gartens könnte der eigentliche Kündigungsgrund sein.

          Ludwig Plättner vom Kleingärtnerverein Niddatal wehrt sich gegen den Vorwurf. Die Nachbarn der Kita im Schrebergarten hätten selbst Enkel und störten sich nicht am Lärm. Der Vorstand habe den Pachtvertrag gekündigt, weil die Kita den Garten habe verkümmern lassen. Dazu habe er Beweisfotos, die dem Gericht vorlägen. Zudem habe Bayval einen Brunnen und ein Hochbeet errichtet, obwohl dafür keine Baugenehmigung vorliege. Diese Gründe hätten den Vorstand zur Kündigung bewogen. Das Grünflächenamt hat sich eingeschaltet: Es habe dem Kleingartenverein eine Prüfung der Sachlage vorgeschlagen. Dieser sei darauf aber nicht eingegangen.

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