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Kirche : Bischof stellt umfassende Umstrukturierung vor

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Die katholische Kirche in Frankfurt wird, wie im gesamten Bistum Limburg, umstrukturiert. Bischof Franz Kamphaus will die seit 1998 bestehenden 105 Pastoralen Räume teils neu definieren und ihre Zahl auf 77 verkleinern, wie die Diözese mitteilt.

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          Die katholische Kirche in Frankfurt wird, wie im gesamten Bistum Limburg, umstrukturiert. Bischof Franz Kamphaus will die seit 1998 bestehenden 105 Pastoralen Räume teils neu definieren und ihre Zahl auf 77 verkleinern, wie die Diözese mitteilt. In diesen Räumen sind die 367 Bistums-Gemeinden zusammengefaßt. In Frankfurt gibt es derzeit 23 solcher Gebiete mit 51 Pfarreien und zwölf Gemeinden von Katholiken anderer Muttersprache.

          Zukünftig sollen es nach dem "erklärten Willen" des Bischofs, so Bistumssprecher Michael Wittekind, in Frankfurt nur noch 15 Räume sein. Erreicht wird dies dadurch, daß einzelne Pfarreien, die bisher für sich genommen Pastorale Räume bilden, anderen Gebieten zugeschlagen werden, zum Beispiel die Gemeinden Herz-Jesu (Oberrad), Mutter vom Guten Rat (Niederrad) und St. Antonius (Rödelheim). Der größte Pastorale Raum mit 17600 Katholiken entsteht im Westen der Stadt mit bisher sechs selbständigen Pfarreien in Höchst, Sossenheim, Sindlingen und Zeilsheim. Zwei der Gemeinden dort wollen fusionieren. Dies haben auch sechs weitere Pfarreien in der Stadt vor. Nach weiteren Beratungen sollen Zahl und Struktur der Pastoralen Räume im Herbst endgültig festgelegt werden.

          Der Bischof sieht in den Pastoralen Räumen ein wichtiges Element der zukünftigen Seelsorge. Das hatte er abermals im Januar in seinem Bericht nach der Visitation der Frankfurter Kirche klargemacht. Der im Verhältnis zu den einzelnen Gemeinden größere Raum "schafft mehr Möglichkeiten zur Beheimatung von Stadtmenschen, die sich nicht an territorialen Grenzen orientieren". Außerdem könnten so leichter Schwerpunkte in der Seelsorge gesetzt werden. "Es kann nicht mehr alles überall angeboten werden - muß es aber auch nicht", so der Bischof.

          Die Reform bedeutet aber mehr als nur eine zahlenmäßige Reduzierung jener Räume. Sie sollen auch erheblich aufgewertet werden: Die Zusammenarbeit der Pfarrgemeinden im Pastoralen Raum werde verbindlich geregelt, das Seelsorge-Personal künftig in einem Raum und nicht mehr in Gemeinden eingesetzt, so Wittekind. "Neu sind verbindliche Formen der Zusammenarbeit der Verwaltungsräte der Kirchengemeinden, die für die Finanzierung der gemeinsamen Vorhaben im Pastoralen Raum zuständig sind", so der Bistumssprecher.

          Das ist insofern wichtig, weil die Pastoralen Räume in der Realisierung eines zweiten Sparprogramms eine bedeutende Rolle spielen werden: Nach einem bereits beschlossenen ersten 18-Millionen-Euro-Sparprogramm sollen weitere Einsparungen in Höhe von 14 Millionen Euro verwirklicht werden, von denen Wittekind zufolge "die Kirchengemeinden voraussichtlich besonders betroffen sein werden". Diese Pläne zu verwirklichen werde in den meisten Fällen "nur auf der Ebene des Pastoralen Raums möglich werden". Aus diesem Grund habe die Umstrukturierung der Pastoralen Räume Vorrang vor der Zusammenlegung von Pfarreien.

          Wie Stadtdekan Raban Tilmann gesagt hatte, sollen seiner Meinung nach die 15Pastoralen Räume die Großgemeinden der Zukunft sein, "unter Rücksichtnahme auf die Identität der einzelnen Kirchengemeinden". Daher werde es auf lange Sicht auch nur noch 15 Diözesanpriester in Frankfurt geben. Hinzu kämen Ordenspriester. Doch nicht nur die Geistlichen seien wichtig, sondern auch die pastoralen Mitarbeiter. Insgesamt sieht der Plan des Bistums für Frankfurt 87 Seelsorge-Stellen in den Kirchengemeinden und 22 in jenen von Katholiken anderer Muttersprache vor. Derzeit leben 147275 Katholiken in Frankfurt, davon sind 42248 ausländischer Herkunft.

          In den Restrukturierungsplänen wird auch zu den in der Stadt geplanten Zentren Stellung genommen. Erinnert wird an die Jugendkirche, die, wie berichtet, in der Sachsenhäuser Bonifatiuskirche beheimatet sein wird. Vorgeschlagen wird, die Kirche St. Michael im Nordend zu einem Zentrum "Trauerpastoral" zu machen. Dann, so die Idee, "könnte es sinnvoll sein, die Pfarrei aufzuheben und den beiden Nachbarpfarreien St. Bernhard und St. Josef einzugliedern". (toe.)

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