https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/kinderporno-seite-boystown-lange-haftstrafen-fuer-angeklagte-im-boystown-prozess-18510899.html

Kinderporno-Plattform : Lange Haftstrafen für Angeklagte im Boystown-Prozess

  • -Aktualisiert am

Die vier Angeklagten mussten sich seit Mitte September 2022 vor dem Frankfurter Landgericht verantworten. (Archivbild) Bild: dpa

Mehr als 400.000 Nutzer: Das Landgericht Frankfurt hat die Betreiber der wohl weltweit größten kinderpornographischen Plattform Boystown verurteilt. Sie kommen für mehrere Jahre ins Gefängnis, zwei von ihnen mit anschließender Sicherungsverwahrung.

          2 Min.

          Die vier Angeklagten im Prozess um die wohl größte kinderpornographische Darknet-Plattform der Welt Boystown sind zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Wie das Landgericht Frankfurt am Dienstag in seinem Urteil verkündete, muss der für die Server der Website zuständig gewesene Alexander G. für zwölf Jahre in Haft. Der als Moderator der Plattform tätig gewesene Andreas G. wurde zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Gericht sah es in beiden Fällen als erwiesen an, dass die Männer auch selbst Kinder teils schwer missbraucht haben. Für beide ordnete die Strafkammer Sicherungsverwahrung an. Damit stellt das Gericht sicher, dass die Männer auch nach Ende ihrer Strafhaft nicht freikommen und der Allgemeinheit gefährlich werden.

          Kim Maurus
          Volontärin.

          Der dritte Betreiber, Christian K., wurde zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt. Der in Paraguay lebende Deutsche war im vergangenen Oktober nach Deutschland ausgeliefert worden. Der vierte Angeklagte, Fritz K., einer der aktivsten Nutzer der Plattform, muss für sieben Jahre in Haft.

          Das Portal Boystown hatte bis zu seiner Abschaltung im April 2021 mehr als 400.000 Mitglieder auf der ganzen Welt, fast viermal so viele wie die im Jahr 2017 abgeschaltete Plattform Elysium. Dieser Fall hatte bis dahin als wichtigster Erfolg im Kampf gegen den digitalen Austausch von Kinderpornographie in Deutschland gegolten.

          Gemeinsame Taskforce über mehrere Länder

          Auf Boystown hatten die Nutzer Zugriff auf Bilder und Videos, die teils schwersten sexuellen Missbrauch von Kindern zeigten, insbesondere von Jungen. Nach monatelangen Ermittlungen einer aus Deutschland initiierten Taskforce unter Koordination von Europol hatten das Bundeskriminalamt und die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) das Portal im Frühjahr 2021 gemeinsam mit Ermittlern aus den Niederlanden, Schweden, Australien, den USA und Kanada zerschlagen und die Verdächtigen festgenommen.

          Die ZIT, die zur Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt gehört, führt in Deutschland Ermittlungen bei Internetstraftaten mit ungeklärter örtlicher Zuständigkeit und Verfahren mit vielen Tatverdächtigen. Deshalb wurde der Fall vor dem Landgericht Frankfurt verhandelt. Die vier nun verurteilten Männer lebten bis zu ihrer Festnahme in Hamburg, nahe München, im Kreis Paderborn und in Paraguay.

          Den Angeklagten war unter anderem die bandenmäßige Verbreitung kinderpornographischer Inhalte vorgeworfen worden. Im Prozess hatte die Strafkammer immer wieder die Öffentlichkeit von den Verhandlungen ausgeschlossen, um die Opfer zu schützen. Die Angeklagten hatten sich während des Prozesses unterschiedlich verhalten, ihre Taten aber nicht bestritten. Alexander G. und Fritz K. legten Geständnisse über ihre Verteidiger ab. Christian K. wollte keine Angaben machen, sagte aber, seine Aussagen bei der Polizei entsprächen der Wahrheit. Nur Andreas G. äußerte sich selbst und beantwortete auch Fragen des Gerichts und anderer Beteiligter. Unter anderem sagte er aus, dass ihm die Schwere seiner Taten erst in Untersuchungshaft bewusst geworden sei.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Holocaustgedenken : Hinweg mit der deutschen Erinnerungskultur

          Deutschland trauert und gedenkt gedanklich unzureichend, widersprüchlich und inhaltlich zu deutsch. Amtsdeutsches Trauern und Gedenken orientiert sich an einem Volk, das es so gar nicht mehr gibt. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.