https://www.faz.net/-gzg-8nrnd

Hochtaunuskreis : „Eine Kinderklinik im Raum Frankfurt reicht aus“

  • -Aktualisiert am

Hochtaunuskreis: Der Wunsch, das medizinische Angebot für Kinder zu erweitern, stößt auf Kritik. Bild: dpa

Der Hochtaunuskreis will in seinen Krankenhäusern ein kindermedizinisches Angebot schaffen. Ist das eine gute Idee?

           

          Ingrid Karb

          Blattmacherin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es gebe zu viele Kinderkliniken im Rhein-Main-Gebiet, findet Thomas Klingebiel. Deshalb ist der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Frankfurter Uniklinikum gegen die Pläne des Hochtaunuskreises, der ein kindermedizinisches Angebot an seinen Kliniken schaffen will. Wie berichtet, hat das Sozialministerium zwar eine eigenständige Kinderklinik im Hochtaunuskreis wegen der Nähe zu den drei Frankfurter Kinderkliniken abgelehnt. Doch jetzt soll eine etablierte Kinderklinik aus der Region Ärzte entsenden, die in Bad Homburg rund um die Uhr junge Patienten behandeln könnten. Eine derartige Kooperation würde auch das Ministerium gutheißen, teilt eine Sprecherin mit. Der Kreis und die Stadt Bad Homburg sind bereit, zwei Drittel der auf eine Million Euro geschätzten Kosten zu übernehmen (siehe auch Seite 46).

          Wenn der Hochtaunuskreis seine Pläne verwirkliche, entstehe ein „aus lokalen Wünschen gesteuerter Wildwuchs“, fürchtet Klingebiel. Ein solches Angebot wäre ein „Paradigmenwechsel im Gesundheitswesen“, findet Barbara Mühlfeld, Sprecherin des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. Wenn ein medizinisches Angebot mit Steuergeld finanziert würde, hätte das weitreichende Folgen - es würden Begehrlichkeiten anderer Fachgebiete geweckt. „Medizinisch notwendig ist das Angebot nicht“, sagt auch Lothar Schrod, Chefarzt der Kinderklinik am städtischen Klinikum Frankfurt-Höchst. Es hat im Hochtaunuskreis schon einmal eine Initiative für einen ambulanten Dienst am Krankenhaus in Zusammenarbeit mit dem Bürgerhospital und dem Clementine-Kinderhospital in Frankfurt gegeben. Das hätte auch die Anerkennung der Praxisinhaber im Kreis gefunden, berichtet die 58 Jahre alte Kinderärztin Mühlfeld, die selbst seit 18 Jahren in einer Praxis in Bad Homburg arbeitet. Die Pläne seien aber mit der Reform des kinderärztlichen Bereitschaftsdiensts durch die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) gescheitert.

          Zu wenig junge Patienten um wirtschaftlich zu arbeiten

          Damit ist auch der Notdienst der im Kreis niedergelassenen Kinderärzte am Kreiskrankenhaus in Bad Homburg eingestellt worden. Eltern müssen seither abends und am Wochenende mit kranken Kindern zum KVH-Bereitschaftsdienst am Klinikum Höchst in Frankfurt fahren. Ein ambulantes Angebot außerhalb der Sprechzeiten der Niedergelassenen wäre in Usingen nach wie vor sinnvoll, sagt Mühlfeld. In Bad Homburg sei es dagegen nur „nice to have“. Die geplanten Betten sieht sie allerdings kritisch. Ein einzelner diensthabender Arzt könne nicht alle Krankheiten behandeln, fürchtet sie. Er könne die Kinder nur überwachen, ihnen Infusionen oder Sauerstoff geben. Im Notfall müssten die jungen Patienten in eine andere Kinderklinik gebracht werden.

          Es würde sich bei dem geplanten Angebot um die Außenstelle einer Kinderklinik der Region handeln, bestätigt Schrod. Sein Team habe das Konzept erarbeitet, auf das sich die Beschlüsse der politischen Gremien im Hochtaunuskreis bezögen. Vergleichbares gebe es in ländlichen, strukturschwachen Regionen Bayerns schon. In keinem Fall könne sich das Angebot aber selbst tragen. Denn im Hochtaunuskreis sei nur mit gut 1000 jungen Patienten im Jahr zu rechnen. Um wirtschaftlich zu arbeiten, seien mindestens 4500 Patienten nötig. So viele Kinder behandelten die Ärzte in Höchst stationär, dazu noch 15 000 ambulant.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sowohl Trump als auch Johnson winken mit ihrem zerstörerischen Potential. Nur schätzen sie ihre Position falsch ein.

          Schwäche der EU? : Boris Trump

          Sowohl Trump als auch Johnson verschätzen sich: Man kann aus den Wechselbeziehungen der globalisierten Welt nicht in Trotzecken fliehen und dabei nachhaltige Gewinne machen. Europa ist da in einer stärkeren Position.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.