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Kaufhof-Karstadt : Ein gutes Signal für die Innenstadt

Profitiert von neuem Konzept: Galeria-Kaufhof-Karstadt Bild: dpa

Die Corona-Krise setzt dem Einzelhandel in Frankfurt besonders zu, und Investitionen in Vorzeigehäuser wie der Galeria Kaufhof sind zu begrüßen. Aber es muss noch mehr passieren in der Stadt.

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          Zwei Jahre nach der Fusion von Karstadt und Kaufhof, der auch in der Rhein-Main-Region Filialen zum Opfer gefallen sind, liegt nun erstmals ein Konzept für die Warenhäuser vor, das schlüssig klingt. Die Idee vom Warenhaus als Vollsortimenter, bei dem der Kunde jederzeit vom Kauf der Unterhose bis zum Hosenknopf alles erledigen kann, hat sich längst überlebt. Weniger Verkaufsfläche, dafür mehr Service und Erlebnis – diese Pläne gehen in die richtige Richtung.

          Sie sind ein gutes Signal für die Innenstädte, vor allem für die Stadt Frankfurt, der die Corona-Pandemie besonders zusetzt. Nach wie vor arbeiten viele Pendler, die sonst in der Mittagspause oder nach Feierabend an der Zeil und anderswo ihre Einkäufe erledigen, von zu Hause. Auch sieht es nicht danach aus, als würden die internationalen Touristen, auf die nicht nur die Händler an der Goethestraße angewiesen sind, so schnell zurückkommen wie erhofft.

          So gesehen ist die weitere Aufwertung der Kaufhof-Filiale, die nun noch stärker als Standort für Touristen aufpoliert wird, auch ein mutiger Schritt. Zumal im vergangenen Jahr eine große Fläche im Nachbarhaus dazugekommen ist. Doch die schönste Eintrittskarte zur Zeil – und das ist die Galeria Kaufhof mit ihrer Dachterrasse schon jetzt – nützt nichts, wenn nicht auch das Drumherum stimmt. Die Hauptwache muss schöner werden. Es macht wenig Freude, dort mit der S-Bahn anzukommen. Doch das Projekt wird von einer Stadtregierung zur nächsten weitergereicht. Die neue Römer-Koalition hätte hier gleich eine Chance, sich zu beweisen.

          Weiter in den Schatten der Premium-Schwester rückt das Karstadt-Warenhaus, das seine Luxus-Parfümmarken bereits an die Hauptwache abtreten musste und ohnehin nur eine Deadline bis Anfang 2025 hat. Ob in Wiesbaden und Darmstadt – den Städten in der Region, in denen noch beide Marken, Kaufhof und Karstadt, vertreten sind – die Kaufkraft für einen Doppelstandort reicht, wie die Gewerkschaft Verdi hofft, muss sich zeigen. Er wolle keine „Zombie-Filialen“ durchschleppen, hatte Miguel Müllenbach, der Vorstandsvorsitzende der Galeria Karstadt Kaufhof, in einem Interview mit dem Handelsblatt gesagt. Schon vor Corona steckte der Warenhauskonzern in Schwierigkeiten. Nur mit 460 Millionen Euro Staatshilfe konnte eine zweite Insolvenz binnen eines Jahres verhindert werden, Verhandlungen über einen weiteren Kredit vom Bund laufen. Es ist also noch nicht alles in trockenen Tüchern. Und: Die neue Galeria muss in Zukunft Geld verdienen.

          Petra Kirchhoff
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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