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Erhalt von Karstadt-Filiale : Schlechter Beigeschmack

Kein Leerstand: Das Karstadt-Warenhaus an der Zeil bleibt bis Januar 2025 geöffnet. Bild: dpa

Dass das Warenhaus Karstadt an der Frankfurter Zeil bis Januar 2025 geöffnet bleibt, ist für die 240 Beschäftigten eine Erleichterung. Trotzdem könnte der Eindruck entstehen, die Stadt wäre erpressbar.

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          Wahrscheinlich haben viele Karstadt-Mitarbeiter aus Frankfurt am Wochenende zum ersten Mal seit Wochen wieder gut geschlafen. Dass das Warenhaus an der Zeil bis Januar 2025 geöffnet bleibt, ist für die 240 Beschäftigten eine Erleichterung. Vier Jahre und vier Monate sind für eine Verkäuferin, die auf die Sechzig zumarschiert und mitten in der Corona-Krise arbeitslos geworden wäre, eine lange Zeit. Es sind entscheidende Jahre.

          Es ist gut, dass ein Leerstand an der Zeil vermieden wird. Dadurch gewinnen alle Beteiligten Zeit, um eine sinnvolle Folgenutzung vorzubereiten. Diese Gnadenfrist wurde hart ausgehandelt. Wochenlang waren die Stadt, der Karstadt-Eigner Signa und der Vermieter Sahle im Gespräch, bis es schließlich zum Durchbruch kam. Aber wurde die Einigung auch teuer erkauft? Signa darf nun an anderer Stelle im Stadtgebiet, auf einem eigentlich für ein achtgeschossiges Geschäftshaus am Opernplatz vorgesehenen Grundstück, darauf hoffen, ein Hochhaus errichten zu können. Hier werden Standorte und Themen willkürlich miteinander verknüpft.

          Kommt es zu diesem „Deal“, könnte der Eindruck entstehen, die Stadt wäre erpressbar. Zwar wurde Signa kein „Blankoscheck“ für ein höheres Baurecht ausgestellt, wie Dezernent Josef sagt. Das Grundstück liege ohnehin im Untersuchungsgebiet für den neuen Hochhausrahmenplan. Die Umgebung ist sensibel, der Opernplatz darf nicht verschattet werden. Aber unabhängig davon, wie das Projekt aus städtebaulicher Sicht bewertet wird, hat der „Deal“ einen unangenehmen Beigeschmack. Zumal Signa das Grundstück erst seit März gehört. Dass kaum jemand laut widerspricht, sorgt selbst in der Immobilienbranche für Kopfschütteln. Es sollten gleiche Regeln für alle gelten. Spötter sagen: Vielleicht sollte ich mir auch einen kränkelnden Konzern zulegen, um an anderer Stelle Baurecht zu verhandeln.

          Gegen ein gutes Geschäft ist nichts einzuwenden, wenn die Stadt tatsächlich davon profitiert. Im Tausch für die Bereitstellung von Flächen für eine kulturelle Nutzung, etwa für die Städtischen Bühnen, könnte man Baurecht gewähren. Aber ein Hochhaus für vier Jahre Gnadenfrist? Das ist dann doch ein ziemlich hoher Preis. Karstadt ist nicht „gerettet“. Das ist ein Sterben auf Raten. Die Stadt sollte sich für diesen kurzfristigen Erfolg nicht städtebauliche Entwicklungen verbauen, die sinnvoller wären.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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