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Karlsamt in Frankfurt : Ein Hochamt für die Idee Europas

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Klangvoll: Zum Karlsamt kommen alljährlich viele geistliche Würdenträger in den Bartholomäusdom. (Archivbild) Bild: Wonge Bergmann

Seit sechseinhalb Jahrhunderten wird in Frankfurt das Karlsamt gefeiert. Dabei geht es nicht nur um Karl den Großen, sondern auch um ein im Christentum geeintes Europa.

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          Ein Beben liegt in der Luft, und ein tiefer Glockenton weht vom Turm des Bartholomäusdomes herab, wieder und wieder, ganze 15 Minuten lang. Das brausende A, das die Ohren erfüllt, stammt von der Carolusglocke. Mit ihren gut viereinhalbtausend Kilogramm ist die knapp zwei Meter große Glocke die Nummer zwei im Gesamtgeläut des Domes. Auf ihrer Flanke trägt sie zwei Reliefs: eine Kreuzigungsgruppe und ein Bild Kaiser Karls des Großen, eingehüllt in einen knöchellangen Mantel, in den Händen Zepter und Reichsapfel, auf dem Haupt die Reichskrone. „Diese Glocke“, sagt Norbert Wagner, während er sie geradezu liebevoll in den Blick nimmt, „läutet zu Beginn des Karlsamtes“. Am 30. Januar wird der „Domschweizer“, wie sich der Küster in St. Bartholomäus nennt, die Carolusglocke wieder zum Klingen bringen. Und damit den Auftakt zu einem feierlichen Hochamt einläuten, mit dem eine bis ins 14. Jahrhundert zurückgehende Tradition ihre Fortsetzung findet: das Karlsamt als jährliches Gedenken an den Gründervater Europas, den Patron der Stadt und des Domes, Kaiser Karl den Großen.

          Die Zeiten, in denen ein Dutzend Menschen nötig war, um die Carolusglocke in Schwingung zu versetzen, sind lange vorbei. Ein einziger Knopfdruck in der Sakristei links neben dem Hochchor – und oben im Turm beginnen sich metallene Speichenräder zu drehen und das schwere Eichenjoch, an dem die Carolusglocke befestigt ist, hin- und herzukippen. Allerdings scheinen auch die Zeiten, in denen der Dom bereits eine Stunde vor Beginn des Karlsamtes brechend voll war, Lichtjahre entfernt zu sein, Grund ist die Pandemie. Ausfallen wird das Hochamt aber nicht, sagt Stadtdekan Johannes zu Eltz. Wegen der Abstandsregeln kann in diesem Jahr allerdings nur in kleinerem Kreis gefeiert werden. Am Inhalt dieses „identitätsstiftenden Ereignisses im Frankfurter Stadtleben“ werde aber nicht gerüttelt. Auch die beiden mittelalterlichen Gesänge, Karlssequenz und Kaiserlaudes, die bei keinem Karlsamt fehlen dürfen, werden zu hören sein.

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