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Kaffeerösterei : Werkstatt für ein gutes Aroma

Herzstück des Betriebs: Michael Schmidt und sein Trommelröster Bild: Wohlfahrt, Rainer

Mehr als ein Heißgetränk: Kaffee kann blumig schmecken und frisch, nach Beeren oder Nüssen, wenn der Röster die Bohnen sorgfältig behandelt. In Dreieich hat Michael Schmidt eine Firma eröffnet und tut genau das.

          Die ersten paar der vielen Becher Kaffee, die er jeden Tag trinkt, hat Michael Schmidt an diesem trüben Vormittag längst intus. In dem kleinen Empfangs- und Verkostungsraum seines Betriebs leuchten die Wände und der Fußboden hell, im Raum hängt ein leichter, herber Duft. Rundum stehen Flachbauten. Ein Bahnübergang ist nahe, die Autobahn, aber auch der Wald. Es sei, sagt Schmidt, nicht einfach gewesen, für seine Kaffeerösterei einen Platz in einem Gewerbegebiet zu finden. Die Bohnen, die Schmidts Geschäftsgrundlage bilden, grün, wenn sie roh sind, später karamellfarben bis dunkelbraun, sind ein empfindliches Gut, das eine saubere Atmosphäre braucht. Nachbarschaft zu Betrieben mit geruchsintensiver Produktion scheidet aus. Für die Bohnen darf es zudem nicht zu warm und auch in strengen Wintern nicht zu kalt werden. Den idealen Platz hat Schmidt im Dreieicher Stadtteil Buchschlag gefunden. Vor etwas mehr als einem Jahr hat er dort seine Manufaktur aufgemacht.

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mit dem Betrieb seines Namens hat Schmidt sich einen Traum erfüllt. Wie es dazu kam, klingt in der Kurzfassung wie ein Klischee: Ein Erfolgsmensch aus der Bankenwelt will die Spur wechseln. Die Langfassung ist eine Geschichte von wachsenden Bedenken bei der Ausübung des Brotberufs, vom Wunsch, sein eigener Chef zu sein, und von dem mitunter holprigen Weg, den das zu gehen heißt.

          Welt aus Büros und Hotellobbys sagt ihm irgendwann nicht mehr zu

          „Ich wollte mich eigentlich schon immer selbständig machen“, sagt Schmidt, ein schmaler Mann in den späten Dreißigern mit kantiger Brille und kurzen Haaren, die er über der Stirn steil nach oben formt. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften arbeitet er bei verschiedenen Banken. In den Investment-Abteilungen verkauft er seinen Kunden Zins- und Währungsschwankungen, auch Kommunen berät er bei derartigen Spekulationen. Er verdient gut, ist viel unterwegs, fährt einen Dienstwagen. Warum ist er ausgestiegen? Um zu antworten, erzählt er ein bisschen von den Gepflogenheiten in seiner ehemaligen Branche und davon, dass die es ihm mitunter schwergemacht hätten, moralische Ansprüche und tatsächliches Handelnmüssen zu verbinden. Zunehmend unwirtlich, auch unwirklich sei ihm zudem die Welt aus Büros, Hotellobbys und Computerbildschirmen erschienen. „Ich hatte das Gefühl, dass ich meinem Leben hinterherlaufen musste.“

          Anfang 2012 beginnt er damit, einen beruflichen Neuanfang zu planen, im September desselben Jahres kündigt er seinen Job. Kaffee hat ihn schon immer fasziniert, als Getränk, als Handelsware. Er hat einen überdurchschnittlich ausgeprägten Geschmacks- und Geruchssinn. Er will einen Familienbetrieb gründen, der nur hochwertige Produkte einkauft, verarbeitet und anbietet. Er glaubt fest daran, eine gute Geschäftsidee zu haben, aus seiner Bankenzeit weiß er aber auch, welche Risiken die Selbständigkeit birgt und vor allem, wie viel Kapital sie verschlingen kann, bevor sie welches abwirft. „Ich kann niemandem raten, ohne Rücklagen eine Firma zu gründen.“ Er bringt seine Ersparnisse ein, nimmt einen Gründerkredit auf, die Eltern geben etwas dazu. 2013 eröffnet die Privatrösterei Schmidt.

          Langsames Rösten mache den Kaffee bekömmlicher

          Auf dem Weg durch seinen Betrieb hält Schmidt heute vor einem unscheinbaren Metallregal und sagt, dass darauf der Gegenwert Tausender Euro aufbewahrt werde: Kartons mit den Kaffeetüten, schwarz und glänzend, ein Sondermodell, wiederverschließbar, mit einem Ventil, um die Luft herauszudrücken. Allein die kosteten 70 bis 90 Cent netto im Einkauf, sagt er. Die Etiketten, die von Hand auf die Tüten geklebt werden, für 20 Sorten.

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