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F.A.Z.-Leser helfen : Eine Zuflucht für die vergessenen Kinder

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Spielende Kinder: Die Arche Frankfurt-Nordweststadt ist für viele Kinder ein Anlaufpunkt, an dem sie spielen können, Ansprechpartner und Hilfe finden. Bild: Maria Klenner

Das Jugendzentrum Arche in der Nordweststadt bietet benachteiligten Jugendlichen Schutz und Fürsorge. Es braucht allerdings mehr Platz.

          Im Discounter steht am Ausgang ein ziemlich kräftig aussehender Mann und beobachtet die Kassen aufmerksam. Sicherheitsdienst. Vor dem Eingang bieten ein Mann und eine Frau ein paar Habseligkeiten an einem improvisierten Flohmarkttisch feil. An der Trinkhalle ein paar Schritte weiter lehnen drei Männer am Stehtisch, vor sich ein paar Bierflaschen. Sie schweigen sich an, wirken müde. Im Friseursalon beugen vier junge Männer in Reihe die Köpfe ein wenig, damit die Rasur im Nacken auch gelingt. Sie schauen hoch, alle haben den exakt gleichen Haarschnitt. Die As-Salam-Moschee des islamischen Kulturvereins ist nur wenige Schritte entfernt, sie liegt im oberen Teil des sogenannten Kleinen Zentrums der Nordweststadt und ist verschlossen.

          Das Ladenzentrum zwischen Thomas-Mann-Straße und Praunheimer Weg hat bessere Zeiten gesehen. Jetzt wirkt es wie ein massives Betonschiff, in dem sich Sozialeinrichtungen gegenüber der Moschee in ehemaligen Ladenlokalen aneinanderreihen. Drum herum wogt ein graues Meer von Hochhäusern. In den sechziger Jahren, als die Trabantenstadt entstand, sollte das Kleine Zentrum den Anwohnern den täglichen schnellen Einkauf ermöglichen, als Ergänzung zum großen Nordwestzentrum. Heute erzählt es stumm die Geschichte eines langsamen Verfalls. Ohne den Discounter gäbe es hier gar keine Einkaufsmöglichkeit mehr, ohne Moschee, Schülerladen, russische Samstagsschule, Nachhilfeangebot, Kunstschule und Jugendclub erschiene das Ganze wie eine Geisterstadt.

          Ein bunteres Leben in der Arche

          Zwischen Discounter, Friseur, Moschee und Trinkhalle liegt die Arche, eine Einrichtung des christlichen Kinder- und Jugendwerks. Nach und nach strömen am Mittag Kinder mit Ranzen und Rucksäcken dorthin, am Tresen gibt es Nudeln mit Sauce. Ein Stockwerk höher kicken ein paar Jungen in einem Raum mit Polstern an den Wänden. Erhan Dogukan steht vor Fotos, die Jugendgruppen beim Snowboarden und Kanufahren zeigen. „Da bin ich“, sagt der Fünfzehnjährige und zeigt auf ein Foto. Die Fenster sind fast zugehängt mit Fotos von Sportklamotten, Rucksäcken, Kopfhörern und Skateboards. Jedes Kind habe zu Weihnachten einen Wunsch frei, den Spender erfüllten, erläutert Julia Hildebrandt, die die Einrichtung leitet. Sonst werden die Wünsche der Kinder, die hierherkommen, eher selten wahr. Die Eltern leben von staatlicher Unterstützung, manche haben mit sich selbst und ihren Problemen so viel zu tun, dass für die Kinder keine Zeit bleibt. Schon gar nicht Geld für Wünsche.

          Hinter der Tür zu dem Stillarbeitsraum kleben Mädchen im Grundschulalter bunte Glitzersticker auf Pappschachteln, einige machen ihre Hausaufgaben, eine ehrenamtliche Betreuerin erklärt. Die Sonne scheint, die meisten zieht es nach draußen mit Bällen und Inlineskates. Unten füllen zwei Fünfzehnjährige den inzwischen fast leeren Essraum der Arche mit Kichern und Lachen. Eine der beiden Freundinnen hat im Drogeriemarkt gerade eine Tüte voll Windeln für den kleinen Bruder gekauft. Yusra findet es normal, sich darum zu kümmern. Sonst muss sie morgens doch immer das nasse Bett abziehen. Sie ist 15, besucht die Realschule und möchte vielleicht noch das Fachabitur machen, um einmal Sozialarbeit studieren zu können. Aber im Moment findet sie die Schule anstrengend. Ist das nicht vielleicht doch Zeitverschwendung? Zu Hause kümmert sie sich um die kleinen Geschwister. Früher war sie nach der Schule immer in der Arche, jetzt brauche sie mehr Ruhe bei den Hausaufgaben, sagt sie.

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