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F.A.Z.-Leser helfen : Eine Zuflucht für die vergessenen Kinder

  • -Aktualisiert am

Ein Zuhause, das oft nicht als solches bezeichnet werden kann

„Sind wir die Armen?“, fragen die Kinder, denen nicht entgeht, wenn sich Medienvertreter in mehr oder weniger großen Zeitintervallen einmal wieder an sie erinnern. Sie sind die Armen, die Verwahrlosten, die, deren Zuhause nicht wirklich so bezeichnet werden kann. Manche sind dunkelhäutig, tragen Rastazöpfchen, andere Kopftuch. „Julia, Julia“, schallt es im Minutentakt. Immer wieder kommt ein Kind und holt sich ein paar Streicheleinheiten ab. Auch Ann-Marie, die schon 18 ist, aber so zart wie manche Elfjährige, mit rauher Schale, cooler Strickmütze, unter der die großen braunen Augen manchmal etwas verstört hervorgucken. Kurz bevor sie gehen will, hängt sie sich mit ihren dünnen Armen um Julias Hals, verharrt dort, sagt „tschüs“ und geht. Niemand fragt, wohin. Sie sei ziemlich oft umgezogen in jüngster Zeit, berichtet sie. Immer mit Freunden. Von Eltern sagt sie nichts.

„Manche Jugendliche erzählen uns, sie wären schon tot, wenn sie uns nicht gehabt hätten“, sagt Hildebrandt. Regelmäßig Essen zu bekommen ist für manche überlebensnotwendig. Manchmal schaltet sie auch das Jugendamt ein, wenn Kinder sagen, dass sie nicht mehr nach Hause wollen. Dann rollt die Verwaltungsmaschinerie an, Pflegefamilie, Heim. Einige gehen dann doch wieder zurück zu den Eltern, sind Hildebrandt gram, fühlen sich ausgehorcht. Deshalb erzählt hier auch niemand gern Fremden etwas von zu Hause, von den Eltern, von Schwierigkeiten. Zu Julia, Daniel und den anderen Betreuern haben sie alle oft über Jahre sehr viel Vertrauen entwickelt. Vertrauen braucht Zeit, viel Zeit. Und gute Nerven.

Das Viertel hält zusammen

Hildebrandt sagt: „Wir nehmen jeden so an, wie er ist.“ Auch wenn jemand sehr schwer zu ertragen ist, aufgedreht, laut, provokant. Wenige Minuten zuvor gingen ein paar Gläser zu Bruch, ein Fußball verfehlt nur knapp den Kopf der Fotografin. Einige klauen manchmal ein paar Süßigkeiten im Discounter nebenan. Der Marktleiter sei cool und sehr in Ordnung, sagt Hildebrandt. Er frage zuerst die Erzieher nach ihrer Einschätzung, wenn er mal wieder jemanden erwischt hat. „Wir überlegen dann, ob jemand vielleicht geschickt wurde von den Älteren und sprechen mit dem Betroffenen.“ Die Eltern werden informiert, aber niemand holt gleich die Polizei. Das Viertel hält zusammen, das spüren die Kinder und fühlen sich in dieser Arche sehr wohl.

„Das Christentum ist unsere Motivation, aber wir missionieren niemanden“, sagen Hildebrandt und Schröder. Nirgends hängen Kreuze, es wird nicht gebetet. Es gibt aber ein freies Angebot für alle Kinder, in dem die beiden von ihrem Glauben erzählen. Mindestens 90 Prozent der Kinder sind Moslems. „Wir haben auch einige sehr religiöse muslimische Kinder, die fragen nach, warum ich so vieles falsch mache, Schweinefleisch esse, kein Kopftuch trage“, sagt Hildebrandt. Manche fragten irgendwann auch, warum sie sich ihnen jeden Tag aufs Neue wieder freundlich zuwende, obwohl sie ihre Geduld manchmal bis zur Erschöpfung ausreizten. „Wenn wir dahin kommen, ist alles erreicht.“

Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“:

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und die Frankfurter Allgemeine / Rhein-Main-Zeitung bitten um Spenden für ein Projekt, bei dem Jugendliche durch die Arche Frankfurt-Nordweststadt auf dem Weg ins Erwachsenen- und Berufsleben unterstützt werden, und zugunsten eines Kinderheims in der Ukraine, das vernachlässigte, wohnungslose und missbrauchte Kinder aufnimmt.

Spenden für das Projekt „F.A.Z.- Leser helfen“ bitte auf die Konten:

- Bei der Frankfurter Volksbank IBAN: DE94 5019 0000 0000 1157 11

- Bei der Frankfurter Sparkasse IBAN: DE43 5005 0201 0000 9780 00

Die Namen der Spender werden in der Zeitung veröffentlicht. Selbstverständlich wird auch der Wunsch respektiert, auf eine Namensnennung zu verzichten. Spenden können steuerlich abgesetzt werden. Sofern die vollständige Adresse angegeben ist, kann eine Spendenquittung zugeschickt werden. Weitere Informationen zur Spendenaktion im Internet unter der Adresse www.faz-leser-helfen.de.

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