https://www.faz.net/-gzg-93jxv

F.A.Z.-Leser helfen : Eine Zuflucht für die vergessenen Kinder

  • -Aktualisiert am

Mehr Platz und Personal für 250 Kinder nötig

Auch deswegen wollen die Mitarbeiter der Arche ihr Angebot für Jugendliche gern ausbauen, Platz schaffen, damit die Großen nicht von den Kleinen gestört werden. Dieses Vorhaben soll mit der Aktion „F.A.Z.-Leser helfen“ unterstützt werden. 60 bis 70 Kinder im Alter von sechs bis 18 Jahren kommen am Tag, insgesamt 250 Kinder. Julia Hildebrandt wünscht sich auch einen Leseraum, in dem die Kinder ein wenig mehr „runterkommen und sich zurückziehen können“. Wenn die Neuntklässler Praktikumsberichte schreiben müssen, bleiben die Betreuer auch länger da, um jedem helfen zu können, sonst ist um 17 Uhr Schluss. Mittlerweile sei die Hälfte der Arche-Kinder im Teenie-Alter. Um die Öffnungszeiten aber verlängern zu können, brauche es mehr Personal. Mehr Zeit für die Begleitung von Hausaufgaben, aber auch, um das ganz normale Leben zu erklären, Werte zu vermitteln, „was wir für wichtig erachten über den Tag hinaus“, sagt Hildebrandt.

Ein Jugendlicher hat gerade ein durch Unterstützung der Betreuer mühsam ergattertes Praktikum bei der Deutschen Bank einfach abgesagt. Ein Bekannter des Vaters bescheinige ihm ein Praktikum, ohne dass er anwesend sein müsse. In der Zeit könne er dann doch in einer Bäckerei richtig Geld verdienen. In einer Welt des täglichen Überlebenskampfes denkt man eher selten an Perspektiven und Karrieremöglichkeiten. Dass ein unbezahltes Praktikum Türen öffnen kann und deshalb dem schnellen Geld in einem perspektivlosen Hilfsjob vorzuziehen ist, müssen die Mitarbeiter der Arche geduldig in vielen Gesprächen vermitteln.

„Man wird so herzlich aufgenommen“

„Ich komme immer gern her, man wird so herzlich aufgenommen, und die Erzieher haben immer ein Lächeln im Gesicht“, sagt Yusra. In der Arche habe sie immer einen Ansprechpartner gefunden, erläutert das Mädchen mit dem streng gebundenen grauen Kopftuch. Sie ist gläubige Muslima. Dass in der Arche manchmal auch christliche Geschichten aus der Bibel erzählt werden, findet sie „nicht schlimm, das war immer sehr interessant“. Seit einiger Zeit trifft sie sich mit Freunden am liebsten im Nordwestzentrum, „bei McDonald’s, dann sitzen wir da auf Treppen rum und reden“. Anschließend geht es meist in die Buchhandlung, nicht der Bücher wegen, sondern weil es dort kostenloses W-Lan gibt. „Wir gucken dann lustige Videos auf den Smartphones“, bis sie rausgeschmissen würden, weil sie zu laut seien.

Manchmal stehen direkt vor den Fensterscheiben der Arche auch Drogendealer. Julia Baumgart holt dann nicht die Polizei, sondern redet deutlich mit ihnen, verlangt mit Nachdruck, dass „ihre“ Arche-Kinder unbehelligt bleiben, und sie verschwinden. Die Polizei ist für sie nur ein letzter Ausweg. Wo es Drogen im Viertel gibt, wissen viele Jugendliche sowieso. Baumgart will sie so stark machen, dass sie diese Ecken einfach meiden.

Weitere Themen

Topmeldungen

Formel-1-Legende : Niki Lauda ist tot

Niki Lauda ist gestorben: Der Österreicher wurde 70 Jahre alt. Nicht nur als Rennfahrer in der Formel 1 feierte der dreimalige Weltmeister Erfolge.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.