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Jugendorganisationen : Aufmucken gegen die Mutterpartei

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Mitglieder der Jugendorganisationen der Pateien kleben nur Plakate? Weit gefehlt! Bild: dpa

Die Jugendorganisationen der Parteien wollen nicht nur Helfer im Wahlkampf sein. Für die nächsten Jahre stellen sie klare Forderungen.

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          Sie plakatieren, werben, jubeln: Die Mitglieder der Jugendorganisationen von CDU, SPD, FDP, Grünen und Linken in Frankfurt gestalten den Bundestagswahlkampf ihrer Parteien mit. Doch anspruchslos sind sie nicht: Von ihren Kandidaten erhoffen sie sich unterschiedliche Dinge – wobei sich ihre Haltung zu Themen wie Bildung, Wirtschaft und Online-Durchsuchungen zum Teil stark von der jeweiligen Mutterpartei unterscheidet.

          Die Junge Union, die Jugendorganisation der CDU, hat in Frankfurt etwa 1.000 Mitglieder. Vorsitzender ist der 27 Jahre alte Betriebswirt Ulf Homeyer. Von den CDU-Bundestagskandidaten Erika Steinbach und Matthias Zimmer erhofft er sich, dass „sie sich aktiv für Frankfurt einsetzen, besonders für den internationalen Finanzstandort“. Dazu gehöre auch, für die Ansiedlung von Firmen zu werben und zu verhindern, dass Unternehmen in steuergünstigere Nachbargemeinden abwandern.

          Jusos

          Das Programm der konservativen Nachwuchspolitiker unterscheidet sich am deutlichsten in Bildungsfragen von der Linie der Bundespartei. So ist Homeyer nicht überzeugt vom Leitspruch „Bildungspolitik ist Ländersache“. Er würde die Studiengebühren, die er persönlich bejaht, die die Junge Union als Organisation aber ablehnt, lieber vom Bund regeln lassen. Homeyer befürwortet außerdem ein Bafög, das unabhängig vom Einkommen der Eltern gezahlt wird. Er meint, wohlhabende Eltern griffen ihrem Nachwuchs nicht automatisch kräftig unter die Arme.

          Die Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialisten, kurz Jusos genannt, hat in Frankfurt annähernd 650 Mitglieder. Einer der beiden Sprecher ist der 26 Jahre alte Politikstudent Mike Josef. Er beklagt eine Tendenz in der SPD, nur zu reagieren und keine Impulse zu setzen. Daher erhofft er sich von den SPD-Bundestagskandidaten Gregor Amann und Ulli Nissen, dass sie „Diskussionen anstoßen“. So müssten Gesetze zu Hartz IV und Leiharbeit, die unter der rot-grünen Bundesregierung als damals notwendige Maßnahmen eingeführt wurden, nun überprüft werden.

          Allgemeines Bafög

          Josef erwartet ein gesellschaftspolitisches Konzept, das auch zu definieren habe, wo die Gesellschaft hinwolle. Von Amann und Nissen fordert er, dass sie „Dampf machen“ beim Atomausstieg. „Mit Blick auf Biblis A und B ist das auch für Frankfurter ein wichtiges Thema.“ Um diese Ziele zu erreichen, setzen die Jusos schon jetzt auf einen regen Austausch mit den Bundestagskandidaten, zum Beispiel auf Parteitagen.

          Das Programm der Jusos in Frankfurt ist nahezu deckungsgleich mit dem der Mutterpartei. Sie wollen nicht, dass Bildungspolitik Ländersache bleibt – und sie sind gegen Studiengebühren. Allerdings fänden sie die Einführung eines allgemeinen Bafögs gut. „Das Bafög emanzipiert Studenten von ihren Eltern“, sagt Josef. So gebe es noch immer Eltern, die ihre Kinder nur dann unterstützten, wenn diese die von ihnen selbst präferierten Fächer studierten.

          Junge Liberale

          Eine andere Meinung als die SPD vertreten die Jusos in puncto Online-Durchsuchungen: Sie sind strikt dagegen. Genauso wie die FDP, die Grünen und Die Linke sowie deren Jugendorganisationen – und anders als CDU und Junge Union.

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