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Jugendoffizieren der Bundeswehr : In Uniform vor der zehnten Klasse

  • -Aktualisiert am

Im Dialog: Jugendoffizier Michael Gräßel diskutiert mit den Schülern auch über Auslandseinsätze. Bild: Cornelia Sick

Mit ihren Jugendoffizieren ist die Bundeswehr an den Schulen präsent. Dort sprechen sie mit den Schülern über das Militär und sicherheitspolitische Themen. Marineoffizier Michael Gräßel besucht Klassen in Frankfurt und Umgebung.

          Turnschuhe, Jeans und T-Shirt. Michael Gräßel kommt in Zivil ins Büro. So sieht der Achtundzwanzigjährige nicht gerade aus wie ein Soldat. Aber das ändert sich schnell, als der Marineoffizier dann seine Uniform anzieht: schwarze Schuhe, dunkelblaue Hose, weißes Diensthemd. So wird er in ein paar Stunden vor die Schüler treten.

          Michael Gräßel ist einer von 94 Jugendoffizieren der Bundeswehr. Seit 1958 referieren sie an Schulen über sicherheitspolitische Themen, organisieren Planspiele zur Weltpolitik und nehmen an Podiumsdiskussionen teil. Im November vergangenen Jahres haben das hessische Kultusministerium und die Bundeswehr einen Kooperationsvertrag zur Arbeit der Jugendoffiziere an den Schulen des Landes unterzeichnet. Unter anderem steht dort, dass die Vertreter der Bundeswehr nicht um militärischen Nachwuchs werben dürfen. Hessen ist das achte Bundesland, das einen solchen Kooperationsvertrag abgeschlossen hat.

          „Bei uns ist die Bundeswehr willkommen“, sagt der Schulleiter

          Gräßel, der sein Büro an der Insterburger Straße im Stadtteil Hausen hat, ist im gesamten Rhein-Main-Gebiet im Einsatz. Nach seinem Studium an der Universität der Bundeswehr in Hamburg und zwei Jahren auf der Fregatte „Sachsen“ ist der Hobby-Segler an den Main gekommen – im Januar hat er nach einer zweimonatigen, speziellen Ausbildung zum Jugendoffizier seinen Dienst angetreten. Seither hat er 35 Schulen besucht, eine oder zwei je Woche. „Die Arbeit mit den jungen Leuten macht mir viel Freude“, sagt er. Die Schüler zeigten immer wieder großes Interesse an Fragen der Sicherheitspolitik.

          An diesem Morgen macht sich Gräßel auf den Weg zur Mühlheimer Friedrich-Ebert-Schule, einer Haupt- und Realschule im Kreis Offenbach. Zunächst trifft sich der Offizier mit dem Schulleiter, denn es ist sein erster Besuch an dieser Schule. Christoph Müller, seit 2004 Direktor der Friedrich-Ebert-Schule, freut sich über den Mann vom Militär: „Bei uns ist die Bundeswehr willkommen. Die Referenten garantieren, dass die Schüler Informationen über Sicherheitspolitik aus erster Hand bekommen.“

          Nicht nur aus Büchern lernen

          Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft Hessen sieht das anders. Nach Ansicht ihres bildungspolitischen Sprechers Jens Wernicke sollten Schulen keine Orte sein, an denen die Bundeswehr einseitig ihre Auslandseinsätze als humanitäre Hilfe beschönige. „Aber die Schüler sollen die Einsätze gar nicht gut finden“, sagt Gräßel. Ihm gehe es vielmehr darum, den Jugendlichen die Aufgaben der Bundeswehr zu vermitteln. Er wolle keine Werbung machen, sondern die jungen Leute dazu ermutigen, sich kritisch mit sicherheitspolitischen Themen auseinanderzusetzen. Den Vorwurf der Lehrer-Gewerkschaft, die Bundeswehr betreibe mit Hilfe der Jugendoffiziere Nachwuchswerbung, kann auch Schulleiter Müller nicht verstehen. Aus Sicht des Neunundfünfzigjährigen leisten Jugendoffiziere einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung der Schüler. Und selbst wenn Wehrdienstberater an seine Schule zur Nachwuchswerbung kämen, wären sie gern gesehen, sagt Müller. Allerdings sei die Teilnahme an einer solchen Veranstaltung für die Schüler natürlich freiwillig.

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