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Jugendhaus Frankfurt-Griesheim : „Von gerichtlich verordneten Sozialstunden freigekauft“

In mindestens 28 Fällen sollen Mitarbeiter eines Jugendhauses in Frankfurt-Griesheim verurteilten Straftätern die vom Gericht verordneten Sozialstunden erlassen haben – wohl auch gegen Bezahlung. Gegen einen Mitarbeiter aus Griesheim wird ermittelt.

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          In mindestens 28 Fällen sollen Mitarbeiter eines Jugendhauses im Frankfurter Stadtteil Griesheim verurteilten Straftätern die vom Gericht verordneten Sozialstunden erlassen haben – wohl auch gegen Bezahlung. Das geht aus einem internen Bericht von Polizei und städtischen Ämtern hervor. Nach Informationen der Rhein-Main-Zeitung ist in dem Protokoll vermerkt, dass sich einige Jugendliche regelrecht „freigekauft“ hätten.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für einen gewissen Betrag habe einer der Sozialarbeiter einem Jugendlichen bescheinigt, er habe seine Strafe verbüßt. Tatsächlich aber hatte der Delinquent die Sozialstunden nie angetreten. Dem Vernehmen nach sollen 150 Euro gezahlt worden sein. Wie es weiter heißt, sei dies „kein Einzelfall“. Auch andere Jugendhäuser stünden unter Verdacht.

          Ermittlungen wegen Strafvereitelung

          Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass gegen einen Mitarbeiter aus Griesheim Ermittlungen wegen Strafvereitelung eingeleitet wurden. Man habe die Wohnung und das Büro des Mannes durchsucht und einige Papiere sichergestellt. Verdächtig gemacht hatte sich der Mann, indem er den Jugendlichen insgesamt mehr als 5500 Stunden in weniger als einem Jahr bescheinigt hatte. In einem Fall hatte er sogar angegeben, ein von ihm betreuter Straftäter habe innerhalb von drei Wochen 400 Stunden abgeleistet – was bedeuten würde, der Jugendliche hätte fast rund um die Uhr gearbeitet. Eine Richterin war daraufhin skeptisch geworden und hatte den Fall näher geprüft.

          Wie aus dem Sozialdezernat zu erfahren war, waren die Fälle bekannt. Man wollte jedoch die Ermittlungen abwarten, bevor man Konsequenzen fordere. In erster Linie sei der zuständige Freie Träger dafür verantwortlich, solche Vorfälle zu ahnden. Sollte sich der Verdacht gegen die Mitarbeiter erhärten, werde man aber „darauf drängen, dass die Angelegenheit so schnell wie möglich geklärt wird“.

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