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Jüdischer Friedhofsverwalter : Der Herr der Gräber

  • -Aktualisiert am

Tag und Nacht im Dienst: Majer Szanckower führt auch zu ungewohnter Stunde über die Jüdischen Friedhöfe. Bild: Hannah Aders

Jüdische Friedhöfe sind für die Ewigkeit. Darum wachsen sie immer weiter und brauchen einen guten Verwalter. In Frankfurt ist das Majer Szanckower – eine Ein-Mann-Pietät.

          5 Min.

          Der Wunderrabbi hat schon vor einem Jahrhundert unser Erdenreich verlassen. Doch in der Erinnerung vieler Juden lebt Israel von Stolin, der chassidische Rabbiner aus dem heute weißrussischen Städtchen Stolin, weiter. Majer Szanckower, der Verwalter des Jüdischen Friedhofs an der Rat-Beil-Straße in Frankfurt, hat schon viele Tausende frommer Juden zum Grab des Rabbis, der oft nur „Der Frankfurter“ genannt wird, pilgern sehen. Juden aus New York, Buenos Aires oder einer anderen Stadt auf dieser Welt mit einer Jüdischen Gemeinde machen auf ihrer Reise nach Europa oft eigens einen Abstecher nach Frankfurt, um am Grab dieses Mystikers, der 1921 während einer Kur in Bad Nauheim verstarb und in Frankfurt beerdigt wurde, zu beten und ein Zettelchen mit einem Wunsch darauf abzulegen.

          Majer Szanckower öffnet – wenn es nicht anders geht – diesen oft aus fernen Ländern anreisenden Gläubigen die Friedhofstür auch nach Dienstschluss und manchmal sogar mitten in der Nacht. Den Toten Ehre zu erweisen, das ist nämlich nicht nur sein Beruf, sondern auch seine Passion. Den Lebenden hingegen spendet der Herr über die insgesamt zwölf Jüdischen Friedhöfe auf Frankfurts Gemarkung, darunter viele verwaiste, gerne Trost oder Rat. Zum Beispiel jüngst jener Witwe, die in ihrer Trauer entschlossen war, die Ärzte ihres verstorbenen Gatten, denen sie die Schuld an dessen Tod gab, zu verklagen. Szanckower riet ihr, sich das noch einmal genau zu überlegen, und konnte sich Tage später bestätigt fühlen, als die Frau mit einem Geschenk bei ihm vorbeikam, um ihm dafür zu danken, dass er sie von ihrem überstürzten Vorhaben abgehalten hatte.

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