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Bei Firmenlauf immer dabei : Erst beim Startschuss aus dem Büro

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Stammgast: Christian Strunz, Geschäftsführer der Notarkammer, hat alle JP-Morgan-Firmenläufer mitgemacht - sonst joggt er nicht Bild: Carlos Bafile

An diesem Mittwochabend gehört die Frankfurter Innenstadt wieder weitgehend den Teilnehmern der JP Morgan Corporate Challenge. Christian Strunz hat noch keinen Firmenlauf ausgelassen.

          Man könnte meinen, dass Christian Strunz ein wahrer Laufenthusiast ist. Einer, der quasi täglich vor oder nach der Arbeit oder in der Mittagspause quietschbunte Laufschuhe schnürt. Der die Assistentinnen noch bittet, keine Anrufe mehr durchzustellen, um dann aus der Bürotür an der Bockenheimer Anlage zu stürmen und entlang der Wallanlagen bis zum Main zu rennen. Halt einer, dessen Tag ohne einen kernigen Lauf nicht komplett ist. Von seiner Statur her würde es auch passen. Zumal Strunz nachweislich an jeder der 26 Ausgaben des JP Morgan Corporate Challenge in Frankfurt teilgenommen hat. Da ist er vermutlich der Einzige oder zumindest einer der ganz wenigen.

          Doch die Wahrheit ist: „Ich bin kein Läufer“, sagt der Siebenundfünfzigjährige. Laufsport verabreiche er sich „nur in homöopathischen Dosen“. Um genau zu sein: einmal im Jahr. Einzig beim Corporate-Challenge-Lauf, der an diesem Mittwochabend wieder die Innenstadtstraßen mit Zehntausenden Läufern fluten wird. Rund 63 000 Starter aus 2282 Unternehmen werden nach dem Startschuss um 19 Uhr auf die 5,6 Kilometer lange Strecke zwischen Eschenheimer Turm und Senckenberganlage gehen.

          Einst nur einige Hundert Teilnehmer

          Strunz ist Geschäftsführer der Notarkammer Frankfurt. Und sein Dienstbeginn dort war, kurz bevor die Bank JP Morgan ihrer weltumspannenden Firmenlaufserie den Schauplatz Frankfurt hinzufügte. „Dass der Lauf einmal so groß wird, hätte ich damals nie gedacht. 1993 ging es mit ein paar hundert Teilnehmern ohne Gedränge auf dem Römerberg los“, erinnert sich Strunz. Der gebürtige Frankfurter blieb dabei, es war und ist für ihn wie eine feste Verabredung, wenn an einem Abend im Juni der Corporate Challenge stattfindet.

          In den Wochen vorher fragt er seit jeher im Kollegenkreis herum, wer in diesem Jahr alles dabei ist. Bis zu 15 Mitarbeiter der Notarkammer konnte er zu Spitzenzeiten motivieren, in diesem Jahr werden es acht sein. Und ja, es gab tatsächlich auch zwei, drei Jahre, in denen er als Solist teilgenommen hat. „Dann habe ich das eisern durchgezogen“, sagt Strunz.

          Teamgeist, Mannschaftserlebnis, Fitness

          Einsam ist ein eloquenter wie zupackender Typ wie er freilich nie in einem Läuferfeld mit Tausenden anderen. Zumal traditionell auch so mancher aus seiner Branche und nicht zuletzt viele Anwälte teilnehmen. „Ich treffe unterwegs viele bekannte Gesichter, die mitlaufen oder vor den Kanzleien stehen und anfeuern. Zum Beispiel sind viele Justizbeamte dabei, mit denen man gegebenenfalls tagsüber noch beruflich zu tun hatte. Und manche, die man zuvor nur am Telefon hatte“, sagt Strunz. Teamgeist, Mannschaftserlebnis, Fitness, Spaß – darum geht es seit jeher beim Corporate Challenge.

          Wer mit gesenktem Kopf ein flottes Rennen auf Zeit laufen will, ist falsch in dem Gedränge, das den Laufrhythmus immer wieder unterbricht. „Es hat mehr den Charakter eines frohgemuten Betriebsausflugs“, sagt Strunz, der in der Notarkammer traditionell auch für den Entwurf des Laufshirts zuständig ist. Denn jeder Läufer ist an diesem Abend auf Frankfurts Straßen optisch seinem Arbeitgeber zuzuordnen.

          63.000 Teilnehmer

          Strunz und manche andere haben längst ein Ritual entwickelt: Sie verlassen erst das Büro, wenn der Startschuss für die teilnehmerstärkste Laufveranstaltung Europas fällt. Denn die Wartezeit ist immer noch lang genug, wenn man sich in einer Schlange von 63.000 Menschen hinten anstellt. „Im Hinterfeld sind noch mehr lachende Gesichter unterwegs und quasi kein verbissener Läufer mehr“, sagt Strunz, der seine Fitness dem Klettersport verdankt. Der sportliche Jurist ist Übungsleiter in der Frankfurter Sektion des Deutschen Alpenvereins und führt regelmäßig Gruppen an geeignete Felsen zwischen Rhön, Fränkischer Schweiz und Tiroler Kaunertal.

          Was all die bisherigen 26 Ausgaben des Corporate Challenge gemeinsam haben? „Es hat in all den Jahren während des Rennens noch nie geregnet“, erzählt Strunz. In diesem Jahr könnte es wieder gutgehen. Aber auch wenn nicht: Christian Strunz wird auch 2020 wieder dabei sein.

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