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F.A.Z.-Leser helfen : Volksmusik für Heavy-Metal-Fans

  • -Aktualisiert am

Teuflisch gut drauf: Autor Jochen Till (rechts) und Illustrator Raimund Frey sind die Schöpfer der Buchreihe „Luzifer junior“. Bild: Marcus Kaufhold

Bei den Sonntagsgeschichten zugunsten der Spendenaktion „F.A.Z.-Leser helfen“ geben Jochen Till und Raimund Frey Nachhilfe für Bösewichter. Und verraten, was der Höllenhund wirklich will.

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          Luzie, genauer gesagt Luzifer, hat es auch nicht leicht. Er ist der Sohn des Teufels, Satans Spross, ein Kind des Leibhaftigen, eine Ausgeburt der Hölle. Das ist allerdings nicht ganz so cool, wie man es sich vorstellt. Wenn sein Vater, der Teufel, nach ihm ruft, nennt er ihn gern mal „die hinterhältige Kröte“. Dabei ist der Teufel eigentlich ganz in Ordnung. „Das Böse ist nur seine Arbeit“, weiß Luzifer. Ein echter Knochenjob, tagaus, tagein böse Stimmung zu verbreiten. Aber wenn ihm sein Sohn wieder einmal einen Streich spielt, dann kennt auch der Satan keine Verwandten. Dann hetzt er Luzifer schon mal seinen Höllenhund Cerberus auf den Hals. Und Cerberus findet alle. Obwohl – aber das muss geheim bleiben – der Höllenhund eigentlich am liebsten gestreichelt werden möchte.

          Die Geschichten von Satans Sohn „Luzifer junior“ und seinem Hausdämon Cornibus hat sich der Frankfurter Autor Jochen Till ausgedacht. Inzwischen sind elf Bände aus der Reihe erschienen. Jetzt war er mit dem Illustrator Raimund Frey zu Gast bei den F.A.Z.-Sonntagsgeschichten. Zusammen haben sie aus ihrem ersten Band „Luzifer junior – zu gut für die Hölle“ vorgelesen.

          Metallica statt Gedudel

          Diesmal hat sich Marie-Lisa Kehler, stellvertretende Redaktionsleiterin der Rhein-Main-Zeitung, in die höllisch-bunte Welt des Teufels hinabgewagt. Dort, wo Heavy-Metal-Fans zur Strafe 100 Jahre Volksmusik hören müssen, wahlweise bayrischen und/oder österreichischen Ursprungs. Die Strafe kann frühestens nach 99 Jahren um ein Jahr verkürzt werden – perfekte Jodelkenntnisse vorausgesetzt. Das kann Luzifer natürlich nicht zulassen. Er bastelt ein bisschen an der Technik und in „Abteilung 27“, in der Heavy-Metal-Fans landen, wird nicht mehr gedudelt, sondern Metallica gespielt. Zur Freude der Inhaftierten. Da schwellen dem Teufel die Hörner. Und das tun sie nur, wenn er mächtig sauer ist. Hörner hat Luzie nicht, auch Hufe fehlen ihm. Ein Glück, so fällt er nicht weiter auf. Denn im Grunde ist Luzie viel zu lieb. Auf der Erde soll er nun endlich lernen, wie „Bösesein“ funktioniert. So landet Luzie im Sankt-Fidibus-Institut für Knaben. Da soll er sich bei Torben und seiner Bande abgucken, wie man so richtig fies und gemein sein kann.

          Teuflisch gut drauf: Autor Jochen Till (rechts) und Illustrator Raimund Frey sind die Schöpfer der Buchreihe „Luzifer junior“.
          Teuflisch gut drauf: Autor Jochen Till (rechts) und Illustrator Raimund Frey sind die Schöpfer der Buchreihe „Luzifer junior“. : Bild: Marcus Kaufhold

          Aber bei den Sonntagsgeschichten wird nicht nur vorgelesen, die Autoren beantworten auch Fragen. So sollte Till erzählen, wie er auf die Idee gekommen ist, ein Buch über den Sohn des Teufels zu schreiben. „Die Grundidee kam vom Verlag“, sagte Till. Einzige Voraussetzung war: Es sollte lustig sein. Nachdem klar war, dass er kein Vorgaben zum Inhalt bekommen würde, hat er sich an die Arbeit gemacht. Denn Till möchte die Geschichten schreiben, die er als Kind oder Teenager selbst gern gelesen hätte. Da stören Vorgaben nur.

          Und Lina fragte, auf wie viele Bücher aus der Reihe sie sich noch freuen darf. „Das kommt darauf an, ob sich die Bücher weiter gut verkaufen“, sagte Till. Band 12 sei schon fertig und erscheine im September. Auch für Band 13 haben Till und Frey schon einen Vertrag. Solange das Schreiben Freude mache und die Ideen nicht ausgingen, werde es wohl weitere Bücher aus der Reihe geben.

          „Hat Luzifer eigentlich eine Mutter?“, wollte Moderatorin Marie-Lisa Kehler wissen. Überhaupt kämen so wenig Mädchen und Frauen in den Büchern vor: „Aber die können doch auch böse sein.“ Dazu empfehlen Till und Frey, Band 4 der Reihe zu lesen. Dass Till am Sonntag selbst las und antwortete, ist etwas Neues. 20 Jahre lang habe er einen guten Freund vorgeschickt, der seine Bücher vor Publikum vorgelesen hat. Bei den Sonntagsgeschichten hat er jetzt erzählt, warum er so lange nicht selbst auf die Bühne gegangen ist: „Ich bin Stotterer.“ Es sei ihm einfach nicht möglich gewesen, vor Publikum zu lesen. „Es hat sich jetzt erst entwickelt, dass ich das auch selbst hinkriege.“

          „Kinder kommen nicht in die Hölle“

          Als Luzifer-junior-Team sind Till und Frey unschlagbar. Immer wenn Till eine neue Geschichte geschrieben hat, setzen sie sich zusammen und überlegen, welche Gestalten es in die Bücher schaffen sollten. Ein Heidenspaß, den Frey jetzt auch bei den Sonntagsgeschichten zeigte. Er zeichnete nicht nur den Hausdämon Cornibus, sondern auf Wunsch der Zuschauer auch andere Fabeltiere.

          Insgesamt hat der passionierte Rockmusiker und Süßigkeiten-Fan Till seit 1997 62 Bücher geschrieben. Die Luzifer-Reihe ist aber seine erfolgreichste. Mehr als 250.000 Bücher wurden inzwischen verkauft. Und wie wir jetzt wissen: Es werden weitere folgen. Auch wenn Luzie weiter das einzige Kind in der Hölle bleiben wird. Denn auf die Frage, ob es noch andere Kinder in der Hölle gibt, sagte Till: „Nein, Kinder kommen nicht in die Hölle.“

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“

          Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ und die „Frankfurter Allgemeine“/„Rhein-Main-Zeitung“ bitten um Spenden für das Projekt „Sternenzelt“ der Evangelischen Familienbildung Main-Taunus, das Kinder, die ein Elternteil verloren haben, durch die Trauerzeit begleitet und stärkt, sowie für das Atelier Goldstein in Frankfurt, das einen Anbau errichten will, damit dort noch mehr Künstler mit kognitiven Beeinträchtigungen arbeiten und zugleich Veranstaltungen stattfinden können.

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“ bitte auf die Konten:

          Bei der Frankfurter Volksbank

          IBAN: DE94 5019 0000 0000 1157 11

          Bei der Frankfurter Sparkasse

          IBAN: DE43 5005 0201 0000 9780 00

          Spenden können steuerlich abgesetzt werden. Weitere Informationen zur Spendenaktion im Internet unter der Adresse www.faz-leser-helfen.de.

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