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Jazz Montez aus Frankfurt : Unverhoffte Einblicke

  • -Aktualisiert am

Enthusiasten: Lorenzo Dolce (links) und John Steinmark (rechts) sind die kreativen Köpfe von Jazz Montez. Bild: Mark Trebron

Jazz Montez aus Frankfurt macht es mit „A Day In The Lifestream“ möglich, einen Einblick in exklusive Studioaufnahmen zu bekommen. Die stilistische Offenheit des Vereins trifft den Geschmack eines mehrheitlich jungen Publikums.

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          Wer schon immer mal bei Studioaufnahmen dabei sein wollte, bekommt an diesem Sonntag reichlich Gelegenheit dazu, natürlich per Internet. Unter dem Titel „A Day In The Lifestream“ besteht von 10 Uhr an über die Website jazzmontez.de die Chance, den Bands Wanubalé und Moses Yoofee bei der Arbeit im Frankfurter Studio Lotte Lindenberg zuzusehen. Dessen Chef Wolfgang Gottlieb hat als ehemaliger Mitbesitzer des Hazelwood-Studios und -Labels in Rödelheim bereits ein wesentliches Kapitel der Rhein-Main-Rockhistorie mitgeschrieben.

          Die Idee zu diesem Studio-Livestream stammt von Lorenzo Dolce und John Steinmark, den Köpfen des 2018 als gemeinnützig eingetragenen Vereins „Jazz Montez“. Kontinuierlich bereichern sie das hiesige Konzertleben mit Auftritten überwiegend jüngerer Bands. „Unser Ziel ist, ein möglichst breites Spektrum der aktuellen Szene abzubilden“, beschreibt Dolce die undogmatische Programmauswahl, die Jazz und Pop, Hiphop und elektronische Musik absichtsvoll mischt. Die stilistische Offenheit trifft den Geschmack eines mehrheitlich jungen Publikums. Ausgangspunkt für Jazz Montez war der Kunstverein Familie Montez, parallel dazu starteten Dolce und Steinmark bald eine regelmäßige Konzertreihe im „Dschungelraum“ des Atelierfrankfurt.

          Frankfurt als vitaler Teil der deutschen Szene

          Deren zweite Saison begann im Oktober 2019. Sie wurde wegen der Corona-Pandemie im März vorzeitig beendet. Schon vergangenen Sommer hatten Dolce und Steinmark die Idee, alle Bands jeweils am Tag nach ihren Konzerten ins Lotte-Lindenberg-Studio einzuladen, um dort je ein Stück für ein Vinyl-Album aufzunehmen. „Mit der Compilation möchten wir zeigen, dass Frankfurt ein vitaler Teil der deutschen Szene ist und ein Ort, an dem man als Jazzmusiker andocken kann“, sagt Dolce, der selbst Saxophonist ist. Zudem gehe es um eine dauerhafte Dokumentation und Kommunikation. Diese Aspekte gehören von Anfang an zum Selbstverständnis vom Jazz Montez. So führt Dolce gerne nach den Konzerten Interviews mit den Bands, die zusammen mit Ausschnitten der Auftritte online gestellt werden.

          Dass Jazz Montez keinen eigenen Raum hat, „könnte man als strukturellen Nachteil sehen“, sinniert John Steinmark: „Aber das kollaborative Moment ist uns dadurch zur Grundlage geworden. Es macht uns Spaß, Kooperationen zu initiieren und durchzuführen.“ Für die Compilation brachten sie Wolfgang Gottlieb und Jan Hennig alias Kabuki zusammen, Letzterer zählte lange zur Speerspitze nicht nur der deutschen Jungle- und Drum-&-Bass-Produzenten. Auch bei der Programmgestaltung begnügt sich Dolce nicht mit landläufigen Angeboten, sondern initiiert zuweilen neue Konstellationen. So sei es seinem Anstoß zu verdanken, dass die Bassistin Franziska Aller in ihrer Band Blue Lion mit Saxophon-Altmeister Tony Lakatos spielt. Und Kira Linn, der aus Wiesbaden stammenden Bariton-Saxophonistin, habe er die Zusammenarbeit mit der Sängerin Laura Totenhagen vorgeschlagen. Umgekehrt setzt Dolce ein gehöriges Maß an Vertrauen in gute Bekannte. „Das Quintett Conic Rose um den Trompeter Konstantin Döben haben wir gebucht, ohne vorher Musik von ihm gehört zu haben“, erzählt er und nennt als Grund: „Weil Franzi Aller dort mitspielt.“

          Ohne Corona hätten Moses Yoofee und das Nonett Wanubalé im Frühjahr auf der Atelierfrankfurt-Bühne gastiert, nun kommen sie wenigstens ins Studio. Um die zehnstündige, vom Frankfurter Filmemacher Sabri Noor produzierte Übertragung zu bereichern, werden zwischendurch bislang unveröffentlichte Aufzeichnungen früherer Studiosessions, Videos von Konzerten des vergangenen Jahres sowie Live-Gespräche gesendet.

          „Wir hoffen natürlich auch auf einen gewissen Werbeeffekt in Richtung neue Vereinsmitglieder und Unterstützer“, gibt Steinmark zu. Immerhin seien die Herstellung von 500 Vinylplatten und die Gründung des Labels eine finanzielle Herausforderung. Zunächst freuen sich aber beide auf den Marathon, der aus der Corona-Not eine Tugend mache. „In jeden Fall schafft unser Studiostream einen Mehrwert, denn – anders als zum Konzert – wäre auch ohne das Virus niemand ins Studio reingekommen.“

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