https://www.faz.net/-gzg-bjt

Islamisten in Frankfurt : Der Nährboden

  • -Aktualisiert am

Unscheinbar: Die Falah Moschee im Frankfurter Stadtteil Ginnheim Bild: Foto - F.A.Z. Wolfgang Eilmes

Der Frankfurter Arid U., der am Flughafen zwei amerikanische Soldaten tötete, soll durch islamistische Hasspredigten radikalisiert worden sein. Es gibt lose Verbindungen in die Frankfurter Szene. Die gilt auch bundesweit als wichtiger Treffpunkt radikaler Muslime.

          Still ist es an diesem Morgen im Bad Homburger Stadtteil Ober-Eschbach. Es ist gegen zehn, als die jungen Männer in der Albin-Göhring-Halle eintreffen. Der marokkanische Moscheeverein hat den in die Jahre gekommenen Bau aus den Siebzigern für ein Fußballturnier gemietet. Die jungen Männer kicken sich warm. Gegen Mittag soll es ein gemeinsames Essen geben. Es dauert nicht lange, bis sie bemerken, dass auf der Tribüne ein Berichterstatter dieser Zeitung steht. Und als sie es bemerken, kommt ein Vorstandsmitglied des Vereins auf ihn zu: „Das ist eine Privatveranstaltung, Sie haben keine Einladung, bitte gehen Sie“, sagt er. „Wir haben mit dem Dschihad nichts zu tun.“ Die Stadt Bad Homburg, die die Halle vermietet, wird später sagen, in dem Gebäude sei nichts Auffälliges passiert. Warum werden Besucher dann ausgeschlossen?

          Organisiert hat das Fußballturnier „DawaFfm“. Ein mittlerweile bundesweit bekannter Verein mit Sitz in Frankfurt, dessen Leitfigur der umstrittene Prediger Abdellatif ist. Wochen vor der Sportveranstaltung hat „Dawa“ noch auf seiner Internetseite für die Teilnahme an dem Turnier geworben. Kurz darauf war der Eintrag gelöscht. Das war unmittelbar nachdem am 22. Februar Polizisten an Abdellatifs Haustür klingelten mit einem Durchsuchungsbefehl. An diesem Tag nahmen die Beamten Abdellatif fest. Seitdem ist der Verein „Dawa“ vorsichtig geworden. Treffen finden konspirativ statt. So wie an diesem Wochenende das „Islam-Seminar“, zu dem „Dawa“ eingeladen hat.

          „Von einer belebten Moschee zu einem Altersheim“

          Der 39 Jahre alte Marokkaner Abdellatif gilt als „islamistische Führungsfigur“ mit bundesweiter Bedeutung. Im Internet tritt er als Prediger auf. Die Polizei ermittelt gegen ihn wegen der „Anwerbung für militärische Zwecke“. Heißt: Ausbildung in einem Terrorcamp. Abdellatif spricht gern über die Unzucht und über die Gesellschaft der Gläubigen. In einem jüngeren Videoclip referiert er auch über seine Festnahme und bezeichnet das, was bisher darüber gesagt und geschrieben wurde, als Lüge. Er spricht langsam, mit sanfter Stimme. Besonders junge Muslime sind von dem Mann mit dem Kinnbart und der weißen Kappe angetan.

          Früher ist Abdellatif in der Bilal-Moschee in Griesheim aufgetreten. Dort wollte man ihn jedoch nicht mehr, nachdem die Stadt Frankfurt dem Moscheevorstand dargelegt hatte, wen sie dort predigen lassen. Also fand Abdellatif in der Ginnheimer Falah-Moschee einen neuen Ort. Es heißt, seitdem sei die Einrichtung in Griesheim „von einer belebten Moschee zu einem Altersheim“ geworden. Die ganzen jungen Besucher nahm Abdellatif mit.

          Das neue Domizil des Predigers liegt im Erdgeschoss eines Wohnhauses. Die Scheiben sind mit grüner Folie beklebt. Auf einem Schild steht: „Keine Schuhe auf der Treppe“. In einem kleinen Gebetsraum gibt der Marokkaner Unterricht. Er wird dabei unterstützt von Abu Bilal, einem ehemaligen Polizisten, der früher Roman Reinders hieß.

          mmmmm

          Weitere Themen

          Kölner Polizei setzt Islamisten fest

          Razzia im Morgengrauen : Kölner Polizei setzt Islamisten fest

          Womöglich hat die Kölner Polizei mit ihrer Razzia einen islamistischen Anschlag verhindert. Einer der Männer plante nach eigenen Worten „den Aufstieg in die höchste Stufe des muslimischen Glaubens“. Die Ergebnisse der Durchsuchungen geben Anlass zu erhöhter Vorsicht.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.