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Ironman in Frankfurt : 226 Kilometer Vollgas unter Corona-Auflagen

  • -Aktualisiert am

Im Tunnel: Der Skyline können die Athleten keine Beachtung schenken. Bild: Lakuntza, Nerea

Nach zwei Jahren ist der Ironman zurück in Frankfurt. Trotz der Einschränkungen wird an der Strecke kräftig angefeuert und gefeiert.

          3 Min.

          Zwei Jahre hätten ihre Männer jetzt gewartet, sagen Susanne Wittmann und Kathy Biendl. Die beiden stehen am Mainufer, unterhalb des Römerberges, in der prallen Sonne bei etwa 30 Grad. Zum Anfeuern haben sie sich extra T-Shirts machen lassen. Ihre Männer wollten eigentlich vergangenes Jahr nach Frankfurt, um an dem Triathlon Ironman teilzunehmen – doch der fiel aufgrund der Pandemie aus, das Training der Athleten war nutzlos. „Da war die Stimmung schon depri“, sagt Wittmann. Biendl fügt hinzu: „Da haben wir auch gelitten.“ Doch jetzt ist das Warten vorbei, ihre Männer nehmen am Ironman teil – der in diesem Jahr nur unter Einschränkungen stattfindet.

          Mehrere Tausend Athleten treten normalerweise beim Ironman in Frankfurt an. Auch diesmal lagen vor den Profis und Amateuren 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen. Geschwommen wurde im Langener Waldsee, die Radstrecke führte durch Frankfurt, Schöneck, Nidderau, Altenstadt und wieder zurück, gelaufen wurde am Main entlang – mit Skylineblick. Wegen Corona war die übliche Route leicht verändert worden, um Publikumsansammlungen zu vermeiden.

          „Möge die Kraft in dir sein“

          Bereits gegen halb sieben stiegen die ersten Athleten ins Wasser. Die Rennleitung hatte den Start nach hinten verschoben, da einige Busse zu spät dran waren. Zu früh war der Start für manche Zuschauer aber nicht. „Es war richtig schön, mit dem Sonnenaufgang zu starten“, sagt Fabienne Notalello. Sie haben ein Schild dabei, auf dem der Marvel-Superheld „Ironman“ zu sehen ist. Schon in der Nacht seien sie in Düsseldorf losgefahren, um ihren Bruder Gianluca zu unterstützen, er nimmt zum ersten Mal beim Ironman teil. „Es ist mega, bei diesem Event dabei zu sein“, sagt die Zuschauerin Sofia Contino, die mit Notalello in einer Gruppe ist. „Und gerade für die Athleten, die zum ersten Mal dabei sind, ist die Unterstützung besonders wichtig.“

          Am Ende: Der Sieger Patrik Nilsson (links) und der Zweite Kristian Høgenhaug sind auf dem Römerberg am Ziel. Bilderstrecke
          Ironman in Frankfurt : Vollgas unter Auflagen

          Um Gianluca anfeuern zu können, haben sie sich extra VIP-Pässe gekauft. Eigentlich findet der Ironman diesmal wegen der Corona-Pandemie ohne Zuschauer statt. Nur registrierte Angehörige haben Zutritt zu abgesperrten Bereichen, es herrscht Maskenpflicht und Abstandsgebot. Auch die Teilnehmerzahl bei den Athleten ist auf 1500 begrenzt. Das Ziel am Römer, das in früheren Jahren mehrere Tausend Zuschauer anzog, ist diesmal sogar mit einem Sichtschutz abgedeckt, um spontane Schaulustige fernzuhalten. Das funktioniert allerdings nur zum Teil: Im Laufe des Tages kommen immer mehr Menschen an die Strecke, wenn auch weniger als in früheren Jahren.

          Auch die Musikbühnen und Partys, die es normalerweise beim Ironman gibt, fehlen, dafür läuft Musik aus einer Lautsprecheranlage. Am Mainufer, wo die Athleten direkt vorbeilaufen, hängen Plakate mit Sprüchen wie „Möge die Kraft in dir sein“, Personen mit VIP-Zugang machen Fotos von sich, wie sie auf die Ziellinie zulaufen. Immer wieder brandet Jubel auf, für jeden Athleten wird applaudiert. Besonders nach der zweiten Wechselzone, wo die Sportler von Rad zum Marathon wechseln, stehen die Zuschauer Spalier.

          Nach gut acht Stunden über die Ziellinie

          An der Wechselzone stehen auch Karin und Gerhard Kemmerer, allerdings als Helfer. Sie müssen genau darauf achten, dass die Räder ordentlich abgegeben werden und der Start als Läufer regelkonform abläuft. Und natürlich muss alles so schnell wie möglich gehen, schließlich will keiner der Athleten hier Zeit verlieren. „Da ist man kaputt am Abend“, sagt Karin Kemmerer. „Aber es ist schon immer wieder schön, die Burschen zu sehen und sie vielleicht auch mal ein bisschen aufzumuntern“, sagt Gerhard Kemmerer. Sie verfolgen den Ironman schon seit Jahren. Wie das vergangene Jahr war, ohne Ironman? „Öd“, sagt Gerhard Kemmerer.

          Für die Athleten ist der Wettkampf ein besonderes Ereignis. Viele von ihnen trainieren ein ganzes Jahr oder stellen ihre Ernährung um. Silvio Sudero hat das bereits zweimal gemacht, in den Jahren 2000 und 2006 ist er selbst in Frankfurt mitgelaufen. Heute ist er als Zuschauer dabei. „Dieser Spirit, die Distanz und der Kult machen den Ironman aus. Wenn man es selbst mal gemacht hat, ist man immer hin- und hergerissen, ob man nicht wieder mal soll. Andererseits tut es schon immer weh am Ende“, sagt er.

          Nach siebenStunden, 59 Minuten und 18 Sekunden überquert der Schwede Patrik Nilsson als Erster die Ziellinie. Viele weitere Sportler werden in den Stunden danach noch folgen. Und jeder von ihnen wird laut bejubelt von den Zuschauern, die sich an die Werbebanden drängen und auf der Tribüne stehen. Sie haben schließlich alle lang genug darauf gewartet.

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