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Bauplanung : Investoren sollen Theaterspielstätte auf Naxos-Areal bauen

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Die Naxoshalle auf dem früheren Fabrikgelände Bild: F.A.Z. - Eilmes

Der Magistrat hat einen Rahmenplan für die Neubebauung des Naxos-Areals im Frankfurter Ostend vorgelegt. Demnach sollen nicht nur Wohnungen enstehen, sondern auch ein neues Theater und eine Kindertagesstätte.

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          Bei der geplanten Neubebauung des Naxos-Areals im Ostend werden die Bäume entlang der Wingertstraße und die Grünfläche an der Waldschmidtstraße erhalten werden. Das geht aus dem städtebaulichen Rahmenplan hervor, den der Magistrat beschlossen hat und der jetzt den Stadtverordneten vorliegt. Entlang von Wingertstraße und Waldschmidtstraße sollen fast nur Wohngebäude entstehen. Die schon seit langem geplante Spielstätte für das Freie Schauspiel Ensemble und andere Theatergruppen wird wohl an der Ecke von Wittelsbacherallee und Wingertstraße liegen. Das ursprüngliche Konzept, die Räume des Theaters schräg gegenüber vom Mousonturm am Standort des früheren Kantinengebäudes unterzubringen, sind verworfen worden: Die Fläche dieses Grundstücksteils erwies sich als zu klein.

          Wie Liegenschaftsamtsleiter Alfred Gangel auf Anfrage mitteilte, ergibt sich aus dem Plan, dass um die denkmalgeschützte Halle herum Neubauten mit einer Fläche von etwa 20.000 Quadratmetern zulässig sind. Im vorigen Herbst, als sich die beteiligten Ämter auf ein erstes Konzept geeinigt hatten, war noch von 25.000 Quadratmetern die Rede gewesen. Die Stadt hatte das Areal vor einem Jahr für rund 20,5 Millionen Euro erworben, Gangel schätzt die Einnahmen aus dem Grundstückverkauf auf rund zehn Millionen Euro. Trotz der Differenz handelt es sich für die Stadt nicht um ein Zuschussgeschäft: Da der ehemalige Besitzer Josef Buchmann den 2010 auslaufenden Mietvertrag für das 21.000 Quadratmeter große Areal einseitig um zehn Jahre hätte verlängern können, hätten die Mietzahlungen der Stadt annähernd den dann gezahlten Kaufpreis entsprochen.

          „Rockkonzerte werden da nicht stattfinden“

          Die Naxoshalle selbst ist derzeit von der Stadt an den Reinigungsunternehmer Claus Wisser vermietet, der Vertrag läuft noch rund vier Jahre. Wisser nutzt die Halle als Lager, ein Drittel der Fläche hat er an das Theater Willy Praml untervermietet. Der Mietvertrag zwischen Wisser und der Stadt ist im Zusammenhang mit dem Neubau des städtischen Ordnungsamts im Gallusviertel entstanden, der auf einem Areal entsteht, das früher Wisser gehörte.

          Wie Gangel mitteilte, hat Wisser jetzt den Wunsch geäußert, die Naxoshalle aufzuwerten, um sie für verschiedene Events nutzen zu können. „Wir wären bereit, die Mietzahlungen Wissers in Investitionen umzuwandeln“, äußerte Gangel. Derzeit werde vom Architektenbüro Schneider + Schumacher eine Machbarkeitsstudie für die Halle erarbeitet, die aber noch nicht vorliege. Mit Blick auf die geplanten Wohnungen in der Umgebung seien die Möglichkeiten begrenzt. „Rockkonzerte werden da nicht stattfinden können“, sagte der Liegenschaftsamtsleiter. Ähnlich hatte sich schon Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) geäußert.

          Öffentliche Nutzung

          Die Tiefe der geplanten Wohngebäude entlang der Wingertstraße ist nach vorne mit Rücksicht auf die Bäume und nach hinten mit Blick auf mögliche spätere Umnutzungen der Naxoshalle begrenzt. Die Bebauung ist so zu planen, dass künftige Bewohner keinen Rechtsanspruch darauf haben, wegen einer Verschattung von Wohnräumen die Platanen beschneiden oder gar fällen zu lassen. Die Häuser an der Wingertstraße können vier Voll- und zwei Staffelgeschosse hoch werden.

          Für den Solitär an der Waldschmidtstraße sind sechs Geschosse vorgesehen. Im Rahmenplan wird eine Wohnnutzung festgelegt, in den unteren beiden Geschossen könnte ein Restaurant oder eine Kultureinrichtung untergebracht werden. Die Bestrebungen von Bauaufsicht und Planungsamt, die gemeinsam mit dem Liegenschaftsamt am Rahmenplan beteiligt waren, gehen aber offenbar dahin, die öffentlichen Nutzungen an der Wittelsbacherallee zu konzentrieren. Das betrifft vor allem die geplante Theaterspielstätte und auch Räume für das Ensemble Modern, das Gangel gern an dieser Stelle sähe. Auch die Kindertagesstätte könnte hier integriert werden. Die oberen Geschosse wären für Wohnungen reserviert.

          Für eine Kindertagesstätte

          Die Altbauten an der Wittelsbacherallee sollen erhalten werden – wie von Planungsdezernent Schwarz gewünscht. In diesen Gebäuden, die nicht unter Denkmalschutz stehen, waren während des „Dritten Reichs“ Zwangsarbeiter tätig. Derzeit ist dort ein Trödelmarkt. Die alte Bausubstanz könnte in einen großen Neubau integriert werden. Dieser soll an der Ecke Wittelsbacheralle und Wingertstraße einen architektonischen Akzent erhalten, um dem Bogen, den die Straße an dieser Stelle beschreibt, nachträglich einen Sinn zu geben.

          In der Magistratsvorlage sind außer dem Rahmenplan auch Vorgaben für die Veräußerung des Areals formuliert. Demnach sollen sich Investoren mit einem architektonischen Konzept bewerben. „Einen gesonderten Architektenwettbewerb wird es dann nicht mehr geben“, sagte Gangel. Die Investoren müssen sicherstellen, dass jeweils ein Drittel der Wohnfläche als Miet-, Eigentums- und Genossenschaftswohnungen ausgelegt ist. Dabei ist gemäß dem Willen der Stadtverordneten vorgeschrieben, dass die Wohnungen im Passivhausstandard errichtet werden.

          Die Investoren müssen sich laut Vorlage zudem bereiterklären, eine Kindertagesstätte und die neue Theaterspielstätte zu errichten. Gangel sagte, die Stadt wolle die Fläche dann mieten. Es bleibe den Investoren überlassen, ob sie von Anfang an in einer Bietergemeinschaft aufträten oder sich erst nach dem Erwerb Partner suchten. Der Liegenschaftsamtsleiter rechnet damit, dass sich auf die Ausschreibung nur relativ wenige Investoren melden werden. Denn es gebe nur wenige Genossenschaften, die für jenen Wohnungsanteil in Frage kämen.

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