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Interview : „Uns wird immer noch Sand ins Getriebe geworfen“

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„Wer das Nachtflugverbot relativiert, stellt den Ausbau selbst in Frage”: Wilhelm Bender Bild: F.A.Z. - Frank Röth

Ausbau ist Aufbau: Flughafen-Chef Wilhelm Bender steht zum Nachtflugverbot und hat keine Bedenken, von einem Grünen-Politiker kontrolliert zu werden.

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          Ausbau ist Aufbau: Flughafen-Chef Wilhelm Bender steht zum Nachtflugverbot und hat keine Bedenken, von einem Grünen-Politiker kontrolliert zu werden.

          Sie haben stets die Entwicklung des Frankfurter Flughafens wie der Luftverkehrsbranche überhaupt unter den Vorbehalt gestellt, daß es zu keinen neuen Anschlägen wie am 11. September 2001 kommt. Wie hoch schätzen Sie nach der Terrorwarnung von London die Gefahr ein?

          Wie wir jetzt gesehen haben, ist diese Gefahr nie auszuschließen. Aber ich schätze sie aufgrund der Erkenntnisse in Großbritannien nicht höher ein als zuvor. Gerade London zeigt doch, daß die Sicherheitsbehörden heute sehr viel weiter in ihrem Bemühen sind, in terroristische Kreise einzudringen.

          „Wir haben schnell auf die Terrorgefahr reagiert”

          War die Reaktion in London überzogen?

          Nein, man muß solche Erkenntnisse auf jeden Fall sehr ernst nehmen. Niemand in der Luftfahrtindustrie wird sich gegen sinnvolle Maßnahmen zur Terrorprävention wehren, aber es darf auch nicht in Aktionismus ausarten. In dieser Überzeugung stimmen wir in der Initiative Luftverkehr mit Innenminister Schäuble und der EU-Kommission überein.

          Der Phantasie des Terrorismus scheinen keine Grenzen gesetzt. Wie schnell können die Sicherheitseinrichtungen auf dem Frankfurter Flughafen auf neue Bedrohungen, wie jetzt offenbar durch Flüssigsprengstoff, reagieren?

          Wir haben schon schnell reagiert. Es ist für die Sicherheitskräfte ja nicht neu, daß es Flüssigsprengstoff gibt. Neu war nur, daß kranke Hirne offenbar auf die Idee gekommen sind, diese chemischen Möglichkeiten für ihre Zwecke zu mißbrauchen.

          Fraport ist ein Gewinner der Fußball-WM. Die Rekordzahlen bei den Passagieren interpretieren Gegner eines Ausbaus des Frankfurter Flughafens aber dahin gehend, das bestehende System stoße durchaus noch nicht an die Kapazitätsgrenze.

          Wir haben während des ersten Halbjahres Verkehrssteigerungen von 1,3 Prozent. Das ist weit unter Marktdurchschnitt und weit unter der Nachfrage der Fluggesellschaften bei uns. Die jüngsten Zahlen sind also überhaupt kein Beleg dafür, das bestehende System könnte weiter gedehnt werden. Der A380 wird zwar eine Antwort auf die Probleme sein, die wir haben. Dennoch: Jede Zwischenbilanz belegt aufs neue, wie notwendig der Ausbau ist.

          Aber die Bedarfsprognose als Grundlage des Ausbau-Antrags mußte auf Geheiß des Wirtschaftsministeriums überarbeitet werden.

          Salopp gesagt: Wenn die Verfahren in Deutschland noch länger dauern, wird die jetzt auf die Perspektive 2020 angelegte Prognose auch nicht mehr aktuell sein. Wir waren ursprünglich davon ausgegangen, daß mit der Genehmigung wesentlich früher zu rechnen sei. Der Prognose-Horizont 2015 war auch von den Behörden akzeptiert. Das ist jetzt gar kein Vorwurf, ich halte es für richtig, daß wir eine neue Studie mit Blick auf 2020 vorlegen. Aber die Gegner des Ausbaus können keinen Vorteil daraus ziehen. Im Gegenteil: Es wird noch einmal eindrucksvoll bestätigt, wie auch in den fünf folgenden Jahren die Nachfrage weiter steigt.

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