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Tagung zu Onlinesucht : Das Internet als Droge

  • -Aktualisiert am

Nur noch schnell schauen, was los ist: Viele Jugendliche verbringen zu viel Zeit im Internet - bei einigen ist es krankhaft. Bild: dpa

Facebook, Instagram, Whatsapp: Viele Menschen sind nahezu dauerhaft online. Fachleute in Frankfurt tagten nun darüber, was sich tun lässt, wenn das Internet zur Sucht wird.

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          Ohne Internet geht heute fast gar nichts mehr. Immer mehr Menschen verbringen aber zu viel Zeit mit Smartphone, Tablet oder Computer und gelten als internetsüchtig. 160 Fachleute haben in dieser Woche in Frankfurt auf einer Tagung zu Online-Sucht und exzessivem Medienkonsum darüber beraten, wie man eine Abhängigkeit rechtzeitig verhindern oder therapieren kann.

          Eine Online-Sucht habe ebenso schwere Auswirkungen auf die Betroffenen wie eine Alkoholsucht, sagte Barbara Voß, Leiterin der Techniker-Krankenkasse in Hessen. Die Therapie sei aber nicht die gleiche: „Abstinenz von den neuen Medien ist aus unserer Sicht kein belastbares Lebensmodell.“ Die Kasse hatte die Tagung gemeinsam mit der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen organisiert.

          „Der ständige Zugang zum Internet über Smartphones und Tabletcomputer verändert alle zwischenmenschlichen Beziehungen“, berichtete der Leiter der Landesstelle, Wolfgang Schmidt-Rosengarten. Die Internetsucht sei in den vergangenen Jahren immer häufiger geworden. Oft kämen zusätzliche Krankheiten dazu, etwa Persönlichkeitsstörungen.

          2,5 Millionen Gefährdete

          560.000 Menschen gelten Experten zufolge in Deutschland als internetsüchtig, zweieinhalb Millionen Internetnutzer werden als gefährdet eingestuft. Betroffene Frauen verbringen zu viel Zeit in sozialen Netzwerken, Männer eher mit Computerspielen.

          Dong-Seon Chang vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen erklärte in einem unterhaltsamen Referat das Zusammenwirken des menschlichen Gehirns mit den Reizen der Internetnutzung. Letztlich drehe sich alles um Belohnung und jede Interaktion mit Menschen stimuliere das Belohnungszentrum im Gehirn. Soziale Netzwerke machen uns glücklich - allerdings vielmehr die realen als die virtuellen. Online-Netzwerke kompensierten oft fehlende zwischenmenschliche Kontakte.

          Online-Portal für Selbsttest

          Um das Internet sinnvoll zu nutzen, müsse man schon mit Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit den neuen Medien üben, sagte Voß. Die junge Generation sei besonders gefährdet. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat deshalb die Website www.ins-netz-gehen.de eingerichtet, die sich an junge Internetnutzer richtet. Dort gibt es unter anderem einen einfachen Selbsttest zur Computerspiel- und Internetsucht.

          Gegen die Krankheit - sei es Soziale-Netzwerk-Sucht, Online-Sexsucht, Online-Kaufsucht oder Online-Glücksspielsucht - könnten sowohl verhaltenstherapeutische Methoden als auch Gruppentherapien oder die Gabe von Antidepressiva helfen, erklärte Andreas Gohlke von der Universitätsklinik Mainz. Die Fachtagung war eine sogenannte Cloud Conference, die Teilnehmer konnten über ihre Smartphones Fragen stellen und Kommentare abgeben. Die Frage aus dem Publikum, ob man denn ganz konventionell klatschen dürfe nach den Referaten, wurde von Schmidt-Rosengarten mit dem Hinweis bejaht, dass jede analoge Betätigung willkommen sei.

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