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Integration von Geflüchteten : Nur relativ erfolgreich

In Hessen brechen 10,3 Prozent der ausländischen Schüler den Schulbesuch ohne Abschluss ab. Bundesweit ist die Zahl doppelt so hoch. Bild: dpa

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier freut sich über gelungene Integrationsmaßnahmen von Flüchtlingen. Doch nur weil die Lage etwas besser ist, ist sie noch nicht gut.

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          Als Hesse lauscht man immer mit Bangen, wenn wieder eine vergleichende Bildungsstatistik veröffentlicht wird. Mehr als ein Platz im Mittelfeld ist nicht zu erwarten. Auf einem Gebiet allerdings belegt das Bundesland laut jüngsten Zahlen einen Spitzenplatz: 10,3 Prozent der ausländischen Schüler brechen den Schulbesuch ohne Abschluss ab, der Bundesschnitt liegt aber fast doppelt so hoch. Es ist verständlich, dass Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sich mit diesem Erfolg schmückt, auch wenn er relativ ist: Wenn jeder zehnte Ausländer ohne Abschluss bleibt, ist das immer noch sehr unbefriedigend.

          Ähnlich ambivalent sind die Zahlen, die der Ministerpräsident gestern präsentierte, um den Stand der Integrationsbemühungen für Flüchtlinge zu beschreiben. Dass von 70.000 Kindern und Jugendlichen, die seit 2015 nach Hessen kamen und kein Wort Deutsch sprachen, 40.000 inzwischen in eine Regelklasse wechseln konnten, ist beachtlich. Aber es bleibt die Frage, was mit den übrigen 30.000 ist. Wie viele hoffnungslose Fälle sind darunter? Und wie geht man mit ihnen um?

          Bouffier ist klug genug, von Erfolgen zu sprechen, zugleich aber darauf hinzuweisen, dass „die Wege noch weit sind“. Das gilt offenkundig auch für die Lage auf dem Arbeitsmarkt, wie schon die Empirie des Alltags lehrt: Ein Unternehmer hat ermutigende Erfahrungen mit Geflüchteten als Mitarbeitern gemacht, ein anderer frustrierende. Und ein dritter berichtet von einem in der Praxis hochbegabten und hochmotivierten Auszubildenden, der aber mangels Sprachtalent an den Prüfungen in der Berufsschule scheitert.

          Wenn der Chef der Arbeitsagentur sagt, die Integration von Flüchtlingen in Arbeits- oder Ausbildungsverhältnisse sei insgesamt schneller gelaufen als prognostiziert, tröstet das nicht über die Tatsache hinweg, dass knapp die Hälfte der in Frage kommenden 45.000 Männer und Frauen keine Beschäftigung haben. Wie viele von ihnen haben sich redlich bemüht? Und wie viele nicht? Auch wenn die schwarz-grüne Landesregierung um des Koalitionsfriedens willen das unangenehme Thema umschifft: Es gibt eine ungeregelte Migration in das hiesige Sozialsystem, für die das Asylrecht missbraucht wird. Wenn die Politik schon nicht die Kraft für Abschiebungen von nicht Schutzbedürftigen findet, muss sie andere Wege finden, dass es den Faulen unter ihnen nicht leichtgemacht wird.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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