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Innovationspreis : Mars macht mobil

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An einem solchen Tag greift einer wie Ulf Merbold selbstredend zu den Sternen. Die Reise von Menschen zum Mars? Das sei die Herausforderung des 21. Jahrhunderts schlechthin, sagt der erste Astronaut der Bundesrepublik, "jetzt ist die Zeit gekommen, so etwas zu unternehmen".

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          An einem solchen Tag greift einer wie Ulf Merbold selbstredend zu den Sternen. Die Reise von Menschen zum Mars? Das sei die Herausforderung des 21. Jahrhunderts schlechthin, sagt der erste Astronaut der Bundesrepublik, "jetzt ist die Zeit gekommen, so etwas zu unternehmen". Und schwärmt im Foyer der Alten Oper davon, wie die Altvorderen die Menschheit vorangebracht haben, als sie sich in unerforschtes Terrain vorwagten und etwa auf Berge kletterten oder durch Wüsten liefen. Geradezu zwangsläufig mithin Merbolds Frage: "Warum sollten wir anhalten?"

          Solcherlei Zuversicht ist genau die richtige Haltung an diesem Samstag, an dem der Wirtschaftsclub Rhein-Main und die Zeitschrift "Wirtschaftswoche" zum 24.Mal in festlichem Rahmen den "Innovationspreis der deutschen Wirtschaft" vergeben und auch Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD), wenn sie von Innovationen spricht, als erstes einfällt, daß die europäische Raumfahrtbehörde am Freitag von Eis auf dem roten Planeten berichtete. Mars macht mithin mobil an diesem Abend, und die Unternehmer, die die SPD wahrscheinlich bei einer spontanen Wahl am Ausgang an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern ließen, nicken anerkennend bei der Rede der Ministerin, die angesichts der Erfolge in 56 Millionen Kilometern Entfernung generell mehr Fortschrittsoptimismus verlangt ("Wir müssen erst die Chancen sehen und dann die Risiken betrachten") und den Amerikanern im Standortwettbewerb allenfalls noch zugestehen mag, sie könnten ihre Erfolge besser darstellen. Schließlich darf Bulmahn dem aufgeschlossenen Publikum sogar ungestraft berichten, die Regierung habe sich längst an das Entrümpeln von Gesetzen gemacht, um Investitionen zu erleichtern - 2003 hatten ihr die Damen und Herren in Ballkleid und Smoking noch mit Buhrufen quittiert, daß sie ihr das keineswegs abnehmen.

          Die Innovationspreise gehen dann aber doch nicht etwa an Unternehmen, die schon Pläne für eine Restaurantkette auf dem Mars haben oder aus dem roten Staub dort Gold machen können, sondern etwa an die Nawotec GmbH aus Roßdorf bei Darmstadt, die sich nicht etwa um die Weiten des Weltalls, sondern ganz im Gegenteil um den Mikrokosmos kümmert, indem sie etwa ein Reparaturgerät entwickelte, mit dem Masken ausgebessert werden können, die zur Herstellung von Computerchips dienen.

          Das ist eine Arbeit, bei der es auf Millionstel von Millimetern ankommt, doch ist der Apparat der Roßdorfer so exakt, daß das Unternehmen die ganz großen Unternehmen der Halbleiterindustrie als Kunden gewinnen will. 30 Mitarbeiter hat die GmbH, die 1999 von der Deutschen Telekom ausgegründet wurde, schon jetzt; an diesem Abend erhält sie den von der Kreditanstalt für Wiederaufbau ausgelobten Preis für das innovativste Jungunternehmen. Die beiden anderen Preise bekommen die Schollglas GmbH aus Isernhagen für ein Eisenbahn-Fensterglas, das sich bei einem Unfall zwecks Rettung der Verletzten herausdrücken läßt, ohne zu splittern, und BMW für eine hochmoderne Fahrzeuglenkung, die das Verreißen des Autos beim Rasen verhindert.

          Ganz ohne Kritik kommt Bulmahn dann aber doch nicht davon. Denn auf die Frage des Moderators an den Schollglas-Chef, ob er denn für sein Unternehmen auch Fördermittel vom Staat erhalten habe, entgegnet der spitz, die hätte er nur zu gerne genommen, aber es habe mit der Entwicklung der neuen Technik halt schnell gehen müssen. Ernst ist die Replik der Ministerin, die ihm vorrechnet, daß es im Durchschnitt gerade einmal nur drei Monate dauere, bis solche Beträge bewilligt seien. Aber schneller ist die Antwort des Publikums, in dem mancher auch schon so seine Erfahrungen mit den Förderinstrumenten von Bund und Ländern gemacht haben dürfte. Lautes Lachen an den Tischen, während Bulmahn noch nach Worten sucht: Die Erde hat sie wieder. MANFRED KÖHLER

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