https://www.faz.net/-gzg-add81

Ingrid zu Solms-Stiftung : Preise für Kampf um Frauenrechte

Verleihung der Menschenrechtspreise der Ingrid-zu-Solms Stiftung, 2020 an die afghanische Bürgermeisterin Zarifa Ghafari (auf der Leinwand), unten in der Mitte Ingrid Gräfin zu Solms-Wildenfels. Bild: Frank Röth

Ingrid zu Solms-Stiftung zeichnet die afghanische Bürgermeisterin Zarifa Ghafari sowie die Initiative „Migrantinnen für Säkularität und Selbstbestimmung“ aus.

          1 Min.

          Zarifa Ghafari sitzt aufrecht vor einer Kamera in Dubai, sie blickt aufmerksam und konzentriert von einer großen Leinwand auf die in Frankfurt versammelten Zuschauer, die zur Verleihung des Menschenrechtspreises 2020 der Ingrid zu Solms-Stiftung an die mutige Afghanin gekommen sind. Eine Stunde wird sie so sitzen, viele der bewundernden Worte für sie gar nicht verstehen und dennoch hoch konzentriert bleiben. Dann schreibt sie auf Englisch im Chatprogramm auf der Leinwand: „Ich wünschte, mein Vater könnte das erleben.“ Ihr Vater, der ihr eine Schulbildung in Afghanistan und ein Studium in Indien ermöglicht hatte, war im November 2020 von den Taliban ermordet worden.

          Monika Ganster
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ghafari ist als eine der wenigen Politikerinnen ihres Landes bekannt geworden, weil sie 2018 Bürgermeisterin der Stadt Maidan Shar geworden ist. Nicht durch eine Wahl, sondern weil sie die beste Bewerberin für das Verwaltungsamt war. Seitdem muss sich die 29 Jahre alte Frau gegen massive Widerstände behaupten, aber setzt sich erfolgreich für Schulen, Müllbeseitigung und einen Markt nur für Frauen ein.

          Susanne Schröter, Direktorin des Forschungszentrums Globaler Islam an der Goethe-Universität, hielt die Laudationes auf die Preisträgerinnen, auf die mutige Bürgermeisterin Ghafari und die „Migrantinnen für Säkularität und Selbstbestimmung“, die den Preis für 2021 erhielten. Schröter bezeichnet diese Gruppe als „Keimzelle einer Bewegung, die das Land dringend braucht“. Deren wichtige Aufklärungsarbeit zu patriarchalen und islamistischen Strukturen widme sich auch Themen wie dem Jungfrauenkult und Kinderehen. Ingrid Gräfin zu Solms-Wildenfels ergänzte, dass es dabei auch um die Frage gehe, welche Rechte Frauen aus muslimischen Ländern hier in Deutschland ausleben könnten.

          Mit ihrer Stiftung zeichnet sie seit 1993 „Frauen mit Elitepotential“ aus verschiedenen Disziplinen aus. Den mit 5000 Euro dotierten Preis nahmen Naïla Chikhi und Fatma Keser entgegen, die ihre politische Aufklärungsarbeit über Workshops in Schulen und eine Beratungsstelle betreiben wollen. In ihrer Dankesrede würdigte Chikhi Ingrid Gräfin zu Solms-Wildenfels als eine „universalistische Feministin, die souverän, kühn und weitsichtig“ immer wieder Frauen auszeichne, die die Debattenkultur voranbrächten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mahnwache: Passanten gedenken am 6. September 2020 der Opfer, die bei dem Unfall an der Berliner Invalidenstraße ums Leben kamen.

          SUV-Fahrer vor Gericht : War die Tragödie vermeidbar?

          Der SUV-Fahrer, der in Berlin durch einen epileptischen Anfall einen Unfall mit vier Toten verursacht hat, will keine Fehler gemacht haben. Doch die Anwälte der Angehörigen sind empört.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.