https://www.faz.net/-gzg-9qt0m

Frankfurts Luxusimmobilien : Käufer aus aller Herren Ländern

  • -Aktualisiert am

Denkmal: Die ehemalige Oberpostdirektion wird entkernt und umgebaut. Bild: Michael Kretzer

Bis zu 13.000 Euro pro Quadratmeter sind sicherlich nicht für jeden erschwinglich. Dennoch sind Frankfurts Luxusimmobilien derzeit sehr gefragt.

          3 Min.

          Edyta Wünsch steht auf dem Dach der ehemaligen Oberpostdirektion an der Ludwig-Erhard-Anlage und schaut in die Tiefe. Etwa 20 Meter unter ihr sägen Bauarbeiter Metallrohre zurecht, Staub und Lärm dringen nach oben, so dass die Ingenieurin die Stimme heben muss, um zu erklären, was dort momentan passiert: „Zwei zusätzliche Geschosse werden aufgesetzt. Die Bewohner können hier in Zukunft auf der Dachterrasse entspannen, blickgeschützt und mit der Skyline im Panorama.“ Wünsch, die in Stettin studiert hat und heute ein Heidelberger Ingenieurbüro leitet, ist mit dem Umbau des Gebäudes aus dem Jahr 1907 beauftragt.

          Schon im Sommer 2020 sollen die 164 neuen Wohnungen bezugsfertig sein. In dem neobarocken Gebäude, in dem mehr als hundert Jahre die Post respektive die Postbank eine Niederlassung hatte, wird bald gewohnt anstatt gearbeitet – 8500 bis 13.000 Euro kostet der Quadratmeter im Luxus-Bauprojekt „Grand Ouest“, dem Großen Westen.

          2015 hatte die CGGruppe die Liegenschaft erworben. Laut Till Diekmann, dem hiesigen Standortleiter des Berliner Immobilienunternehmens, gehörte sie zuvor dem ehemaligen Konkurrenten Prime Office. Dieses Unternehmen, das wenig später mit anderen Immobilienentwicklern fusionierte, habe die Fläche im Stadtteil Westend der Post abgekauft. „Das Areal war schon lange gefragt“, sagt Diekmann. Denn die Post nutzte das von Ernst Hake entworfene Haus nur noch teilweise, zuletzt war die Förderbank KfW ein temporärer Mieter.

          Widerstand gegen CG-Gruppe

          All das ist Vergangenheit. Zwar bleibt die denkmalgeschützte Fassade des Baus zum größten Teil erhalten. Im Inneren hingegen wird alles neu. Nach dem Entkernen sind die vom Bauunternehmen IPA beauftragten Arbeiter derzeit dabei, den Innenhof und die Wände neu zu gestalten. Dort, wo in den neunziger Jahren ein neuer Gebäudeteil hinzukam, entsteht ein Garten mit Sitzflächen für die zukünftigen Bewohner. Und auf die fünf Stockwerke setzen die Bauherren zwei zusätzliche. Das vor etwa 30 Jahren neu gebaute Dach ist bereits abgetragen. Etwa 93 Millionen Euro werden investiert.

          Exklusiv: Hinter der Fassade ist Platz für 164 Eigentumswohnungen.

          Während Till Diekmann in Anzug und Bauhelm über das Dach des Grand Ouest schreitet, drehen sich zu allen Seiten Baukräne. Teure Eigentumswohnungen errichtet in Frankfurt derzeit nicht nur die CG Gruppe. Im Süden der alten Postdirektion geht der „Grand Tower“ in die finale Bauphase, wenige Meter nördlich nimmt die Fassade des „One Forty West“ Gestalt an. Dass sich Investoren mit derlei Projekten nicht nur Freunde machen, weiß auch Diekmann.

          Abstimmung mit den Nachbarn

          Bundesweit regte sich gegen CG-Bauten schon Widerstand. Gründer und Geschäftsführer Christoph Gröner ist in der Öffentlichkeit nicht unumstritten. Linksextreme zerstörten im vergangenen Jahr die Scheiben von Gröners Kölner Penthouse-Wohnung, um eine „Botschaft an systematische Zerstörer bezahlbaren Wohnraums“ zu senden, wie es in einem Selbstbezichtigungsschreiben hieß.

          Panorama: Das Grand Ouest bietet einen einmaligen Skyline-Blick.

          Die Wohnungen im Grand Ouest werden auf der entsprechenden Website auch als „Kapitalanlage“ angepriesen. Diekmann aber beschwichtigt: „Wir arbeiten eng mit der Stadt zusammen und stimmen uns mit den Nachbarn ab.“ Große Widerstände gegen das Grand Ouest habe es nicht gegeben. Die Behörden fänden es gut, dass nun neues Leben in das schützenswerte Gebäude komme. „Der Geschäftszweck von CG ist es nicht, Luxuswohnungen zu errichten“, meint Diekmann. Die Kaufpreise beim Grand Ouest seien im Vergleich zu anderen im Bau befindlichen gehobenen Wohnprojekten deutlich niedriger.

          Unterirdische Schießanlage entdeckt

          Und er verweist auf das Gebäude neben der alten Postdirektion. Auch hier möchte die CG bald Wohnungen bauen. Das Haus aus den neunziger Jahren soll ebenfalls entkernt und saniert werden. Aus ehemaligen Büros sollen etwa 240 bis 310 Wohneinheiten entstehen. Gestalterisch orientiere man sich an der Sandstein-Fassade der Oberpostdirektion. Entwürfe möchte CG der Öffentlichkeit aber derzeit nicht präsentieren, die Baugenehmigung steht noch aus. „Dort entsteht auch geförderter Wohnraum“, sagt Diekmann.

          Alles Neu: Im Innenhof entsteht ein Garten.

          Mit den Anwohnern sei man im Dialog. Den ursprünglichen Plan, an dieser Stelle ein Hochhaus mit 16 Stockwerken zu bauen, hatte das Unternehmen zurückgezogen. Es habe Protest aus der Nachbarschaft gegeben, denn diese Höhe ließe sich nicht mit den umliegenden Gebäuden vereinbaren, so die Sorge. Zudem sei für die entsprechenden Tiefgaragen nicht genug Platz gewesen.

          Nicht für Probleme, jedoch für Verwunderung sorgten die schon vorhandenen Tiefgaragen unterhalb des Areals. „Beim Umbau sind wir auf alte Bunker gestoßen“, berichtet Ingenieurin Wünsch. Die Postbank habe diese wahrscheinlich als Schutzräume oder Tresore genutzt, so ihre Vermutung. Wofür eine unterirdische Schießanlage gedient habe, die ebenfalls ans Licht kam, sei nicht mehr festzustellen gewesen. Diese alten Spuren der Post werden nun verschwinden.

          Gute Aussichten: Wer hier einzieht, muss liquide sein.

          Erhalten bleibt hingegen die Filiale im Gebäude nebenan. „Im Erdgeschoss ist eine öffentliche Nutzung geplant“, sagt Diekmann. Restaurants, eine Kita, Läden oder ein Atelier seien dort denkbar. In den ersten Stock sollen wieder Büros einziehen – vielleicht sogar die CG Gruppe selbst, die hier zuvor ihren Sitz hatte, vor kurzem aber ins Ostend umgezogen ist. Das Grand Ouest hingegen bleibt den Bewohnern selbst vorbehalten. 85 Prozent der Wohnungen seien bereits verkauft, sagt Diekmann. Die Kunden kämen aus aller Herren Ländern: Vereinigte Staaten, Israel, Saudi-Arabien und China, um nur einige zu nennen. Aber auch Deutsche seien unter den Käufern.

          Weitere Themen

          Das eine Buch unter Millionen von Titeln

          Buchverzeichnis : Das eine Buch unter Millionen von Titeln

          Spezialisten im Haus des Buches pflegen seit Jahrzehnten das Verzeichnis Lieferbarer Bücher und sorgen mit Künstlicher Intelligenz dafür, dass das Buch auch im digitalen Zeitalter seine Leser findet.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.