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Fehlende Plätze : Gymnasien weisen gut 300 Kinder ab

Vielleicht bald wieder: Vor zwei Jahren demonstrierten Schüler gegen die Zuweisung an Schulen am anderen Stadtende. Bild: Frank Röth

Die weiterführenden Schulen sind voll bis an den Rand. Den abgelehnten Schülern bleibt die Wahl zwischen einem langen Schulweg und einer Privatschule.

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          Hunderte Kinder bekommen nach den Sommerferien keinen Platz auf einer der beiden Schulen, die ihre Eltern gewählt haben. Dem Vernehmen nach wurde 307 künftigen Gymnasiasten aus Kapazitätsgründen sowohl der Erst- als auch der Zweitwunsch abgeschlagen. Hinzu kommen 237 Kinder, deren Eltern eine Integrierte Gesamtschule, eine Haupt- oder Realschule gewählt hatten. Insgesamt hat das Staatliche Schulamt 544 künftigen Fünftklässlern einen Schulplatz gegen den Elternwunsch zugewiesen.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die dem Kultusministerium unterstellte Behörde gibt keine offizielle Auskunft über die Schülerverteilung – obwohl den Schulleitern die Zahlen schon vor einer Woche mitgeteilt wurden und viele Eltern inzwischen Zuweisungsbescheide erhalten haben. Beim Stadtelternbeirat stehe das Telefon nicht mehr still, sagt dessen Vorsitzende Alix Puhl. Es hätten sich schon Dutzende ratsuchende Eltern gemeldet, deren Kinder einer Schule am anderen Ende der Stadt zugewiesen worden seien. Zu den genauen Zahlen will auch Puhl nichts sagen – das Schulamt hat sie zur Verschwiegenheit verpflichtet.

          Die Kinder werden auf andere Schulen verteilt

          Nach übereinstimmenden Aussagen von Schulleitern ist die Situation beim Übergang von der vierten in die fünfte Klasse noch angespannter als im Vorjahr und durchaus vergleichbar mit 2015, als die Zuweisung von Kindern zu massiven Elternprotesten und einer Klagewelle geführt hatte. Wie zu hören ist, hatten in diesem Jahr die meisten Gymnasien zu wenige Plätze, während die beiden neuen, in provisorischen Bauten untergebrachten Gymnasien Nied und Nord in der Elterngunst durchfielen. Deshalb sollen jetzt 90 andernorts abgewiesene Schüler auf das in Höchst gelegene Gymnasium Nied gehen, rund 60 auf das Gymnasium Nord in Praunheim. Kleinere Kontingente werden auf die Liebigschule und das Heinrich-von-Gagern-Gymnasium verteilt.

          Außerdem schickt das Staatliche Schulamt Kinder mit dem Wunsch Gymnasium auf Kooperative Gesamtschulen (KGS). Dem Vernehmen nach nimmt die um zwei fünfte Klassen erweiterte Otto-Hahn-Schule in Nieder-Eschbach knapp 70 Schüler auf. Die KGS Niederrad, die nach den Sommerferien eröffnet, hat nur sehr wenige Anmeldungen bekommen und soll mit knapp 60 andernorts abgelehnten Schülern gefüllt werden. Weitere 20 Kinder nimmt die Schule am Ried in Bergen-Enkheim auf. Rechtlich ist die Zuweisung von Kindern mit Gymnasialwunsch auf eine KGS möglich, weil auch diese Schulform einen gesonderten gymnasialen Bildungsgang anbietet.

          Eltern ziehen Privatschulen in Betracht

          Ungleich verteilt sind Angebot und Nachfrage auch an den Integrierten Gesamtschulen (IGS). Äußerst beliebt ist die IGS West, die dem Vernehmen nach rund 100 Schüler ablehnen musste. Insgesamt musste das Staatliche Schulamt rund 110 Schüler innerhalb der Integrierten Gesamtschulen umverteilen, außerdem 25 innerhalb der Haupt- und Realschulen und 90 zwischen Integrierten Gesamtschulen sowie Haupt- und Realschulen. Stadtelternbeirätin Alix Puhl sieht die Entwicklung mit großer Sorge. Viele Schüler, die etwa an die Gymnasien Nied und Nord geschickt wurden, müssten nun überlange Schulwege zurücklegen und würden aus den sozialen Kontexten ihrer Wohnviertel gerissen. „Wenn ein Kind nach der Schule noch eine Dreiviertelstunde mit der Bahn durch die Stadt fahren muss, hat das Training im Fußballverein schon begonnen.“ Es gebe viele Eltern, die nun überlegten, ob das private Schulwesen nicht doch eine Option sei.

          In den nächsten Jahren werde sich die Lage noch verschärfen, warnt Puhl. Die weiterführenden Schulen seien jetzt völlig ausgebucht, aber die Zahl der Kinder wachse Jahrgang um Jahrgang um mehrere hundert. Derzeit seien aber keine neuen weiterführenden Schulen in der Vorbereitung. Zwar habe die Stadt die Absicht, zwei weitere Gymnasien und eine IGS zu eröffnen, aber die Planung stehe erst am Anfang und bis zu einer Eröffnung dauere es Jahre. Bernadette Weyland, die CDU-Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl, machte gestern Amtsinhaber Peter Feldmann (SPD) für den Schulplatz-Engpass verantwortlich. Das Elternrecht auf Wahl der weiterführenden Schule werde verletzt. Eine wachsende Stadt wie Frankfurt brauche Planung. Nötig seien zwei zusätzliche weiterführende Schulen.

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