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Neue Hotels : Asiatischer Service soll auch Europäern gefallen

  • -Aktualisiert am

Weitläufig: Der Speisebereich neben der Lobby im Toyoko-Hotel. Bild: Frank Röth

Den Touristen folgen die Hotels: In der Region stehen die ersten europäischen Häuser japanischer und chinesischer Ketten.

          3 Min.

          Eriko Bonetti hat einen Job wie viele andere in Frankfurt und ist dennoch eine Pionierin. Die in Japan geborene Schweizerin leitet ein Hotel, das Toyoko Inn, unlängst eröffnet an der Stuttgarter Straße in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs. Die Herberge ist in Europa die erste der Toyoko-Inn-Gruppe, die in Japan, Korea und Kambodscha Hotels mit zusammen rund 50.000 Zimmern betreibt. Für die nächsten Eröffnungen außerhalb Asiens stehen Marseille und Berlin auf dem Plan. Die Geschichte des Frankfurter Hotels umfasst von der Idee bis zur Inbetriebnahme zehn Jahre. Mehrere Standorte waren im Gespräch. Als der am Hauptbahnhof gefunden war, seien die Gespräche zwischen den japanischen Investoren und deutschen Dienstleistern und Behörden oft schwierig und langwierig gewesen, sagt Yoshiko Petrosch, die das Projekt geleitet hat. Hätten etwa hiesige Brandschutzvorschriften einem Wunsch der Auftraggeber entgegengestanden, sei das nicht klaglos akzeptiert worden, sondern man habe versucht zu verhandeln. „,Das geht nicht‘ ist für einen Japaner keine Antwort.“

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Entstanden sei dann schließlich ein Hotel, in dem sich asiatische Gäste wohl fühlten, das aber auch Europäern gefalle „und mit dem ein Stück japanische Kultur exportiert worden ist“. Augenfällig ist das, wenn man die aus Papier gefalteten kleinen Schwäne sieht, die zur Dekoration auf manchen Tischen stehen, oder die mit bunten Papierblumen und kleinen Comicfiguren geschmückten Infotafeln in den Aufzügen. Das Toyoko Inn hat 400 Zimmer und eine hohe, taghelle Lobby, an die sich ein mit einfachen Stühlen und Tischen möblierter Bereich anschließt, der aussieht wie die Mensa einer Universität oder Schule. Dort wird morgens das Frühstücksbuffet aufgebaut. Ein Restaurant gibt es nicht. Untertags können sich die Hotelbewohner mitgebrachtes Essen in einem allen zugänglichen Mikrowellengerät in der Lobby aufwärmen.

          Freundliche Ansprache und gute Infrastruktur

          „In Japan ist das selbstverständlich“, sagt Bonetti. Abends wird den Gästen Shabu Shabu, eine Art Fondue, serviert, an der Bar gibt es ausgesprochen günstige Getränke. Sämtliche Angebote sind Hotelgästen vorbehalten. Die Zimmer, die Modul-Badkabinen mit tiefen Sitzbadewannen haben und Toiletten, wie sie in Japan üblich sind – beheizbar, mit Wasserstrahl und Fön-Düse –, kosten zwischen 59 Euro für ein einfaches Einbettzimmer und 109 Euro für ein geräumiges Zweibettzimmer mit zusätzlicher Sitzecke. Das Toyoko Inn ist ein sogenanntes Limited-Service-Hotel, wobei die Betreiber hervorheben, dass Japaner unter Service vor allem die „Hardware“ des Hotels verstünden und die Möglichkeit, zum Beispiel Wäsche in dafür bereitgestellten Maschinen selbst zu waschen. Erwartet würden zudem eine immer freundliche Ansprache und eine Infrastruktur, die in Frankfurt etwa darin besteht, dass am Empfang eine DHL-Station eingerichtet worden ist. Klassifiziert ist das Haus nicht.

          „Hätten wir Sterne, dann wären es wohl zweieinhalb“, sagt Petrosch. Luxuriöser als das Toyoko Inn ist das New Century Hotel an der Offenbacher Kaiserleistraße, das schon im Juni vergangenen Jahres eröffnet wurde und ebenfalls eine Art Pilotprojekt ist: Mit dem Vier-Sterne-Hotel in einem siebzehngeschossigen, 1980 errichteten Hochhaus führt die chinesische New Century Hotel Group ihr erstes Objekt in Europa. Rund 45 Millionen Euro hat sich die Gesellschaft nach eigenen Angaben Erwerb und Umbau des einstigen Golden-Tulip-Hotels kosten lassen. Zum Hotel gehören zwei Lokale, davon ist eines ein Fine-Dining-Restaurant.

          Zahlungskräftig und anspruchsvoll

          Die Einrichtung ist elegant, das Haus hat 79 Mitarbeiter, die Zimmerpreise beginnen oberhalb von 100 Euro. Ansprechen wolle man auch Europäer, aber vor allem Reisende aus China, hatte vor der Eröffnung Michel Illy, der Managing Director der in Luxemburg ansässigen New Century Investment, dieser Zeitung gesagt. Er rechne mit mittelfristig 25 bis 30 Prozent chinesischen Gästen, hatte er hinzugefügt und dass die Nähe zu Frankfurt und zum Flughafen für den Standort spreche. Bisher, sagt eine Sprecherin des Hotels, sei der Anteil chinesischer Kunden deutlich niedriger: 65 Prozent der Gäste seit Eröffnung seien aus Deutschland gekommen, sieben Prozent aus Korea und neun aus China.

          Die Investition in das Haus, das direkt am Main liegt, ist eine in die Zukunft: Die Zahl der Reisenden aus China in die Region nimmt seit Jahren zu. So trugen 2016 Chinesen mit 308.546 Übernachtungen zur Frankfurter Tourismusbilanz bei. Wie die China-Expertin Annette Biener von der Frankfurter Tourismus- und Kongressgesellschaft sagt, kommen momentan vor allem Gruppenreisende, die preiswerte Zwei- oder Drei-Sterne-Hotels bevorzugen. Aber das werde sich noch ändern. Individualreisen nähmen zu, wovon auch aufwendig ausgestattete Hotels profitierten: „Der neue chinesische Tourist ist älter als 35 Jahre und bewegt sich im gehobenen Bereich.“

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