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Immobilienmarkt in Frankfurt : Die Preise steigen, das Angebot sinkt

Kein Schnäppchen: Das alte Polizeipräsidium steht zum Kauf. Bild: dpa

Auf Frankfurts Immobilienmarkt deutet sich eine Entwicklung an, die günstigen Wohnungsbau erschwert.

          3 Min.

          Der Zeitpunkt ist günstig: Die Landesregierung sucht für das alte Polizeipräsidium am Frankfurter Platz der Republik einen Käufer. Zum wiederholten Mal will sich das Land von dem potentiellen Hochhaus-Grundstück trennen. Das Präsidium ist schon vor 14 Jahren ausgezogen, seither steht das riesige Areal leer. Die Chancen, dass der Verkauf diesmal gelingt, stehen gut: Es ist derzeit viel „billiges Geld“ auf dem Markt, die Investoren suchen fieberhaft nach Anlagemöglichkeiten. Das Bieterverfahren endet Anfang November. Beteiligte berichten von einem regen Interesse.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Planungsrechtlich darf auf dem Gelände ein 145 Meter hohes Bürohochhaus gebaut werden. Die Stadt bedauert diese Pläne inzwischen und will den Bebauungsplan ändern: Für ein durchmischtes Quartier mit Wohnungen und Arbeitsplätzen soll die Baumasse anders verteilt werden. Doch das hat die Landesregierung offenbar aufgeschreckt: Sie hat das Bieterverfahren nun auf Grundlage der alten Pläne gestartet, ohne die Stadt einzubinden. Dass bei einem zu erwartenden hohen Grundstückspreis auch viel günstiger Wohnraum entsteht, gilt als unwahrscheinlich.

          „Wir brauchen urbane Viertel“

          Rückendeckung erhält die Stadtplanung von der Industrie- und Handelskammer: Der stadtplanerische Aspekt, keine reinen Bürostandorte zu planen, sondern auf Durchmischung zu setzen, sei offenbar für den Erfolg von Hochhausprojekten mit verantwortlich. „Wir brauchen keinen zweiten Bürostandort wie seinerzeit in Niederrad, sondern urbane Viertel. Die derzeitige Strategie der Stadt, auf Mischquartiere, Co-Working-Spaces und die Revitalisierung von Bestandsimmobilien zu setzen, funktioniert gut“, meint Mathias Müller, Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt.

          Die starke Nachfrage nach Grundstücken und Immobilien führt zu einer Verknappung, die auf dem Investmentmarkt eine regelrechte Rekordjagd entfacht: In den ersten neun Monaten dieses Jahres wurde im Handel mit Gewerbeimmobilien das zweitbeste Resultat der letzten zehn Jahre erzielt. Mit fast vier Milliarden Euro sei der zehnjährige Durchschnitt um mehr als 70 Prozent überboten worden, berichtet José Martínez, Geschäftsführer des Maklerhauses BNP Paribas Real Estate. Rund 120 Immobilien wurden bisher veräußert, darunter drei für einen dreistelligen Millionenbetrag. Sie tragen Namen wie Grand Central, Eschborn Plaza und Westend Carree. Mehr als die Hälfte der Käufer kommt aus dem Ausland. Sie müssen sich mit sinkenden Renditen zufriedengeben. Oliver Barth, Niederlassungsleiter bei BNP, rechnet damit, dass das Interesse im Laufe des Jahres noch steigt, weil sich immer klarer abzeichne, dass der Frankfurter Büromarkt spürbar von der Brexit-Entscheidung profitieren werde. Bis zum Jahresende würden wohl mehr als sechs Milliarden Euro auf dem Investmentmarkt ausgegeben.

          Stetig steigende Nachfrage in zentralen Lagen

          Bisher produziert der Boom allerdings noch keine leerstehenden Flächen. Zwar werden auch viele Büroprojekte spekulativ errichtet, weil die Finanzierung leichtfällt. Doch auch die Vermietungsleistung ist in diesem Jahr um ein Viertel gewachsen. Der Büroflächenumsatz liegt bisher bei 430.000 Quadratmetern, berichtet das Unternehmen Savills. Grund dafür sei weniger der Brexit als vielmehr die gute wirtschaftliche Entwicklung sowie die stetig steigende Nachfrage in zentralen und peripheren Lagen, meint Benjamin Remy, bei Savills verantwortlich für das Bürovermietungsgeschäft in Frankfurt. Er geht davon aus, dass bis zum Jahresende ein Zehn-Jahres-Hoch erreicht wird. Große, zusammenhängende Flächen würden sogar knapp: Remy berichtet von Gesuchen über rund 100 000 Quadratmeter Mietfläche, in der Innenstadt gäbe es aber nur rund 38 000 Quadratmeter freie, moderne Flächen ab einer Größenordnung von 1000 Quadratmetern. Der Angebotsengpass, der schon heute die Anmietung großer, moderner Büroräume erschwere, bleibt laut Savills bestehen. Niederlassungsleiter Jan Stadelmann fordert aus Mietersicht sogar mehr spekulative Entwicklungen.

          Viele Bauherren haben zudem erkannt, dass sich nicht nur Büroflächen zu einem hohen Preis vermieten lassen. Inzwischen kostet der Quadratmeter in modernen Wohnhochhäusern rund 35 Euro. Dieser Mietpreis ließ sich vor einigen Jahren nur mit Büros erzielen. Immer häufiger berichten Bauherren und Makler allerdings auch, dass sich die vielen teuren Wohnungen in den Wohntürmen weitaus schwieriger veräußern lassen als erhofft. Falls Kapitalanleger zu viele Wohnungen erwerben und keine Mieter finden, steigt das Risiko, dass die Türme teilweise leerstehen. Andererseits hört man auch: Für Londoner und Pariser Verhältnisse ist Frankfurt immer noch recht günstig.

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