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Immobilien : Das letzte Jahr mit Europa-Rekord

Soll mehr Profil bekommen: der Opernturm auf dem Zürich-Areal Bild: Simulation Tishman Speyer

Der Frankfurter Skyline steht ein Statusverlust bevor. Der höchste Turm Europas wird ab 2008 nicht mehr die Commerzbank sein, sondern der Moskauer „Federation Tower“.

          In Frankfurt wird in diesem Jahr mit dem Bau eines der größten Hochhäuser der Welt begonnen werden. Die Sache hat nur einen Haken: Beim Airrail Center über dem Fernbahnhof am Flughafen handelt es sich um ein Exemplar der Gattung „liegende Hochhäuser“. So wird das 660 Meter lange, zigarrenförmige Riesenbauwerk nicht dazu beitragen können, die Spitzenstellung Frankfurts als Hochhausmetropole in Europa zu verteidigen. Im Gegenteil, demnächst steht ein symbolträchtiger Statusverlust bevor.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Vom Jahr 2008 an wird der höchste Turm Europas in Moskau stehen. Dann nämlich sollen die Arbeiten am „Federation Tower“ abgeschlossen sein. Der höhere Baukörper dieses Doppelturms wird 354 Meter messen. Mit Antenne sind es sogar 448 Meter. Das ist signifikant mehr, als der derzeitige Rekordhalter, der Commerzbank-Turm, vorzuweisen hat, der mit seiner Antenne gerade so eben die 300-Meter-Marke kratzt.

          In Frankfurt wird nüchtern gerechnet

          Es kann als ausgeschlossen gelten, dass sich Frankfurt den Europarekord eines Tages zurückholen wird. Selbst die kühnen Hochhausvisionen namens „Millennium Tower“ und „Max“, die Ende des vorigen Jahrhunderts geträumt wurden, können mit der russischen Realität nicht mithalten. Schon die wirtschaftliche Vernunft, die im neureichen Rußland derzeit vom Prestigedenken teilweise außer Kraft gesetzt scheint, spricht gegen Türme mit einer Höhe von mehr als 200 Metern. Von dieser Marke an wird das Verhältnis von Verkehrsflächen wie Treppenhäusern und Aufzügen zur eigentlichen Nutzfläche sehr ungünstig. Man betrachte den Commerzbank-Turm genau: Die oberste Büroetage befindet sich etwa in 200 Meter Höhe.

          In Frankfurt, wo der Immobilienbranche die große Krise der vergangenen Jahre noch tief in den Knochen sitzt, wird derzeit besonders nüchtern gerechnet. Der knapp 170 Meter hohe Opernturm am Opernplatz wird das höchste Hochhaus sein, mit dessen Bau in diesem Jahr begonnen wird. Während sich die Bagger in diesen Tagen schon in der Baugrube zu schaffen machen, ranken sich um das Erscheinungsbild des Kolosses noch Gerüchte. Architekt Christoph Mäckler hat, so ist zu hören, in langen Verhandlungen mit Bauherr Jerry Speyer erreicht, dass die Fassade doch nicht ganz so glatt ausfällt, wie es die bisher präsentierten Computeranimationen nahelegen. Die Natursteinfassade soll ein stärkeres Profil bekommen.

          Insgesamt wird der Hochhaus-Jahrgang 2007 klein sein. Außer dem Opernturm sind die beiden Türme des Projekts „Frankfurt Hoch Vier“ an der Zeil zu nennen - ein 90-Meter-Hotelturm und ein 120-Meter-Bürohochhaus. Sie sollen nach Angaben des Bauherrn Bouwfonds demnächst in den Himmel wachsen. Die Fertigstellung des Gesamtprojekts, zu dem auch ein Einkaufszentrum und die Rekonstruktion des Palais Thurn und Taxis zählen, ist für September 2008 annonciert.

          Mietgesuche für Hochhausflächen überschaubar

          Weitere signifikante Zuwächse wird die Skyline in den nächsten zwölf Monaten wohl nicht erfahren. Die Planungen für den Doppelturm der Europäischen Zentralbank auf dem Großmarkthallen-Areal im Ostend werden nach Angaben der Notenbank erst Ende des Jahres abgeschlossen sein. Mit dem Baubeginn ist demnach frühestens für Frühjahr 2008 zu rechnen. Dieser Turm wird rund 180 Meter hoch sein. Wie im Fall des Opernturms ist auch dort noch nicht bekannt, wie die Fassade im Detail aussehen wird. Denkbar ist, daß es eine Ganzglasfassade geben wird, aber auch über einen hohen Metallanteil wird spekuliert. Nur Naturstein kann bei den Wiener Architekten von Coop Himmelb(l)au ausgeschlossen werden.

          Mit seinem Standort außerhalb des Bankenviertels wird der EZB-Turm auf absehbare Zeit die große Ausnahme bleiben. Zwei Hochhausprojekte, denen von Maklern und Projektentwicklern gute Realisierungschancen eingeräumt werden, befinden sich an der Neuen Mainzer Straße im Bankenviertel. Nur in solchen 1a-Lagen lassen sich die entsprechenden Mieten erwirtschaften. Auf dem Areal von Frankfurter Sparkasse und Württembergischer Hypothekenbank am nördlichen „Knick“ der Bankenklamm ist ein 197 Meter hoher Doppelturm vorgesehen. Die Planungen des Büros KSP Engel und Zimmermann sind so weit gediehen, dass schon bald mit dem Bau begonnen werden könnte. Mit 135 Metern deutlich niedriger ist das Projekt „Kaiserkarree“ auf dem Areal der Rheinhyp an der Ecke zum Taunustor. Auch dafür sind die Planungen der Architekten Gruber + Kleine-Kraneburg weit vorangeschritten.

          Die Eigentümer der beiden Grundstücke warten schon seit Jahren auf potentielle Großmieter, die gebraucht werden, um das Risiko eines solchen Projekts beherrschen zu können. Derzeit wird die Anwaltskanzlei Clifford Chance hoch gehandelt, deren Mietvertrag für das Hochhaus FBC an der Mainzer Landstraße noch bis 2011 läuft. Der Kanzlei werden Ambitionen nachgesagt, anschließend in der Innenstadt ein neues Hochhaus zu beziehen, das dann mit dem eigenen Namen in Verbindung gebracht würde. Einen Vorlauf von gut drei Jahren gerechnet, müßte die Entscheidung in diesem Jahr fallen. Im übrigen ist die Zahl von Mietgesuchen für große Hochhausflächen derzeit überschaubar. Mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hat sich eines der finanziell stärksten Unternehmen der Stadt gerade erst für das Airrail Center entschieden.

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