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Bildung : Immer mehr Frankfurter Kinder besuchen private Grundschulen

Bilinguale Kenntnisse: Immerhin 80 Prozent des Unterrichts ist auf Englisch Bild: F.A.Z. - Sick

Private Grundschulen entwicklen sich in Frankfurt zu einer ernsthaften Konkurrenz für die staatlichen Bildungsstätten. Zum Beispiel die Metropolitan School. 770 Euro kostet ein Ganztags-, 550 Euro ein Halbtagsplatz im Monat. Dafür hat jede Klasse höchstens 21 Schüler.

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          „Good afternoon“, meldet sich eine freundliche Stimme am Telefon. Wer bei der Metropolitan School anruft, sollte des Englischen mächtig sein – oder den Mut haben, einfach auf Deutsch weiterzureden. Denn es ist nicht so, dass an der Grundschule, die in diesem Jahr eröffnet wurde, niemand Deutsch versteht. Umgangssprache ist aber Englisch. Gründer Peter Ferres nennt dies „international education with German roots“. Dabei heißt „international education“, dass 80 Prozent des Unterrichts auf Englisch gehalten werden, meist von muttersprachlichen Lehrern, und dass das Curriculum einem weltweiten Standard entspricht.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dieser Lehrplan reicht vom Kindergarten bis zum „International Baccalaureate Diploma“, einem mit dem Abitur vergleichbaren, in vielen Ländern anerkannten Abschluss. Unter den „German roots“, also den deutschen Wurzeln, versteht Ferres den lokalen Bezug. So wird in Fächern wie Kunst und Musik Wert auf deutsche Themen gelegt. In Geographie lernen die Kinder, wie hoch der Feldberg und die Wasserkuppe sind, Ausflüge führen in den Opelzoo und zur Feuerwache im Stadtteil.

          „Abstimmung mit den Füßen“

          Mit ihrer internationalen Ausrichtung ist die Metropolitan School typisch für die privaten Grundschulen, die sich in Frankfurt zu einer ernsthaften Konkurrenz für die staatlichen Bildungsstätten entwickeln. Dieser Trend wird von einer Studie bestätigt, die im vergangenen Jahr im Auftrag des städtischen Bildungsdezernats erstellt wurde. Danach besucht jeder zehnte Grundschüler in Frankfurt eine Privatschule. Die steigenden Schülerzahlen privater Einrichtungen deuteten auf eine „Abstimmung mit den Füßen“ hin. Die Stadt als Schulträger dürfe den Wandel der Bildungslandschaft „nicht verschlafen“. Falls der Veränderung nicht genügend Beachtung geschenkt werde, stehe zu befürchten, dass sich ein „Zweiklassen-Schulsystem“ herausbilden werde.

          Als „Eliteschulen“ oder als Einrichtungen für Kinder reicher Leute wollen sich die meisten Privatschulen aber nicht verstanden wissen. So hebt Ferres hervor, dass die Metropolitan School von Kindern aus allen sozialen Schichten besucht werde. Ganz unbetucht dürfen die Eltern dennoch nicht sein: 770 Euro kostet ein Ganztags-, 550 Euro ein Halbtagsplatz im Monat. Dafür hat jede Klasse höchstens 21 Schüler – und immer zwei Lehrer.

          Ihr Domizil hat die Metropolitan School in einem ehemaligen Bürogebäude im Rödelheimer Gewerbegebiet. Aus Kindergarten und Grundschule, die derzeit von 75 Kindern aus 19 Nationen besucht werden, soll sich nach Ferres’ Willen in den nächsten Jahren eine Bildungseinrichtung entwickeln, die Kinder vom Windelalter bis zur Hochschulreife besuchen können. Um Schulleiter werden zu können, hat der Bruder der Schauspielerin Veronica Ferres eine Karriere als Investmentbanker hinter sich gelassen und selbst eine Lehrerausbildung absolviert. Er begreift die Metropolitan School, in der die Individualität und die Neugier der Kinder im Mittelpunkt stehe, als Gegensatz zu den staatlichen „Pauk- und Wissensschulen“. Profit will er mit der Schule, die über einen Kredit finanziert wurde, nach eigenem Bekunden nicht machen, aber irgendwann soll sie sich selbst tragen.

          Bilingualer Unterricht in der Phorms-Schule

          Die zweite private Grundschule, die in Frankfurt in diesem Jahr eröffnet wurde, ist die Phorms-Schule im Nordend. Sie gehört zu einer Kette von privaten Grundschulen in deutschen Großstädten. Die erste Phorms-Schule wurde 2006 in Berlin gegründet, es folgten Köln, Frankfurt und München, Niederlassungen in Hamburg und Hannover sind geplant. Ziel der Phorms Management AG ist nach den Worten der Vorstandsvorsitzenden Béa Beste, „sich als führendes Schulnetzwerk in Deutschland zu etablieren und relevante Impulse für die deutsche Bildungslandschaft zu setzen“.

          Ungeachtet des gewinnorientierten Geschäftsmodells – der Umsatz der AG soll mehr als eine halbe Million Euro betragen – stehe bei Phorms die Bildung im Mittelpunkt, sagt Sprecherin Jennifer Kamlah. Die Eltern schätzten die Schule wegen der Ganztagsbetreuung, des bilingualen Unterrichts auf Deutsch und Englisch und der individuellen Förderung. Letzteres bedeute etwa, dass ein Zweitklässler, der sehr gut in Mathematik sei, auf dem Niveau der vierten Klasse unterrichtet werde.

          Zur Zeit besuchen rund 60 Kinder die Frankfurter Phorms-Niederlassung. Die Klassenstärke beträgt höchstens 20 Schüler. Abhängig vom elterlichen Einkommen, kostet ein Platz zwischen 140 und 839 Euro monatlich. Wenn danach noch etwas Kleingeld in der Familienkasse ist, kann der Nachwuchs damit eingekleidet werden: mit modischer Schulbekleidung der unternehmenseigenen Marke „Uni-Phorms“.

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