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Bebauung des Naxos-Areals : Im Zweifel kommt das städtische Unternehmen zum Zug

Das Naxos-Areal an der Ecke von Wittelsbacherallee und Wingertstraße Bild:

Die schwarz-grüne Koalition hat sich nach monatelangen Verhandlungen festgelegt: Auf dem Naxos-Areal sollen Wohnungen mit gut 10.000 Quadratmeter Fläche entstehen.

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          Der größere Teil des Areals rund um die Naxoshalle soll von der Frankfurter Aufbau AG (FAAG) bebaut werden. Der Rest der Fläche im Ostend, rund ein Drittel, soll im Zuge einer europaweiten Ausschreibung an eine Genossenschaft vergeben werden. Das hat die schwarz-grüne Koalition beschlossen. Die FAAG soll 6000 bis 7000 Quadratmeter Wohnfläche errichten dürfen. Für die Genossenschaft sind 3000 Quadratmeter vorgesehen. Weitere Angaben wollte Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) im Planungsausschuss nicht machen. Er sagte, die Verwaltung müsse nun erst die Machbarkeit der Beschlüsse abschließend prüfen. Vor allem mit Blick auf die Frage, ob auszuschreiben sei oder nicht, gebe es schwierige Fragen zu klären.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Die geplante direkte Vergabe des Grundstückes an die FAAG, die zum städtischen Wohnungskonzern ABG gehört, ist in der Immobilienbranche mit Enttäuschung aufgenommen worden. „Es ist ärgerlich, dass fast alle interessanten Grundstücke der öffentlichen Hand in Frankfurt an die städtische Tochter gehen“, äußerte der Manager eines privaten Konkurrenten, der nicht namentlich genannt werden wollte. Als weitere Beispiele nannte er das Wiesenhüttenstift im Nordend, das Depot Heidestraße in Bornheim, die Sophienhöfe in Bockenheim und auch den Campus Bockenheim, den das Land direkt an die ABG und die OFB Projektentwicklung veräußern will. Dort sollen allerdings weitere Investoren eingebunden werden.

          Moderater Kaufpreis

          Der Kaufpreis für die FAAG, die auch die geplante Gaststätte im alten Heizwerk der Naxos-Union errichten soll, wird nach dem Willen des Magistrats über die Richtwerte für Grundstückspreise festgesetzt werden. Diese sind dem Vernehmen nach für das betreffende Areal sehr moderat. Demnach sind 850 Euro für den Quadratmeter bei einer Ausnutzung in Höhe von 2,2 Geschossen zu zahlen. Da das Areal in Erbpacht vergeben werden soll, ist mit einem Abschlag zu rechnen. Eine zusätzliche Minderung der Einnahmen ist zu erwarten, da die Stadt ein Förderprogramm aufgelegt hat, wonach Familien je Kind einen nochmals verminderten Erbbauzins zahlen. Die Stadt hatte das Areal zwischen Waldschmidtstraße, Wingertstraße und Wittelsbacherallee im Jahr 2006 für 21 Millionen Euro erworben. Ursprünglich war mit Einnahmen in Höhe von zehn Millionen Euro aus dem Weiterverkauf gerechnet worden; diese Summe dürfte nun bei weitem nicht mehr erzielt werden.

          Von einer Grundsanierung der Naxoshalle soll vorerst abgesehen werden

          In der Koalition herrscht die Meinung vor, dass die Vergabe des größeren Grundstücksteils ohne Ausschreibung rechtlich unproblematisch sei. Die öffentliche Hand ist in solchen Angelegenheiten deutlich vorsichtiger geworden, seitdem etliche deutsche Gerichte, vor allem in Nordrhein-Westfalen, strengere Maßstäbe anlegen. Demnach muss ein Grundstück dann europaweit ausgeschrieben werden, wenn die Kommune den Verkauf mit Auflagen hinsichtlich der Bebauung verknüpft. Das trifft auf das Naxos-Areal zunächst nicht zu, da kein Bebauungsplan aufgestellt werden soll, sondern die Bebauung nach Paragraph 34 des Baugesetzbuches genehmigt werden kann. Dieser Paragraph wird dann angewendet, wenn sich die Bebauung nach jener in der Umgebung richtet.

          Allerdings gibt es innerhalb der Stadtverwaltung Stimmen, die angesichts der langen politischen Debatte über das Areal Zweifel haben, ob nicht doch die Handschrift der Stadtverordneten sichtbar ist. „Ein anderer Investor könnte ein Vergabeverfahren wegen Nichtdurchführung eines Wettbewerbs anstrengen“, meint ein Kenner der Materie. Hinzu kommt, das die Entwicklung der beiden Grundstücksteile kaum voneinander zu trennen ist. So müssen beide Wohnungskomplexe faktisch über eine gemeinsame Tiefgarage erschlossen werden. Für die Partei „Die Linke“ lobte der Fraktionsvorsitzende im Römer, Lothar Reininger, den Beschluss der Koalition. Reininger hat die Genossenschaft „Fundament“ mitgegründet, die sich schon seit längerem intensiv darum bemüht, auf dem Areal bauen zu dürfen. Aus dem Vorstand ist er mittlerweile ausgeschieden, um Interessenkollisionen mit seinem Mandat zu vermeiden.

          Behutsame Erneuerung der Naxoshalle

          Die Naxoshalle, deren Dach immer größere Löcher hat, soll dem Vernehmen nach nur behutsam erneuert werden. So wurde beschlossen, auf den Einbau einer Heizung vorerst zu verzichten. Dieser hätte zur Folge, dass auch das belastete Erdreich unter der Halle hätte ausgetauscht werden müssen, was die Kosten in Millionenhöhe getrieben hätte.

          In der schwarz-grünen Koalition war zwischenzeitlich eine umfassende Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes erwogen worden. Die Überlegung war, den Umbau gleichzeitig mit der Neubebauung der Randfläche zu erledigen. Das hätte den Vorteil gehabt, dass es später nicht zur Belästigung der neuen Nachbarn käme. Letztlich fehlte aber offenbar ein klares Konzept für die künftige Nutzung. In der Koalition war man sich einig darüber, dass die Atmosphäre der Halle solange nicht grundlegend verändert werden soll, wie Willy Praml mit seinem Ensemble dort spielt. Der 66 Jahre alte Praml zeigt jedoch keine Ermüdungserscheinungen zeigt. Da aber auch die Entwicklung der übrigen freien Szene, für die die Naxoshalle hergerichtet werden könnte, schwer vorauszusagen ist, hat man weitergehende Überlegungen vertagt. Ohnehin ist der Raum wegen der zahlreichen Stützen nur für ganz bestimmte Theaterformen nutzbar.

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