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Im Gespräch: Uwe Paulsen : „Die praktische Integration im Alltag läuft gut“

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Sachlich bleiben: Uwe Paulsen verlangt von allen, die Probleme sehen, klar zu sagen, wo es sie gibt. Bild: Michael Kretzer

Der Magistrat hat ein Integrationskonzept erarbeitet, das nun den Stadtverordneten zur Abstimmung vorliegt. Uwe Paulsen verteidigt das Konzept.

          Wozu braucht Frankfurt ein Integrationskonzept?

          Frankfurt hat in den vergangenen 20 Jahren, nach der Gründung des Integrationsdezernats und des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten, sehr viel für Integration getan. Seither hat sich aber viel verändert. In Frankfurt leben ja nicht nur Menschen aus mehr als 170 Nationen, sondern diese mittlerweile wiederum in vielen unterschiedlichen Milieus, wie die angestammte Bevölkerung auch. Die Gesellschaft hat sich ausdifferenziert, und das nimmt das Papier als Integrations- und Diversitätskonzept auf. Vielfalt muss gestaltet werden.

          Was ist Integration für Sie?

          Integration verlangt, als aufnehmende Gesellschaft ein größtmögliches Maß an Chancengerechtigkeit für alle zu erreichen. Das erfordert Leistungen auf allen Seiten.

          Welche Leistungen sind das?

          Die Rechtsordnung und die politische Ordnung sind von allen zu akzeptieren. Zu unserer Werteordnung zählt auch die Solidarität mit sozial Schwächeren, dazu gehört ein Teil der Migranten. Zuwanderer sollten Formen politischer Beteiligung stärker nutzen. Wir müssen unsere politische Kultur aber auch positiv vertreten und Formen echter Beteiligung bieten. Zudem haben wir eine humanitäre Verpflichtung gegenüber politisch Verfolgten und Flüchtlingen.

          Wird der Aspekt des Forderns im Integrationskonzept ausreichend berücksichtigt?

          Ja. Es sagt klar und deutlich: Nur wer die Spielregeln unserer Gesellschaft verstanden hat und akzeptiert, kann sein Leben gestalten. Unsere Demokratie setzt ein Bekenntnis zu den Werten der Gesellschaft ebenso voraus wie Gesprächsbereitschaft und eine gemeinsame Sprache.

          Welche Rolle spielt die Beherrschung der deutschen Sprache?

          Man kann weder politisch partizipieren noch am kulturellen Leben teilnehmen oder die Geschichte und Kultur eines Landes kennenlernen, noch seine eigenen Wünsche artikulieren, wenn man nicht weiß, wie man sich ausdrückt.

          Wird das ausreichend eingefordert?

          Ja, aber Angebot und Nachfrage von Deutschkursen können noch besser werden.

          Eine Folge der Debatte über die Thesen von Thilo Sarrazin ist, dass direkter über Schwierigkeiten der Integration gesprochen wird. Müssten nun nicht auch in dem Integrationskonzept Probleme konkreter benannt werden?

          Das Konzept benennt Schwierigkeiten doch in differenzierter Form, etwa familiären Druck bei der Partnerwahl, religiöse Differenzen, dass Menschen ihre sexuelle Orientierung nicht ausleben dürfen. Es sagt ganz klar, dass wir das nicht wollen. Mit Herrn Sarrazin hat sich der Ton in der Integrationspolitik nicht zum Guten verändert. Dabei läuft die praktische Integration im Alltag gut. Das sehen wir auch jedes Jahr an den Bewerbungen zum Integrationspreis.

          Das Konzept hat ein neues Verständnis von Integration als Vernetzung vielfältiger Milieus. Können Sie das der Mehrheit der Bürger plausibel machen?

          Davon gehe ich aus. In der öffentlichen Diskussion um das Konzept ist deutlich geworden, dass viele dies schon als Alltag erleben. Wir brauchen ja Zuwanderung, gerade auch gut qualifizierter Menschen. Dass nicht jeder auf Anhieb sieht, wie wichtig diese Entwicklung ist, stimmt. Daran müssen wir arbeiten.

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