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Im Gespräch: Umweltdezernentin Manuela Rottmann : „Wir können nicht jeden Ansiedlungswunsch erfüllen“

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Manuela Rottmann will Frankfurt als grüne Stadt und als Standort für nachhaltiges Wirtschaften profilieren. Bild: Wolfgang Eilmes

Frankfurt bewirbt sich als „Europäische grüne Hauptstadt“. Umweltdezernentin Rottmann will die Metropole zur nachhaltigen Stadt entwickeln und selbst vielleicht Oberbürgermeisterkandidatin werden.

          7 Min.

          Bewirbt sich Frankfurt nun bei der EU-Kommission um den Titel „Europäische grüne Hauptstadt“?

          Ja, wir wollen nach Stockholm und Hamburg auch „European Green Capital“ werden. Aber wir wollen mehr, als nur den Wettbewerb gewinnen. Wir wollen den Wettbewerb als Motor nutzen, um Frankfurt langfristig zur nachhaltigen Stadt zu entwickeln. Das ist einiges mehr, als die EU-Kommission verlangt.

          Frankfurt bewirbt sich für 2014?

          Das ist der früheste sinnvolle Zeitpunkt. Es geht darum, den Bewerbungsprozess nicht zu einer einmaligen Image- und Standortkampagne zu machen, für den man einen netten Film dreht, und dann ist alles wieder vorbei. Wir wollen die Bewerbung als partizipativen Prozess gestalten. Ich möchte Vorschläge und Ideen von den Frankfurtern dazu haben. Deshalb muss man sich Zeit nehmen.

          Mit was soll sich Frankfurt bewerben?

          Wir können damit punkten, dass wir Pionierstandort sind, was ökologisches, nachhaltiges Bauen angeht. Und zwar in allen Disziplinen: von der Kindertagesstätte bis zum Hochhaus. Das sind nicht mehr nur Modellprojekte. Da steckt ein breites Wissen in der Handwerkerschaft, bei Architekten und Bauherren dahinter und viel wissenschaftliche Kompetenz aus der Region, beispielsweise an der TU Darmstadt. Das ist kein randständiges Thema mehr. Das ist einzigartig in Europa. Das ist auch für eine europäische Strategie spannend, weil Europa beschlossen hat, dass von 2018 an die öffentlichen Gebäude und ab 2020 alle privaten neuen Gebäude in einem noch nicht ganz genau definierten Null-Emissionen-Standard gebaut werden sollen. Wir übersetzen das immer mit Passivhaus-Standard.

          Passivhaus-Hauptstadt zu sein, damit wirbt Frankfurt doch schon jetzt. Das ist nichts Neues.

          Es gibt ja auch noch mehr. Unser Frankfurter Profil sollte sein, dass wir uns als Region bewerben, ohne dafür eine neue Organisation zu gründen. Denn wir haben bislang ein enormes Defizit beim Austausch, zum Beispiel über lokale Klimaschutzpolitik. Unsere Nachbarstadt Hattersheim hat zum Beispiel kreative Lösungen für mehr grüne Dächer und für Photovoltaik-Anlagen auf Dächern, wir in Frankfurt haben wieder anderes Know-how. Man könnte sich auf gemeinsame Ziele verständigen und sich gegenseitig stärken.

          Mit was will Frankfurt noch punkten?

          Ein weiteres spannendes Thema wird Frankfurt als hochverdichtete und sich weiter verdichtende Stadt sein. Wie gehen wir mit Anpassung um? Wie mit dem demographischen Wandel, der den Bedarf nach wohnungsnahen Begegnungs- und Freiflächen weiter erhöht? Mit der Erhitzung der Stadt? Wie wollen wir nachverdichten und gleichzeitig wohnortnahes Grün erhalten und sogar noch ausbauen? Da ist Frankfurt ein gutes Experimentierfeld.

          Wie gehen Nachverdichten und mehr Grün zusammen? Durch mehr Wohnhochhäuser?

          Meine Antwort darauf ist: Nachverdichtung ist sinnvoll, wir brauchen die dichte Stadt, weil es uns nichts nutzt, aus Klimaschutzgründen die weitere Besiedlung der Wetterau zu fördern. Mir greift der klassische Gegensatz, entweder mehr Wohnraum oder mehr Grünflächen, zu kurz. Wir verschwenden Gewerbe- und Verkehrsflächen, wir müssen diese Flächen fürs Wohnen zurückgewinnen.

          Zu den Gewerbeflächen ...

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