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Im Gespräch: Marek und Andre Lieberberg : „Unser Rat ist in Frankfurt nicht gefragt“

  • Aktualisiert am

Familienbande: Marek und Andre Lieberberg im Frankfurter Büro ihrer Konzertagentur. Bild: Frank Röth

Tourneen, Konzerte und Shows organisieren Marek Lieberberg und sein Sohn Andre überall in Europa. Ihre Heimatstadt Frankfurt haben sie immer wieder bevorzugt behandelt, bis zu 70 Konzerte im Jahr veranstaltet ihre Agentur hier.

          Sie haben gerade die Tournee von Cat Stevens, der sich seit längerem Yusuf Islam nennt, veranstaltet. Warum ist er nicht in Frankfurt aufgetreten? Gibt es keine Halle oder kein Publikum?

          Marek Lieberberg: Natürlich ist das Publikum in ausreichendem Maße vorhanden. Aber wenn wir ein bestuhltes Konzert in Frankfurt veranstalten wollen, dann haben wir ein Problem. Es gibt zwar das Stadion am Bornheimer Hang mit einer Kapazität von 15 000 Personen, das 40, 50 Millionen Euro kostet, alles zu Ehren des FSV und des Stadtrates Markus Frank. Jedoch fehlt in Frankfurt eine Halle, die dem Anspruch der Stadt selbst und den Anforderungen der Veranstalter und des Publikums Rechnung trägt.

          Und die Festhalle?

          Marek Lieberberg: Die ist einzigartig, für mich die Halle mit dem größten Charisma. Die Festhalle hat eine Seele. Sie ist, wie Billy Joel und Bruce Springsteen gesagt haben, so voller Charakter wie keine andere weltweit. Die Künstler lieben es, dort zu spielen. Aber das geht nur, wenn das Parkett unbestuhlt ist. Dann finden nämlich im größten Innenraum Europas bis zu 8000 Besucher Platz, mit den Sitzplätzen kommt man auf insgesamt 11.000 bis 12.000.

          Andre Lieberberg: Für Rockkonzerte ist sie perfekt. Wenn ich den Bands erzähle, dass es dort einen „Floor“, sprich Parkett, mit 8000 Fans gibt, ist dies vor allem für Amerikaner kaum vorstellbar.

          Warum? Gibt es in Amerika keine Hallen dieser Größe?

          Andre Lieberberg: Doch, aber weil dort alles extrem reglementiert ist, wird die Kapazität im Innenraum besonders limitiert. Das gilt im Übrigen auch für viele Hallen in Deutschland. Die Festhalle hat dagegen sehr viele Notausgänge, und darum lässt sich der Innenraum gut füllen – was für die Atmosphäre natürlich grandios ist.

          Marek Lieberberg: Dazu kommt, dass die Festhalle einen weiteren unschätzbaren Vorteil hat: Sie liegt mitten in der Stadt. Aber sie hat nun einmal ein Problem mit den Rängen. Durch die skurrile Form der geschwungenen Balkone gibt es dort eine Menge Plätze, die überhaupt keine Sicht auf die Bühne erlauben. Die Halle ist deshalb langfristig ein Konzert-Sarkophag. Ich habe immer wieder vorgeschlagen, einen Umbau zu prüfen. Diese Ränge, die aus meiner Sicht überhaupt nicht historisch sind, sollte man durch ansteigendes Parkett ersetzen. Warum sollte das nicht gehen?

          Bei Cat Stevens wollen die Leute also lieber sitzen?

          Marek Lieberberg: Ja, für ein älter werdendes Publikum bei Cat Stevens oder Neil Diamond eignet sich die Festhalle nicht mehr, weil die Sitzplatzkapazität hier nicht ausreicht. Also weichen wir in die Mannheimer SAP-Arena aus, die mit ihrer Infrastruktur und ihren Logen „State of the Art“ ist.

          Als Standort für eine moderne und zentrale Halle käme für Sie in Frankfurt nur das Europaviertel in Frage, oder?

          Marek Lieberberg: Absolut. Alle anderen Ideen – am Stadion oder am Kaiserlei – sind wahnwitzig! Die Messe ist der beste Standort. Aber die Messe-Gesellschaft hat es versäumt, bei ihren vielen Neubauten an ein multifunktionales Gebäude zu denken, das auch als Konzerthalle nutzbar ist. Ebenso wie sie sich offenbar weigert, über einen Umbau der Festhalle konkret nachzudenken, obwohl eine Arena mit 10.000 Sitzplätzen dringend erforderlich wäre.

          Wer könnte denn so eine Halle bauen, wenn nicht die Stadt selbst?

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