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Im Gespräch: Gernot Grumbach : „Nicht gutes Geld dem schlechten hinterherwerfen“

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Vertraut auf das Wahlprogramm: Gernot Grumbach Bild: F.A.Z. - Helmut Fricke

Gernot Grumbach vertraut auf das Programm der SPD. Im Interview sagt der Hessen-Süd-Vorsitzende, der zum engen Kreis um Andrea Ypsilanti gehört, warum.

          Der Frankfurter SPD-Chef Gernot Grumbach zählt zum engen Kreis um die Landesvorsitzende Andrea Ypsilanti. Als Vorsitzender der SPD in Südhessen bestimmt er maßgeblich die Politik der hessischen Sozialdemokraten.

          Haben Sie sich warm angezogen für diesen Landtagswahlkampf?

          Klar. Heute Morgen war es ja auch ordentlich kalt am Wahlkampfstand.

          Spüren Sie den kalten Wind, der angeblich der SPD nach der misslungenen Machtübernahme entgegenweht?

          Verwunderlicherweise sind die Menschen netter als erwartet.

          Was fragen die Bürger an den Ständen?

          Macht ihr wirklich, was ihr sagt? Verkleinert ihr tatsächlich die Schulklassen? Wie reagiert ihr auf die Wirtschaftskrise? Ändert ihr wirklich die Energiepolitik?

          Und was antworten Sie?

          Natürlich machen wir die Klassen kleiner und fördern die erneuerbaren Energien. Das hatten wir doch alles schon durchgeplant. Und die Krisenpolitik der SPD, dies sage ich allen, fußt auf Gerechtigkeit.

          Glaubt man Ihnen das nach dem sogenannten Wortbruch noch?

          Eine große Mehrheit sagt: Nichts tun wäre auch Wortbruch gewesen. Andere lassen uns wissen, dass sie unser Handeln als nicht gerade toll empfunden haben.

          Bekommen Sie auch zu hören: Wir glauben der Politik nichts mehr?

          Sicherlich. Aber diese Meinung hat es schon immer gegeben. Eher werden wir gefragt: Was hättet ihr anders machen können?

          Was sagen Sie denen?

          Ich antworte immer: Genau das ist das Problem, wenn man eine andere Politik will.

          Das SPD-Wahlplakat „Wirklich wieder Koch?“ hört sich für manchen wie die pure Resignation an. Fühlt die SPD sich im Wahlkampf in der Defensive?

          Besagtes Wahlplakat empfinden viele als ausgesprochen aggressiv. Es spitzt die Differenzen zwischen uns und dem politischen Gegner auf einen Punkt zu: Die CDU wird verkörpert von einem Mann, der eine Politik repräsentiert, die eigentlich in Hessen nicht mehr gewollt wird.

          Sollte eine wahlkämpfende Partei nicht besser von sich sprechen, von ihren Angeboten, Plänen und Kandidaten?

          Das tut die SPD auch. Wir wollten mit diesem vor Weihnachten geklebten Plakat der Bevölkerung sagen: Ihr Hessen, denkt einmal darüber nach, ob ihr die alte Politik wirklich noch einmal haben wollt. Unser Plan, die Bevölkerung auf die Wahl in unserem Sinne einzustimmen, hat auch ganz gut funktioniert.

          Woran wollen Sie das ablesen?

          An der Post, die ich bekomme. Und an der Reaktion der politischen Konkurrenz, die beunruhigt ist über das Plakat. Die CDU weiß sehr genau, dass ihr Spitzenkandidat keinen Amtsbonus besitzt, sondern einen Amtsmalus.

          Wohingegen die SPD mit einem Spitzenkandidaten ins Rennen geht, den vor wenigen Wochen niemand gekannt hat.

          Aber wir haben das Glück, dass die Leute so neugierig auf Thorsten Schäfer-Gümbel sind, dass sie überall, wo er auftritt, in großer Zahl kommen.

          Die SPD hat ihr Wahlprogramm von der ersten Wahl beibehalten: Energiewende, bessere Schulen, mehr soziale Gerechtigkeit. Passt das alles noch in Zeiten einer Wirtschaftskrise?

          Es passt besser denn je. In einer Wirtschaftskrise können Sie zwei Strategien verfolgen. Entweder schauen Sie, dass alles bleibt, wie es ist. Oder Sie verwenden das Geld, das Sie ohnehin einsetzen müssen, dafür, dass die Zukunft besser gestaltet wird. In der Energiepolitik für eine Umstrukturierung, die wir ohnehin einmal machen müssen. Stichwort: Klimaschutz. Und nur mit besseren Schulen treffen Sie Vorbereitung dafür, dass wir die nächste Krise gut überstehen.

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