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Im Gespräch: Gabriele Scherle und Johannes zu Eltz : „Natürlich gehört der Islam zu Deutschland“

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Heitere Stimmung: Stadtdekan Johannes zu Eltz und Pröpstin Gabriele Scherle beim Gespräch im Haus am Dom. Bild: Nora Klein

Ökumene, Predigtkultur, Muslime, die Bedeutung des Christlichen in der Politik: Es gibt viele Themen, über die die Kirchen miteinander reden und streiten können. Pröpstin Gabriele Scherle und Stadtdekan Johannes zu Eltz tun das – offen, direkt.

          10 Min.

          Ist die Ökumene tot?

          Scherle: Nein!

          Eltz: Sie ist quicklebendig.

          Die Kirchen sprechen aber gerne von einer „Ökumene der Profile“, also von einer Abgrenzung. Wird es so nicht schwer, Gemeinsames zu pflegen?

          Scherle: Wir machen viel gemeinsam in dieser Stadt, treten in politischen und sozialen Fragen als christliche Kirchen auf. Aber in theologischen Fragen gibt es tatsächlich eine Profilierung. Mir liegt daran, dass Menschen die Wahl haben zwischen verschiedenen christlichen Wegen, deshalb betone ich das Evangelische. Unsere gemeinsame Herausforderung sind aber die Konfessionslosen, nicht unsere innerchristlichen Differenzen.

          Eltz: Das stimmt. Die Ökumene selbstgenügsamer Volkskirchen ist tatsächlich tot, so wie diese Art Volkskirche selbst auch. Es entwickeln sich aber neue Formen ökumenischer Gemeinsamkeit. Uns nach Notwendigkeit voneinander abzugrenzen und Unterschiede zu pflegen, ist nur ehrlich. Deshalb feiern wir in Frankfurt auch den Reformationstag nicht mehr gemeinsam, aus dem schließlich eine Kirchentrennung erwachsen ist. Dafür feiern wir den Buß- und Bettag zusammen, denn Büßen und Beten steht allen Christen gut an.

          Das Ziel, zu einer gemeinsamen Kirche zu kommen, verfolgen Sie nicht?

          Scherle: Ich möchte eine Kirchengemeinschaft, in der sich Kirchen unterschiedlicher Traditionen gegenseitig anerkennen. Einfach ist das nicht. Wir haben aus theologischen Gründen nun einmal ein anderes Kirchenverständnis als die Katholiken, eine andere Vorstellung davon, wie der Mensch vor Gott steht, eine andere Individualethik.

          Eltz: Und wenn wir von dort aus nach unseren Ursprüngen fragen, dann werden wir uns wieder treffen, aber eben nicht in versöhnten Kirchen, die institutionell voneinander unabhängig sind, sondern in einer gemeinsamen Kirche mit lebendigen Verschiedenheiten.

          Scherle: Ja, ja, wir sollen zurückkommen nach Rom.

          Eltz: (lacht) Mein Langzeitprojekt ist die theologisch begründete Delegitimierung evangelischer Kirchlichkeit durch die Integration reformatorischer Elemente in die katholische Kirche. Zum Beispiel ist das „Priestertum aller Gläubigen“ so katholisch wie es evangelisch ist.

          Scherle: Im Ernst?

          Eltz: Ja, sicher! Die zentrale Gestalt der Kirche ist der Laie, der zum Gebrauch seiner Gaben gekommen ist, nicht der geweihte Priester, der ihm dabei behilflich sein soll. Zu meinen, bei uns würden die Hierarchen auf dem Schild durchs Dorf getragen, ist ein Missverständnis, das überwunden werden muss.

          Scherle: Aber es ist doch so, dass die Menschen nach katholischem Verständnis zum Heil die Priester brauchen. Wir brauchen sie nicht.

          Eltz: Ihre Kirche braucht die priesterlichen Dienste auch – in der Verwaltung der Sakramente und der Verkündigung des Wortes Gottes.

          Scherle: Sicher, die evangelische Kirche versteht sich als Geschöpf des Wortes. Wir kennen aber kein göttlich eingesetztes Weihepriestertum. Daher gilt die Kirche nicht als Sakrament. Die Gestalt der Kirche kann sich auch ändern. Deshalb kann sie auch irren, und deshalb können wir mit Fehlern auch anders umgehen als die katholische Kirche.

          Eltz: Sie kann aber auch in einem anderen Sinn fehlen, nämlich einfach nicht mehr da sein. Und dann ist Christsein auch evangelisch nicht mehr möglich.

          Scherle: Da mache ich mir keine Sorgen. Gott schafft sich durch Wort und Sakrament immer wieder Kirchen in unterschiedlichen Gestalten. Für evangelische Theologie ist es unmöglich, eine bestimmte Organisationsform für gottgegeben zu halten.

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