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Im Gespräch: Frankfurts Planungsdezernent : „Haben nichts gegen ein Möbelhaus, aber der Rest geht nicht“

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Im Dilemma: Edwin Schwarz muss abwägen zwischen seinen Prinzipien und den Interessen der Bad Vilbeler Parteifreunde. Bild: Frank Röth

Die Stadt Frankfurt stimmt mit ab über die Ansiedlung eines Segmüller-Marktes in Bad Vilbel. Und der große Nachbar ist kritisch, was das Sortiment an Gläsern, Töpfen und Porzellan betrifft.

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          Was hält Frankfurt von dem geplanten Segmüller-Möbelmarkt in Bad Vilbel?

          Wir haben nichts gegen einen Möbelmarkt in Bad Vilbel und meinen sogar, dass die Region noch einen Möbelmarkt verträgt. Neben Ikea ist das nächste größere Haus in Richtung Osten erst Möbel Höffner in Gründau-Lieblos.

          Dann wird die Stadt Frankfurt in dieser Woche im Hauptausschuss der Regionalversammlung Südhessen für die Errichtung des Möbelhauses stimmen?

          Wir haben als Stadt zum geplanten „zentrenrelevanten Randsortiment“ eine ablehnende Stellungnahme abgegeben. Auch die rund 40.000 Quadratmeter Verkaufsfläche für Möbel sehen wir kritisch, weil es sehr viel ist. Aber bei den geplanten fast 6000 Quadratmetern für Töpfe, Glas, Porzellan, Babywäsche und was da alles dazugehört, da meinen wir, dass das gar nicht geht. Das ist nicht in Übereinstimmung mit den überörtlichen Planungen zu bringen.

          Wie groß dürfte das Randsortiment sein?

          Wir haben gesagt, 700 oder 800 Quadratmeter für das innenstadtrelevante Sortiment, das ist kein Thema. Das steht auch so im regionalen Einzelhandelskonzept. Aber 6000 Quadratmeter, das ist zu viel. Mich wundert, dass Bad Vilbel das so wünscht. Ein Haus mit einem solchen Randsortiment wird die Infrastruktur in Bad Vilbel sehr stark belasten.

          Bad Vilbel hat auf die Kritik mit einem Kompromissvorschlag reagiert und will das Randsortiment auf 4000 Quadratmeter reduzieren. Ist das ein Angebot?

          Wir wollen das Randsortiment so gering wie möglich halten.

          Segmüller selbst sagt, es bräuchte ein umfangreiches Randsortiment, damit die Attraktivität des Hauses gewährleistet ist und die Frequenz stimmt.

          Aus Sicht von Segmüller verstehe ich das. Aber wir haben den regionalen Flächennutzungsplan, das regionale Einzelhandelskonzept und den Landesentwicklungsplan. Und gegen alle diese Vorgaben verstößt das Segmüller-Konzept.

          Segmüller wollte zunächst nach Frankfurt, auf die Fläche eines Golfplatzes am Martinszehnten, ganz in der Nähe des Bad Homburger Kreuzes. Woran ist diese Ansiedlung gescheitert?

          Das ist an mehreren Punkten gescheitet: Segmüller will 45.000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Frankfurt ist eine kleine Stadt, die sehr dicht besiedelt ist und in der es nur noch wenige freie Flächen gibt. Ich halte das Gelände für zu wertvoll, als dass wir dort einen großflächigen Möbelmarkt ansiedeln. Wir wollen das Areal unweit des Riedbergs als Sportfläche erhalten, um es später vielleicht mal für Wohnungen zu nutzen.

          Ein anderes Grundstück gab es nicht?

          Segmüller sucht ein Areal möglichst weit weg von Weiterstadt. Grundstücke im Süden Frankfurts kamen gar nicht in Frage. Die wollen die Kunden vom Norden auffangen. Wir haben viele Standorte geprüft, aber Segmüller hatte sich dann irgendwann auf das Grundstück im Norden, beim Martinszehnten, festgelegt.

          In Bad Vilbel gibt es eine geeignete Fläche, dort hakt es am regionalen Einzelhandelskonzept. Dieses Konzept wurde erst im Dezember beschlossen, und es sind nun die gleichen Politiker, Ihre CDU-Kollegen aus Bad Vilbel, die eine erste gravierende Abweichung fordern. Verstehen Sie das?

          Ja, klar. Geld macht sinnlich. Das Gewerbegebiet in Bad Vilbel liegt ja schon lange brach. Das kriegt die Stadt nicht vermarktet, Binding ist auch nicht hingegangen, obwohl sie es angekündigt hatten.

          Mit einem Ja zu den Wünschen Bad Vilbels würde das regionale Einzelhandelskonzept konterkariert und damit das Ziel der Region, zu einem gemeinsamen Handeln zu gelangen und als verlässlicher Partner für Investoren aufzutreten.

          Das stimmt. Darüber ist auch heftig in der CDU-Fraktion diskutiert worden.

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