https://www.faz.net/-gzg-x3a2

Im Gespräch: Edwin Schwarz : „Wer die Idylle des Knüllwaldes haben will, muss dort hinziehen“

  • Aktualisiert am

Edwin Schwarz: „Eines geht nicht: Auf der Zeil wohnen, absolute Ruhe und dann noch preiswert” Bild: F.A.Z. -Daniel Pilar

Speckgürtel war gestern: „Rückzug in die Stadt“ heißt der neue Trend. Der für Wohnungsbau und Stadtplanung zuständige Dezernent Edwin Schwarz plant neuen Wohnraum, weil Frankfurt an seine Grenzen stößt.

          8 Min.

          Speckgürtel war gestern: „Rückzug in die Stadt“ heißt der neue Trend. Aber gibt es ihn wirklich? Und wo ziehen die Menschen hin - in den Altbau im Nordend oder in Neubauviertel am Stadtrand? Der für Wohnungsbau und Stadtplanung zuständige Dezernent Edwin Schwarz plant neuen Wohnraum, weil Frankfurt an seine Grenzen stößt.

          Alles redet vom demographischen Wandel und von schrumpfenden Städten. Aber Frankfurt wächst. Gibt es noch genug Flächen für Neubaugebiete, um die Zuziehenden unterzubringen?

          Wir haben noch genügend Platz für 20.000 Wohneinheiten. Das heißt, die Fläche reicht für die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre. Wir können auf zehn Jahre vorhersagen, dass Frankfurts Bevölkerung, im Gegensatz zu anderen Städten, leicht zunehmen wird.

          Was heißt, leicht zunehmen?

          Die Bevölkerung hat in den letzten zwei Jahren um 15.000 Einwohner zugelegt. Zurzeit leben rund 669.000 Menschen in Frankfurt. Wir gehen davon aus, dass die Bevölkerung in den nächsten zehn Jahren leicht auf 675.000 steigt.

          Wo wollen Sie die Menschen unterbringen? Beabsichtigen Sie, gewachsene Viertel zu verdichten oder die Menschen in der Peripherie anzusiedeln?

          Beides. Wir haben große Wohnbaugebiete. Wir haben den Riedberg, der ja zehn Jahre braucht, bis er fertig ist. Wir haben den Preungesheimer Bogen. Dessen ungeachtet werden wir auch weiter Konversion betreiben müssen. Wir haben alle militärischen Flächen zu Wohnbauflächen umgenutzt. Im Hochhausrahmenplan haben wir auch vier Wohnhochhäuser in der Innenstadt ausgewiesen. Dieses Angebot wendet sich natürlich an eine andere Klientel und nicht an Familien mit Kindern. Wir werden auch sehen müssen, ob wir in den Wohngebieten der fünfziger Jahre, die sehr locker gebaut wurden, nachverdichten.

          Welche wären das?

          Riederwald zum Beispiel – zwischen den Wohnblocks haben wir riesengroße Freiflächen. Es wäre lohnenswert zu prüfen, wie dort zusätzlicher familienfreundlicher Wohnungsbau dargestellt werden kann. Auch in der Bürostadt Niederrad wollen wir vermehrt Wohngebäude anstatt ausschließlich Bürohäuser.

          An der Friedberger Warte und am Preungesheimer Bogen stoßen die neuen Viertel an Autobahnen. Der Lärm belästigt die Anwohner. Hat Frankfurt seine Außengrenzen erreicht?

          Ja sicher, Frankfurt ist eine relativ kleine Stadt, was die Fläche angeht. Wir haben weniger Fläche als Erfurt, Eisenach, Bielefeld. Deshalb stößt eine wachsende Stadt wie Frankfurt auch an Grenzen, wie beispielsweise die Autobahnen. Da muss die Stadt schauen, wie Lärmschutz erreicht werden kann.

          Auch am Silogebiet im Westen stößt die Stadt an ihre Grenzen. Dieses Neubaugebiet kann voraussichtlich nicht entstehen, da es zu nah am Industriepark Höchst geplant ist. Was bedeutet es für Frankfurt, auf diese Flächen verzichten zu müssen?

          Das ist ein gravierender Einschnitt. Denn das ist eine große Siedlungsfläche für familiengerechten Wohnungsbau, die uns wegfällt und für die wir keine Alternativflächen haben. Das sind mehr als 5000 Wohneinheiten. Wir wollen die Fläche natürlich langfristig als Wohnbaufläche haben.

          Und Bergen-Enkheim-Nord könnte wegfallen, weil es nach dem Flughafenausbau zu dicht überflogen werden würde.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Schulen und Kindergarten virenfrei? Kurz vor Pfingsten wurden in einem Kindergarten in Athen die Lockerungsmaßnahmen aus dem Lockdown vorbereitet.

          Verbesserte Drosten-Studie : Kein bisschen Rückzieher

          Es darf weiter gestritten werden, ob Kinder so ansteckend sind wie Erwachsene. Eins haben die gescholtenen Charité-Forscher um Christian Drosten mit ihrer umgearbeiteten Viruslast-Studie gezeigt: Gute Kritik ist die beste Medizin.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.