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Im Gespräch: Edwin Schwarz : „Wer die Idylle des Knüllwaldes haben will, muss dort hinziehen“

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Entsteht in den Neubaugebieten sozialer Wohnungsbau?

Ja, einige Wohnungen auf dem Gelände der früheren Atterberry Betts Kaserne an der Friedberger Warte sind in der Bindung. Auch am Riedberg sind einige Sozialwohnungen geplant.

Ist das gewünscht? Oder wollen die Mieter lieber „unter sich“ bleiben?

In dieser Stadt können Sie bald gar nichts mehr bauen. Es sind immer Leute dagegen. Da müssen sich die Verantwortlichen für das Gemeinwohl auch mal durchsetzen.

Gibt es einen gestiegenen Bedarf an innovativen Wohnformen wie dem genossenschaftlich organisierten Wohnen? Will man heute anders alt werden?

Es gibt einen größeren Bedarf an genossenschaftlichem Wohnen als früher. Wir haben immerhin zwei Millionen Euro für innovative Wohnprojekte in den Haushalt eingestellt. Geld, das sowohl für Beratungen als auch für investive Zuschüsse verwendet wird. Auf dem Naxos-Gelände werden wir einen Bereich für das genossenschaftliche Wohnen rausparzellieren. Und wir haben ein Projekt in Preungesheim.

Aber die großen Bauträger-Projekte überwiegen noch, nicht wahr? Da sieht doch eins wie das andere aus.

Ja, aber das ändert sich. Wir versuchen zu fördern, wo es gewünscht ist.

Frankfurt könnte sich doch mit so etwas profilieren. Andere Städte wie Freiburg oder Tübingen haben ganze Stadtviertel so entwickelt.

Das sind Universitätsstädte. Wir haben, prozentual gemessen an der Gesamtbevölkerung, relativ wenig Studenten. In anderen Städten ist das Bedürfnis größer.

Aber nicht nur Studenten teilen das Bedürfnis nach solidarisch organisierten Wohnformen. Viele Interessenten sind jenseits der Vierzig.

Okay. Es kommt ja noch, wir können nicht alles auf einmal machen. Wir sind ja überall schon ziemlich führend in der Republik. Aber es gibt noch Dinge, an denen wir arbeiten müssen. Wir sind die Stadt in Deutschland, die Passivhausstandard bei Neubauten führend umsetzt. Da sind wir spitze.

Behagt Ihnen dieser Titel: Passivhausstadt?

Ja, sicher. Man lernt doch auch dazu. Vor zehn Jahren habe ich noch gedacht: Das ist alles Käse. Was soll das, das funktioniert nicht. Die Dinge haben sich entwickelt. Je mehr man sich damit befasst, ist man überrascht und ändert auch seine Meinung. Schulen, Kindergärten, die jetzt gebaut werden, werden alle nach Passivhausstandard gebaut. Die Investitionskosten liegen um ein Drittel höher, aber das Drittel hat sich durch Energieeinsparungen in zehn, fünfzehn Jahren amortisiert. Dann ist das eine gute Sache. Die ABG Holding baut nur noch nach diesem Passivhausstandard. Und für viele Menschen sind die Nebenkosten eine zweite Miete. Fast mehr als die Grundmiete wegen der steigenden Energiepreise.

Aus architektonischer Sicht gibt es Vorbehalte. Vierzig Zentimeter dicke Mauern, kleine Fenster – das sieht nicht so hübsch aus.

Also, wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass, das geht nicht. 1990 habe ich ein gut isoliertes Reihenhaus am Berger Hang bezogen. Noch vor zwanzig Jahren gab es Vorbehalte gegen gedämmte Häuser: „Das atmet nicht“, hieß es. Heute ist das kein Thema mehr. Sie haben heute Dreifachverglasung. Was man da einsparen kann an Energie, ist unglaublich. Wir haben ja die Beschlusslage, dass, wo immer es möglich ist, wir den privaten Bauherren und Gesellschaften die Auflage machen, Passivhausstandard zu bauen oder mindestens Werte zu erreichen, die 30 Prozent unter der Energieeinsparverordnung liegen.

Angenommen, Sie zögen mit Anfang dreißig und der Absicht, eine Familie zu gründen, nach Frankfurt. Wo würden Sie sich niederlassen?

Dort, wo ich heute wohne: in Bergen-Enkheim.

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