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Im Gespräch: Edwin Schwarz : „Wer die Idylle des Knüllwaldes haben will, muss dort hinziehen“

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Aber Sie wollen mit Dortelweil konkurrieren, da müssen Sie auch mehr bieten.

Tun wir ja auch.

Aber die U-Bahn-Anbindung am Riedberg kommt auch recht schleppend.

Sie haben in zwei, drei Jahren die Straßenbahn, nicht die langen Bauzeiten durch den Tunnel. In der ursprünglich geplanten Form hätte die Anbindung länger gedauert. Die Leute auf dem Riedberg dürfen aber nicht abgehängt werden.

Stichwort Sozialer Wohnungsbau. Viele Wohnungen fallen zurzeit aus der Bindung. Wie wollen Sie den Bedarf stillen?

Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben fallen im Schnitt tausend Wohnungen im Jahr aus der Sozialbindung. Von ursprünglich 60.000 haben wir nur noch 30.000 Sozialwohnungen. Wir bauen jedes Jahr zwischen 250 und 300 neuen Sozialwohnungen. Andere Städte in Hessen bauen gar nichts mehr. Die sind voll aus dem sozialen Wohnungsbau ausgestiegen. Wir versuchen, die Zahl der öffentlich geförderten Wohnungen zu erhöhen. Nur: Es ist sehr schwer. Diejenigen, die das Geld aufnehmen müssten, rufen es nicht ab.

Die Wohnungsbaugesellschaften oder private Bauherren könnten das Geld abrufen – damit hätte die Stadt dort ein Belegungsrecht. Aber das wollen die nicht. Viele wollen diese Klientel in ihren Häusern nicht haben. So einfach ist das. Aber wir sind dabei, ein Mittelstandsprogramm aufzulegen für Menschen, die knapp über der Einkommensgrenze liegen, von der an sie eine Sozialwohnung beantragen könnten. Da wollen wir massiv Geld anlegen, damit sie in den Genuss dieser Wohnungen kommen.

Sehen Sie die Gefahren von Segregationstendenzen und Gettoisierung, wie sie zum Beispiel in Griesheim an der Ahornstraße oder am Frankfurter Berg schon vorherrschen?

Das wollen wir verhindern. Es ist ganz schwierig, wenn Sie fünf geförderte Wohnungen und fünf nicht geförderte bauen. Da sagt die ABG Holding: In zwei Jahren ziehen diejenigen, die normale Miete zahlen, raus. „Mit denen kann man nicht zusammenwohnen“, heißt es. Dann haben sie ein ganzes Haus mit schwieriger Mieterklientel belegt. Das kann dann auch schnell Auswirkungen auf den Stadtteil haben. Man muss das ganz vorsichtig machen. Deswegen plant die ABG neue Wohnmodelle – zum Beispiel mit einer Concierge, die Mieter unterstützt.

Zu beobachten ist eine doppelläufige Bewegung: Die einen wehren sich gegen sozialen Wohnungsbau in ihrer Nachbarschaft. Andererseits werden ganze Stadtteile durch Sanierungsmaßnahmen derart aufgewertet, dass eine bestimmte Klientel es sich nicht mehr leisten kann, dort zu wohnen – eine schleichende Gentrifizifierung.

Es gibt klare Vorgaben, wie hoch die Miete durch eine Sanierung steigen darf. Klar, wenn die Wohnung werthaltiger wird, kann die Miete teurer werden. Ich bin Stadtrat in Frankfurt, aber ich kann mir keine Mietwohnung im Westend leisten. Ebenso können sich nun mal auch einige Studenten keine Wohnung im Nordend leisten. Manche stellen aber überzogene Ansprüche:

Die Miete sollte umsonst sein, und draußen steht der Mercedes. Da stimmt jawohl etwas nicht in der Relation. Man muss immer den Einzelfall sehen. Wir versuchen, soweit wir das planerisch können, zu steuern. Wir bauen nicht nur Eigentumswohnungen, wir bauen auch viele Mietwohnungen. Oder umgekehrt: In anderen Vierteln, wie dem Riederwald, wollen wir auch eine Veränderung der Mietstruktur haben und müssen eben Eigentumswohnungen bauen.

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